Nervenflattern an der Hühnerfarm

Das Grasski-Team Erzgebirge hat für den Endlauf des Fis-Schüler-Cups sein exotisches Sportgerät angeschnallt. Nicht für alle Sportler war das Heimrennen in Ehrenfriedersdorf der erhoffte Vorteil.

Ehrenfriedersdorf.

Mit dem gleichen Elan, wie ihn der Trainer des Grasski-Teams Erzgebirge, Torsten Richter, in seiner Rolle als Organisator des Internationalen Fis-Schüler-Cups in Ehrenfriedersdorf an den Tag legte, haben sich auch viele seiner Schützlinge am Freitag und Samstag den Skihang an der Hühnerfarm hinunter gestürzt. Doch nicht allen gelang es, auf ihren Sportgeräten mit den panzerartigen Ketten die Angriffslust in gute Ergebnisse umzumünzen. Sie schieden trotz Heimvorteil in der Konkurrenz der knapp 50 Sportler aus Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien und Tschechien aus.

So erging es Lokalmatador Lucas Hanings am Samstagnachmittag im Slalomwettbewerb. Sein Coach war sichtlich bedient, als er vor dem abschließenden Vielfältigkeitslauf die Slalomstangen in den vom Verein neu angeschafften Lada Niva schmiss: "Es kann doch nicht sein, dass hier so viele ausfallen - ausgerechnet hier", so Richter. Voll in die Organisation eingespannt, überließ Richter es seinen Kollegen aus Italien und Tschechien, einen Kurs zu setzen. "Am Ende war der vielleicht etwas zu schnell und damit ungewohnt für unsere Jungs und Mädels", analysierte der Coach. Zu den Problemen auf der eigenen Wiese sei auch hinzugekommen, dass er wegen Zeitmangels kaum "einen Tipp hier und dort" habe geben können. Torsten Richter: "Bei keinem Rennen bleibst sowenig Zeit für die individuelle Betreuung wie bei einer Heimveranstaltung."

Nach großer Gesellschaft war es Lucas Hanings, der in der Gesamtwertung zum Angriff auf Platz 3 geblasen hatte, auch nicht zumute: "Ich bin raus, ich bin raus", sagte er kurz nach seinem zweiten Ausfall im Slalom und stapfte von dannen. Der 14-Jährige ärgerte sich, dass er trotz Patzer der Konkurrenz selbst nichts Zählbares mitbrachte. Hanings rutschte auf Gesamtrang 7 ab. Auch seine siebenjährige Schwester hatte Pech: Luisa Hanings fädelte an der Stange des Slalomkurses ein, und ihr blieb somit eine weitere Wertung verwehrt. Für ihre Vereinskollegin Johanna Wiesehütter lief es besser: "Rang 4 von 10 ist ok für mich. Der Rückstand auf Platz 3 war aber richtig knapp", so die Zwölfjährige. Ihr Vater Michael freute sich über die sportlichen Fortschritte seiner Tochter nach einem Sommer-Trainingslager in Italien und sagte: "Da Johanna nun eine der jüngeren Läuferinnen in ihrer Altersklasse ist, schrauben wir die Erwartungen etwas runter." Zudem lobte er den Gemeinschaftsgeist des international besetzten Starterfeldes. Oft wurde im Ziel gemeinsam gewartet, bis alle Sportler unten waren und je nach Ergebnis die Fahrer die Stöcke vor Begeisterung in die Luft warfen oder in ihrer Landessprache entnervt vor sich hin schimpften.

Allen Grund zum Strahlen hatte auf jeden Fall die neun Jahre alte Helene Herrmann vom SV Lok Nossen, die für das Team Erzgebirge die Gesamtwertung der Mädchen U10 gewann. "Grasskifahren ist ein super Sommertraining. Mit Wasser muss ich nach den Rennen das Gras aus den Rollen spülen. Dann kommt wieder neues Öl drauf", erklärte Herrmann die Unterschiede zum Winter. Sie kommt jede Woche für das Training aus Nossen nach Ehrenfriedersdorf. "Etwas verrückt sein gehört in diesem Exoten-Sport dazu",sagte ihre Mutter Manja mit einem Lachen.

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