"Nichts Geileres als im Team"

Ringen: Morgen startet die Regionalliga in die Saison - Auf die Fans warten heiße Action und viele neue Gesichter

Thalheim/Lugau.

Es geht wieder los: Neun Ringer-Teams ermitteln ab morgen die beste Mannschaft im Osten Deutschlands - und die Teams aus Thalheim und Lugau sind mittendrin dabei. Jürgen Werner sprach mit den beiden Präsidenten Holger Hähnel und Jan Peprny über Erwartungen an die neue Saison, neuen Kader und die ein oder anderen Sorgenfalten.

Freie Presse: Am Samstag beginnt die Regionalliga. Wie groß ist die Vorfreude auf die neue Saison?

Hähnel: Allgemein sehr groß. Es gibt aber auch eine gewisse Anspannung, die allerdings normal ist. Peprny: Wir sind heiß und können es kaum erwarten. Es gibt für die Jungs nichts Geileres, als in der Mannschaft zu ringen. Das ist noch einmal etwas anderes als bei Turnieren, in denen jeder auf sich allein gestellt ist.

Was ist in dieser Saison drin und wer sind die Staffelfavoriten?

Peprny: Nach Platz 11 im vergangenen Jahr wollen wir einen Sprung machen und peilen Platz 4 bis 5 an. Ganz vorne sehe ich Markneukirchen. Dazu ist Luckenwalde ein Geheimtipp. Die sind aus der Landesliga aufgestiegen und haben sich gut verstärkt. Und ich erwarte auch unsere Nachbarn aus Thalheim oben mit dabei. Hähnel: Man will sich natürlich immer verbessern. Deshalb haben wir uns als Fünfter der letzten Saison vorgenommen, in die ersten vier Ränge vorzustoßen. Eine Medaille wäre ein großer Erfolg. Ansonsten sehe ich neben Luckenwalde und Markneukirchen auch die Frankfurter als Kandidat für vordere Plätze.

Anfang Oktober steht das erste Derby an. Das war zuletzt zweimal eine klare Sache für Thalheim, das beim 29:6 in Lugau zudem seinen zweithöchsten Auswärtssieg in der Saison feiern konnte.

Peprny: Da muss man aber gleich anfügen, dass die Einzelkämpfe insgesamt deutlich knapper waren als es das Gesamtergebnis ausdrückt. Trotzdem wollen wir es diesmal besser machen. Die Derbys sind Ausnahmesituationen, da kribbelt es immer besonders. Hähnel: Von uns waren im vergangenen Jahr 250 Fans mit in Lugau, das spricht Bände. Das wird auch diesmal nicht anders sein, und da wollen wir uns natürlich sportlich keine Blöße geben. Trotz aller Rivalität sind die Beziehungen aber freundschaftlich.

Mit Raul Donu und Alexander Grebensikov, die beide in die 1. Liga gewechselt sind, haben die "Mattenfüchse" schmerzliche Verluste hinnehmen müssen. Wie fangen Sie das auf?

Hähnel: Das tut schon ein bisschen weh, beide waren absolute Punktegaranten. Aber wir haben uns auch gut verstärkt. Mit Florian Pohl und Lucas Kahnt stoßen zwei junge Talente zu uns. Viel Erfahrung hat hingegen Mario Koch, der aus Jena zu uns kommt, da seine Mannschaft aus der Regionalliga zurückgezogen hat. Pawel Dorniak soll das Weltergewicht nach dem Karriereende von Ralph Piterek verstärken. Und dann kehrt noch Benjamin Opitz nach seinem Bundesliga-Ausflug zu seinem Heimatverein zurück. Mit einem Altersschnitt von knapp 23 Jahren bieten wir eine sehr junge Mannschaft auf und können in jedem Kampf fünf waschechte Thalheimer einsetzen - darauf sind wir ausgesprochen stolz.

Wie sieht das in Lugau aus?

Peprny: Unser Klassiker Pavel Powada ist in seine Heimat nach Tschechien zurückgewechselt. Aber wir haben dieses Jahr eine stärkere Truppe. Robert Dobrodziej haben wir aus Lodz geholt. Er hat noch nie in Deutschland gekämpft, der Kontakt kam im Trainingslager zustande. Dazu kam mit Marco Scherf, Tim Walther und Jan Richtsteig ein Trio aus Artern, das sein Team ebenfalls aus der Liga zurückgezogen hat. Neu ist außerdem Filip Dubsky, der zuletzt in Markneukirchen war. Einen Athleten aus der 1. Bundesliga zu holen, wie das Thalheim getan hat, können wir aber nicht.

In den vergangenen Jahren gab es in Lugau den sportlichen Erfolgen zum Trotz Turbulenzen am Rande. Nach dem Willen der Stadt sollen sie Ihr Trainings domizil an der Flockenstraße räumen und in das umgebaute Bahnhofsgebäude ziehen. Wie ist die aktuelle Lage?

Peprny: Daran hat sich leider nichts geändert. Stand jetzt ist, dass wir 2020 raus müssen - und das, obwohl wir dort perfekte Trainingsbedingungen haben. Das ist für mich wie für den gesamten Verein nach wie vor absolut unverständlich.

In Thalheim gab es Ärger mit dem Verband. Vor der vergangenen Saison wurden Sie zu einer Strafe von 4000 Euro verurteilt, weil Sie nach der Auflösung der Zweiten Liga nicht für die DRB- Bundesliga gemeldet hatten. Was ist daraus geworden?

Hähnel: Wir hatten uns ja damals entschieden, in der Regionalliga anzutreten, weil wir die Bundesliga aus vielerlei Gründen nicht stemmen können. Der Verband interpretierte das als Rückzug, was wir nicht nachvollziehen können. Der Rechtsstreit ist noch nicht beigelegt, die Strafe steht weiterhin im Raum. Wir haben dagegen Beschwerde eingelegt.

Zurück zum Sportlichen: Zum Ligaauftakt empfängt Thalheim morgen den KFC Leipzig, Lugau zwei Stunden vorher die Potsdamer Germania. Wie sind diese Mannschaften einzuschätzen?

Hähnel: Die Leipziger sind vor allem in den unteren und den oberen Gewichtsklassen stark. Der Pole Adam Bienkowski, dessen Bruder Krzysiek auch schon mal in unseren Reihen aktiv war, ist bis 57 kg Freistil ein toller Ringer. Aber auch Karl Marbach, der aus Greifswald kam, wird bei den 98- und 130-Kilo-Jungs sicherlich eine gute Figur machen. Peprny: Potsdam ist aus meiner Sicht ein machbarer Gegner, gegen den wir im vergangenen Jahr einmal gewonnen und einmal verloren haben. Diesmal halte ich zwei Siege für möglich.

Bei vermutlich vollen Häusern, oder?

Peprny: Davon kann man ausgehen. Leider ist unsere Wettkampfhalle derzeit noch Baustelle, weil gerade die Scheiben ausgetauscht werden. Hähnel: Auch bei uns wird die Halle sicherlich voll sein. Wir haben es geschafft, vor der Saison die komplette Bestuhlung auszutauschen. Die alten Stühle stammten noch aus DDR-Zeiten. Unsere Fans und Sponsoren hatten dafür rund 11.500 Euro gesammelt. Außerdem haben wir Tribünen aufgebaut, neu designte Trikots angeschafft und für den ersten Kampf eine Trommler-Gruppe zum Einheizen engagiert, sodass einem super Ringkampf-Event nichts im Wege stehen sollte.

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