Nach einigen Dramen erneut zur Junioren-Weltmeisterschaft

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Auf ungewöhnliche Geschichten können zwei Skilangläuferinnen des Stützpunkts Oberwiesenthal zurückblicken. Der "Schnee von gestern" soll in Finnland aber keine Rolle mehr spielen.

Oberwiesenthal.

6. März 2020: Die Langlauf-Mädels scheinen bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Oberwiesenthal der Goldmedaille in der Staffel entgegenzustürmen. Wenig später Ernüchterung: Disqualifikation. Deutschlands Schlussläuferin Jessica Löschke ist in die falsche Schleife gewechselt, sinkt in der Skiarena enttäuscht in den Schnee. Teamkollegin Linda Schumacher darf ohnehin nur zuschauen. Jetzt geht es für beide nach Finnland zur nächsten WM. Alles abgehakt?

Dass sich ausgerechnet die Deutschen und dazu noch die am Fichtelberg trainierende Jessica Löschke bei der Heim-WM verläuft, war vor einem Jahr mehr als eine Randnotiz. "Natürlich ist das ausgewertet worden. Ich glaube, wir hatten alle Anteil an dem Missgeschick", sagt die 20-Jährige und meint damit Trainer, Betreuer und Sportler gleichermaßen. Überhaupt lag sie mit der JWM im Clinch: Sturz im Sprint, Aufgabe im Massenstart, Drama in der Staffel. Doch damit war das Unglücksjahr für die aus Bad Dürrenberg stammende junge Dame nicht zu Ende. Mitte Mai, nachdem der Frust verklungen war, kam es noch deftiger. Bei einem Ausrutscher im Sommertraining rammte sie sich einen Skistock durch den Unterschenkel.

"Zum Glück waren die Schutzengel aktiv, Knochen und wichtige Gefäße nicht beschädigt", so damals der verantwortliche Stützpunkttrainer Michael Hoffmann. Ein tschechischer Militärarzt übernahm die Erstversorgung, die Stockenden wurden abgezwackt, per Hubschrauber ging es in die Dresdner Uniklinik, wo der Rest des Stockes herausoperiert wurde. Nach fünf Tagen in der Klinik durfte Jessica Löschke heim - und wenig später trainieren. "Alles gut, bis auf ein anderes Problem", sagt sie. Denn ihr macht oft eine Schienbeinreizung zu schaffen. "Nach 10, 15 Minuten fängt es an zu krampfen. Dann kann ich das Tempo nicht mehr halten", erklärt die Sportsoldatin im Range einer Hauptgefreiten. In Vuokatti, wo die Langlauf-Wettbewerbe ausgetragen werden, startet sie deshalb wohl nur im Sprint der U 23. "Aber es ist alles soweit hergestellt. Es hilft ohnehin nichts, sich tausend Gedanken zu machen." Wie stark die Konkurrenz sein wird, weiß sie nicht. "Es gab kaum Wettkämpfe, internationale gar keine. Deshalb lässt sich nicht einschätzen, wo wir stehen", sagt die 20-Jährige, die im TSV Leuna begann und weiterhin für den Verein aus Sachsen-Anhalt startet.

Ähnlich sieht dies Linda Schumacher. Sie hat sich für das Feld der Juniorinnen ebenso bei verbandsinternen Ausscheiden in Oberstdorf qualifiziert wie ihre Kollegin. Zwei Klassik-Sprints, zwei Freistil-Einzel und ein Massenstartrennen waren zu absolvieren. Und die junge Dame vom SSV Geyer ist froh, dass sie die Qualifikation fürs deutsche Team geschafft hat und nun mit einem Jahr Verspätung und trotz einer Operation ihre JWM-Premiere ansteht. Ist sie deshalb noch heißer als voriges Jahr? "Ja", gibt sie unumwunden zu. Denn 2020 war sie für die JWM am Fichtelberg nicht nominiert worden, obwohl für sie genauso viel sprach wie für andere. Dies wiederum hatte Leute aus ihrem Heimatverein auf die Barrikaden gebracht. "Gut zu wissen, dass sie sich für ihre Sportler einsetzen", sagt die 19-Jährige aus der Ferne.

Denn sie ist bereits in Finnland gelandet. "Alles top. Es ist zwar richtig kalt, aber bereits hergerichtet, kilometerweit gespurt", telefonierte sie am Montag in die Heimat. Das Pandemiegeschehen hat sie zuvor und auf der Reise begleitet: "Hygiene überall, Maske beim gesamten Flug, viele Papiere ausfüllen, Coronatest vorlegen und an den Weltverband schicken", nennt sie einige Modalitäten. Doch die nimmt sie gern in Kauf, um in einer Woche um Bestzeiten sprinten zu dürfen. Dafür hofft sie, dass das linke Kniegelenk hält. Daraus ist die Plica, eine Hautfalte, entfernt worden. "Etwa sechs Wochen Ausfall und eine Zeit an Krücken - aber jetzt habe ich keine Probleme mehr", so die 19-Jährige, die nun mit einem guten Abi in der Tasche und einer Stelle bei der Bundeswehr entspannter laufen kann.

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