Mit neuer Konstruktion zu alter Stärke

Sein Können hat Nico Kehrer auf internationaler Ebene bereits angedeutet. Nachdem es zwischenzeitlich nicht mehr so rund lief, will der Motorradrennfahrer aus Hohndorf jetzt wieder in der Europameisterschaft angreifen.

Hohndorf.

Statt Eier werden bei Familie Kehrer in Hohndorf zu Ostern kleine Fehler gesucht. Und zwar in der Garage, wo das Rennmotorrad von Nico Kehrer in zahlreiche Einzelteile zerlegt wurde. Viel dürfte diesmal nicht zu finden sein, denn die Maschine des 40-Jährigen funktionierte zuletzt blendend. Ausschlaggebend dafür waren Veränderungen, die Vater Johannes Kehrer während des Winters vorgenommen hat. Trotzdem tüfteln die Kehrers auch an diesem Wochenende wieder. "Es gibt immer kleine Details, die man verändern kann", gibt sich der 69-Jährige als Perfektionist.

Dabei lässt sich der jüngste Rennauftritt bereits als perfekt bezeichnen, denn besser hätte Nico Kehrer nicht in die Saison starten können. Beim Frühjahrspreis im tschechischen Brünn sicherte sich der 40-Jährige an beiden Tagen Platz 1 in der Supermono-Klasse. Und das, obwohl es die Witterungsbedingungen und die Konkurrenz in sich hatten. "Mit am Start war auch Shaun Anderson, der in der Supermono-Europameisterschaft schon aufs Podest gefahren ist", betont Johannes Kehrer. Doch nicht einmal der ambitionierte Nordire konnten seinen Sohn, der sich auch vom nasskalten Wetter nicht stoppen ließ, in die Schranken weisen.

Die Entscheidung, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt trotz leichten Nieselregens auf profillose Slick-Reifen zu setzen, erwies sich als richtig. Aber nicht irgendwelche Slicks. "Aus irgendeinem Grund müssen es ältere, abgefahrene sein. Damit kommt Nico am besten zurecht", erklärt der Senior, der mit erleben durfte, wie sein Sohn in beiden Rennen an die Bestzeiten aus dem freien Training und dem Qualifying anknüpfte. Am ersten Tag hatte der siegreiche Hohndorfer letztlich satte 31,7 Sekunden Vorsprung auf Anderson, obwohl es sich nur um ein Sprint-Rennen über sechs Runden handelte. Tags darauf lag Nico Kehrer nach elf Runden mit zwölf Sekunden vorn.

"So entschlossen habe ich ihn lange nicht mehr fahren sehen", lobt der Vater den Junior. Gesundheitliche Probleme, verursacht durch die Rennfahrerkrankheit Arm-Pump, scheinen überwunden zu sein. Über einen durch eingeschränkte Durchblutung verkrampfenden Arm muss sich Nico Kehrer ebenso wenig sorgen wie um seine Maschine. Denn die hat der Vater im Winter runderneuert - und so offenbar in einen Top-Zustand gebracht. "Ich setz mich in den Sattel - und alles passt einfach", berichtet der Pilot.

"Es ist quasi ein neues Motorrad entstanden. Es hat einen neuen Rahmen und eine neue Geometrie", erklärt Johannes Kehrer. Zwar sind äußerlich kaum Veränderungen wahrzunehmen. Doch hinter der weiß-grünen Plastikverkleidung, die dem 69-Jährige zufolge eine Art Tarnung ist, hat sich einiges getan. Am eigenen Prüfstand, den die Kehrers seit zwei Jahren im ehemaligen Hohndorfer MZ-Werk nutzen, konnten wichtige Erkenntnisse gesammelt werden. Die inzwischen mehr als 700 Messungen auf der Leistungsrolle sollten sich lohnen.

Am Motor auf KTM-Basis wurde ebenso gebastelt wie am Radstand und der Abstimmung von Auspuff und Vergaser. Neben der Schwingenlänge hat sich beispielsweise auch der Motorschwerpunkt verändert. "Die Gewichtsverteilung macht sehr viel aus", erklärt Johannes Kehrer. Erst recht, wenn es sich um einen so feinfühligen Fahrer handelt wie seinen Sohn. Der hat nach einigen durchwachsenen Jahren die Lockerheit im Sattel wiedergefunden und setzt sich daher hohe Ziele. Beginnend mit den beiden Rennen auf dem Slovakia-Ring Ende April will der Hohndorfer die komplette Supermono-Europameisterschaft absolvieren. Das Podest will er nicht als Ziel ausgeben, aber "für die besten Fünf könnte es reichen".

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