Mitten im Wald rauchen die Köpfe

111 junge Schachspieler haben in der Jugendherberge Hormersdorf um die Qualifikation zu den Landesmeisterschaften gekämpft. Eine Gornsdorferin schaffte den Sprung.

Hormersdorf.

Die Jugendherberge Hormersdorf liegt, man kann es nicht anders sagen, ziemlich abgelegen. Am Ufer des Greifenbachstauweihers umgeben von Wald. Im Winter ist da nicht viel los. Genau der richtige Ort also, um die grauen Zellen in Bewegung zu bringen. Seit Jahren ist das Gebäude Austragungsort der Bezirksmeisterschaften im Schach. Stets in den Winterferien: Dann rauchen vier Tage lang, von Samstag bis Dienstag, die Köpfe.

111 Denksportler von der Altersklasse U 10 bis zur U 20 waren diesmal am Start. "Damit sind wir auf jeden Fall zufrieden", sagt Organisator Volker Berndt, der das gleiche Phänomen wie in den Vorjahren beobachtete: Mit zunehmendem Alter nimmt die Beteiligung ab. So konkurrierten in den jeweils höchsten Altersklassen bei Jungen und Mädchen nur noch zwei beziehungsweise fünf Personen miteinander - bei den Jüngeren waren es bis zu 20. Etwa ein Drittel aller Teilnehmer war weiblichen Geschlechts. "Auch das bewegt sich im Rahmen", so Berndt.

Wer unterdessen einen Teilnehmer aus dem Altkreis Stollberg finden wollte, musste ziemlich lange suchen. Weder von der SG Neukirchen noch vom SV Stollberg Erzgebirge waren Sportler vertreten. Während es bei den Neukirchenern schlicht an Nachwuchs fehlt, hätten zwei Stollberger durchaus mitspielen können. Hendrik Kinder hatte sich für die U-20-Konkurrenz sportlich qualifiziert, Tim Wendler eine Wild Card. Doch weil Ferien sind, waren beide mit ihren Familien verreist. So war es an Helene Sindler vom TSV Elektronik Gornsdorf, die Stollberger Altkreis-Fahne emporzuhalten. Die 14-Jährige musste fünfmal ans Brett und gewann zwei Partien - gegen Marleen Schwendel von der USG Chemnitz Linda Tran Thi vom SK König Plauen - bei drei Niederlagen. Das reichte für Platz 3 im Sechserfeld und damit für die Qualifikation für die Landesmeisterschaft Mitte April in Sebnitz. "Ich bin relativ zufrieden", sagte die 14-Jährige, die das Gymnasium in Einsiedel besucht und sich bei Landestitelkämpfen bereits auskennt - im vergangenen Jahr wurde sie dort Sechste unter 15 Starterinnen in ihrer Altersklasse. In einer schachspielenden Familie ist die Gornsdorferin, die in ihrer Freizeit ansonsten auch noch in der Funkengarde tanzt und in der Jugendfeuerwehr mit anpackt, nicht aufgewachsen. Stattdessen meldete sie ihre Mutter einst in der Kita in einer Schachgruppe an. "Sie war für ihr Alter schon sehr weit, und ich wollte das fördern", sagt Kathrin Sindler. Mittlerweile spielt sie beim TSV Elektronik ab und zu in der 1. Bezirksklasse mit, wenn dort Stammspieler ausfallen, und will sich langfristig in der 1.Mannschaft etablieren. Ihren Spielstil bezeichnet sie als ausgewogen. "Der hängt stark vom Gegner ab." Allerdings gerate sie nicht selten in Zeitnot, das sei ihre größte Schwäche. "Die Uhr", sagt ihre Mutter, "reizt sie in der Regel voll aus".

Schon einen Schritt weiter ist Arlene Schubert. Die 17-Jährige, in Hormersdorf eine von neun Starterinnen und Startern des SC 1865 Annaberg-Buchholz, agiert in dieser Saison doppelgleisig. Neben der 1.Mannschaft ihres Heimatvereins spielt sie auch bei der USG Chemnitz in der 2. Bundesliga mit. Bis ans dritte Brett habe sie es dort bereits geschafft. "Aber das ist schon ein großer Leistungsunterschied", betont sie. Bei den Bezirksmeisterschaften hatte sie bei ihrer zehnten Teilnahme aus ihren ersten drei Partien 2,5 Punkte (zwei Siege, ein Unentschieden) geholt, gab dann aber das letzte Spiel gegen Nadine Hartl ab, die sie von der USG sehr gut kennt. Platz 2 in ihrer Fünfgruppe - auch das reichte problemlos für die Landesmeisterschaften.

Das schafften aus den Reihen der Annaberger noch drei weitere Spielerinnen. Christiane Berndt wurde hinter Arlene Schubert Dritte in der U 18, während Arlenes Schwester Matthea souverän die U-14-Konkurrenz gewann. In sieben Partien leistete sie sich nur ein Remis und gewann ansonsten alles. Dritte im Bunde war Angela Jin, die in der U12 Zweite (5 Punkte aus 7 Spielen) wurde. Aus der Region Zschopau waren drei Spieler des SV Lengefel vertreten, von denen aber nur Sebastian Eccarius als Fünfter der U 14 noch aufs Weiterkommen hoffen darf - er muss allerdings nachsitzen. Mit John Heinrich war allerdings Lengefelds Bester in Hormersdorf gar nicht dabei. Der aktuelle sächsische Vizemeister, der sich danach auch auf Bundesebene gut geschlagen hat, ist auch so für die Landesmeisterschaften (U 14) qualifiziert.


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