Mit mehr als 100 Sachen durch den Eiskanal

Nachwuchs-Rennrodler Timon Grancagnolo gehört zu den großen Talenten in Deutschland. Für die kommende Saison setzt er sich ehrgeizige Ziele.

Oberwiesenthal.

Timon Grancagnolo genießt derzeit die Ferien. "Noch bis 28. April haben wir frei, dann geht es wieder nach Oberwiesenthal in die Schule und zum Training", sagt der Rennrodler, der für den ESV Lok Chemnitz startet. Recht entspannt kann er auf Vergangenes blicken, zumal er bei den deutschen Nachwuchsmeisterschaften in Oberhof die Goldmedaille gewonnen hatte.

"Ein wenig hatte ich schon damit gerechnet", sagt der lang aufgeschossene Kerl, der vor wenigen Tagen 16 Jahre alt geworden ist, selbstbewusst. Auch international hat der junge Hüne durch vordere Plätze längst auf sich aufmerksam gemacht. Beispiele dafür waren ein sechster und ein achter Rang beim Weltcup der Junioren in Oberhof beziehungsweise in Winterberg.

Grancagnolo zählt zu den größten Rodelsporttalenten in Deutschland, steigt Stufe um Stufe. Je nach Altersklasse wird von verschiedenen Starthöhen losgerodelt. "Das sind Unterschiede bis annähernd 300 Meter", erklärt Grancagnolo. Er selbst ist ganz oben angekommen, also dort, von wo aus die Erwachsenen gen Tal sausen. Von dieser Starthöhe aus werden Geschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern erreicht. "Meine bisher höchste erzielte ich in St. Moritz. Im dortigen Eiskanal kam ich auf 138 Sachen", erzählt der Sportler aus Chemnitz. Seine Lieblingsbahn sei aber die am Königssee. Sie gilt noch heute als eine der anspruchsvollsten Rodel- und Bobbahnen der Welt.

Doch Grancagnolo findet sich auf den meisten Bahnen schnell zurecht, deshalb gehört Timon seit der Saison 2018/2019 zur Nachwuchsnationalmannschaft. Gern hätte er an der Junioren-Weltmeisterschaft im Februar dieses Jahres in Innsbruck-Igls teilgenommen. "Aber es hat noch nicht ganz gereicht", sagt er. Im kommenden Winter möchte er jedoch bei der Junioren-WM in Oberhof dabei sein. "Das ist mein großes Ziel", so Grancagnolo, der dafür im Junioren-Weltcup stark sein muss. Gelingt dies, dann sind auch die Olympischen Jugendspiele nicht außer Reichweite. Die übrigens in St. Moritz, wo Timon Grancagnolo seine bislang höchste Geschwindigkeit erzielt hat. Dafür trainiert er, hauptsächlich am Start. "Dort muss ich noch schneller werden", erzählt der Rennrodelsportler. Dafür erhält er unter anderem wissenschaftliche Unterstützung. "Dabei wird jeder Meter im Eiskanal ausgewertet", erklärt der Youngster, der seit 2014 in Oberwiesenthal das Sportgymnasium besucht. "In unserer 10. Klasse haben sich von 23 Schülern lediglich zwei dem Rodeln verschrieben", so Grancagnolo, der mit Pascal Kunze vom ESV Lok Zwickau dieses Duo bildet.

Leistungssport ist ein Vollzeitprogramm. "Der Unterricht beginnt 7.10 Uhr und umfasst sieben bis zehn Stunden. Ab 14 Uhr ist Training angesagt", berichtet der Athlet. Da bleibe nicht viel Freizeit übrig. Dennoch: "Ans Aufgeben habe ich noch nie gedacht. Rodeln hat mir von klein auf Spaß gemacht, und das wird so bleiben." Allerdings gibt es in Oberwiesenthal keine Rodelbahn. Deshalb stehen oft noch Reisestrapazen an, meist geht es auf die Anlage nach Altenberg. "Dass dies kein Nachteil ist, beweisen die Erfolge, die wir bisher eingefahren haben", sagt Timon Grancagnolo.

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