Nach der Pause wie entfesselt

Die Regionalliga-Ringer des RVE Lugau haben zuhause gegen Leipzig ihren zweiten Saisonsieg eingefahren. Nun können sie am letzten Kampftag ihren Frieden mit einer schwierigen Saison schließen - und die Rote Laterne noch loswerden.

Lugau.

Papa wird Marco Scherf erst in etwa zwei Monaten. Doch so richtig auszuflippen - im positiven Sinne -, dafür hatte der Ringer des RV Eichenkranz Lugau schon am Samstagnachmittag allen Grund. Denn der 28-Jährige war es, der die Stimmung in der Sporthalle an der Sallauminer Straße zum Kochen brachte. Im Duell zwischen dem Regionalliga-Schlusslicht und dem Tabellensiebenten KFC Leipzig brachte sein 5:2 im vorletzten Duell gegen Bar-tosz Sikora die Entscheidung. Mit den zwei Mannschaftszählern zogen die Gastgeber auf 14:8 davon. Der letzte Kampf, in dem Martin Richter gegen Abdullah Semizoglu keine Chance hatte, war nicht mehr von Belang.

Mit dem Prädikat "Matchwinner" konnte Scherf gut leben. "Kann man schon so sehen", sagte er. Dabei hatte er gegen den Polen schwierige erste Minuten zu überstehen. "Da dachte ich schon, das wird nix. Aber dann, kurz nach der Pause, habe ich plötzlich gemerkt, dass sein Tank schon fast leer ist", so Scherf, der den Rückstand drehte und dabei auch ein bisschen Glück hatte. Denn bei einem Abreißer am Mattenrand sah der Luckenwalder Schiedsrichter, der auf beiden Seiten nicht immer souverän wirkte, ein Einknicken seines Gegners. "Das hätte man auch andersrum geben können. Deshalb war ich froh, dass ich ihn danach noch einmal gerollt habe", so Scherf. Gäste-Trainer Sven Liebscher sah den Knackpunkt ebenfalls in diesem Kampf. "Bartosz muss das einfach nach Hause bringen", sagte er enttäuscht.

Noch zur Pause hatte es ganz und gar nicht nach dem zweiten Lugauer Saisonerfolg ausgesehen. "Das wird heute nichts", orakelte etwa Geburtstagskind und Vereinslegende Harry Peprny angesichts des Standes von 5:8. Zwar hatte Anton Vieweg auf der Matte geglänzt und auch Jan Richtsteig in einem recht bizarren Kampf gegen den gelernten Judoka René Kirsten die Oberhand behalten. Doch die schwachen Auftritte von Robert Dobrodziej, der im Duell der polnischen Fliegengewichtler gegen Adam Bienkowski kein Land sah, und Moritz Frey schlugen ins Kontor. Und als Frederik Esser im 66-Kilogramm-Limit gegen Fabio Moleiro einen klaren Vorsprung noch aus der Hand gab, schien das Pendel zugunsten der Gäste aus der Messestadt auszuschlagen. Doch im zweiten Durchgang schlugen die Erzgebirger, die diesmal alle Mann an Bord hatten, zurück. Abgesehen vom Schlusskampf gewannen die Lugauer nun jedes Duell - und das, obwohl keiner von ihnen ein Feuerwerk abbrannte. So kam Krzysztof Sadowik, dessen Gegner Florian Rau von der ersten Minute an den Rückwärtsgang eingelegt hatte, nur zu einem 3:0 - RVE-Trainer Jan Peprny hatte im Vorfeld mit vier Zählern geliebäugelt. Auch die beiden Erfolge von Tim Hamann und Toni Peprny fielen eher in die Kategorie Arbeitssieg.

Doch das interessierte am Ende keinen. Direkt nach dem Husarenstück von Marco Scherf und der Gewissheit des Sieges stürmte Trainersohn Toni Peprny auf seinen Mannschaftskollegen zu und umarmte ihn. Nachdem dann auch Martin Richter sein Tagwerk vollbracht hatte, folgte der kollektive Jubel, der angesichts der Tabellenkonstellation durchaus angebracht war. Denn dank des eigenen Erfolges und der gleichzeitigen Niederlagen von Potsdam und Berlin, können die Lugauer die Rote Laterne am letzten Kampftag nächste Woche noch loswerden. Voraussetzung dafür ist ein Heimsieg im direkten Duell gegen Potsdam. Sollte parallel Berlin die erwartete Niederlage in Markneukirchen kassieren, beenden die Erzgebirger die Saison sogar als Drittletzter.

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