Motivationstrick zahlt sich aus

Starker Regen hat den Auftakt der Deutschen Enduro-Meisterschaft zu einer echten Herausforderung werden lassen. Auch bei Kevin Nieschalk schwanden die Kräfte, doch dann hatte der Lengefelder eine Idee.

Uelsen.

Als echter Härtetest hat sich der Saisonauftakt der Internationalen Deutschen Enduro-Meisterschaft erwiesen. Zwar ist die Uelsener Geländefahrt für ihre legendären Sonderprüfungen im tiefen Sand bekannt, nicht aber für kernige Enduro-Tests mit über fünf Minuten Fahrzeit quer durch den Wald. Neben der Streckenführung stellte auch das Wetter die Fahrer nahe der deutsch-niederländischen Grenze vor eine große Herausforderung. War es zum Auftakt recht mild, so schüttete es am zweiten Tag wie aus Eimern. Die Strecke wurde zu einer Schlammwüste, mit der jedoch viele Fahrer gut zurechtkamen - darunter auch einige Erzgebirger.

Als harter Kerl erwies sich Kevin Nieschalk. Trotz einer im Training erlittenen Schulterverletzung schob er seine KTM an den Start. "Wenn ich diese zwei Tage weglasse, kann ich die Meisterschaft gleich abhaken", begründete der letztjährige Vizemeister der Junioren-Klasse seine Entscheidung. "Ich war mir zunächst nicht sicher, wie ich das Rennen angehen soll - ob auf Sicherheit bedacht oder doch auf Angriff fahren. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden, weil ich mich gut fühlte und es besser lief als gedacht", sagte Nieschalk, der sein Ziel nach oben schraubte. Statt nur Punkte zu sammeln, nahm er die Top Fünf ins Visier. Dass er den ersten Tag sogar auf Rang 3 beenden konnte, freut ihn sehr, zumal am Ende die Kraft doch etwas nachgelassen habe. "Der zweite Tag war die wirkliche Herausforderung", berichtet der 21-Jährige, der die Schmerzen seines Muskelfaserrisses wegstecken musste. "Die schwierigen Verhältnisse haben wirklich gezehrt. Ich bin in jeder Prüfung mindestens einmal gestürzt", sagt der Lengefelder, der zwischenzeitlich richtig "down" war. "Da habe ich versucht mich selbst zu motivieren und habe unter dem Helm Lieder gesungen - alles, was mir so einfiel", erzählt der angehende Kindergarten-Erzieher schmunzelnd. Sein Trick zahlte sich aus, sodass er in der letzten Runde noch auf Rang 3 vorkam.

Nieschalks KTM-Teamkollege Andreas Beier dürfte das Wochenende dagegen nicht in guter Erinnerung behalten. Durch eine Unachtsamkeit verschenkte er am Samstag den Tagessieg im letzten Moment. "An der letzten Zeitkontrolle auf der Etappe habe ich einfach die Zeit außer Acht gelassen und eine Minute zu spät gestempelt. Ein absoluter Anfängerfehler, der mich extrem ärgert. Alle Prüfungen waren zu dem Zeitpunkt schon komplett absolviert, die Spannung folglich raus und der Tag innerlich schon abgehakt", berichtet Beier. Für ihn reichte es dennoch zu Rang 2 in der E1 - vor Jörg Haustein vom Gelenauer Enduro Fleischer-Team, der erstmals seit 2014 aufs DM-Podest fuhr. Am zweiten Tag rückte Andreas Beier dann die Verhältnisse wieder zurecht und glänzte mit Platz 1.

Eine durchwachsene Premiere auf seinem 300-ccm-Zweitakt-Motorrad erlebte Florian Görner aus Scharfenstein. "Irgendwie lief die Maschine im unteren Drehzahlbereich nicht ganz so rund. Leider haben wir es über den Tag auch nicht besser hinbekommen", zeigte sich der Youngster etwas enttäuscht über Rang 8 in der E3. Am Folgetag gelang Florian Görner mit Rang 4 die erhoffte Steigerung. Damit konnte er sogar seinen Namensvetter Derrick Görner hinter sich lassen. Für den Gornauer wird es wohl die letzte Saison als Aktiver werden. "Es sieht ganz danach aus", sagt der Titelträger von 2012, der in Uelsen Vierter und Fünfter wurde.

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