Nur die Routiniers holen Punkte

Auf junge Ringer aus der Region zu setzen, erweist sich für den RSK Gelenau als mutige aber auch folgenschwere Entscheidung. Dies wurde bereits zum Auftakt der Regionalliga-Saison deutlich.

Gelenau.

Als die Gelenauer Ringer gerade die Matte betreten hatten, um sich für den Mannschaftskampf gegen den SV Luftfahrt Berlin zu erwärmen, kam auch Erik Löser in die Halle. Weil der große Hoffnungsträger des RSK "Jugendkraft 1898" erst am späten Samstagabend von einem Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft zurückgekehrt war, konnte er beim Saisonauftakt der Regionalliga Mitteldeutschland nicht eingreifen. Auch Hassan Ismail saß nur am Mattenrand, weil er sich im Abschlusstraining verletzt hatte. Bitter war das für Björn Lehnert allemal. Doch noch bitterer war für den Gelenauer Trainer die Erkenntnis, dass es wohl selbst mit diesen beiden Leistungsträgern nicht zu einem Sieg gereicht hätte. Nicht gegen Berlin - und womöglich auch nicht gegen die anderen drei Teams dieser Liga.

"Es hat sich gleich an diesem ersten Kampftag gezeigt, dass der Rest der Liga tatsächlich auf Gastringer aus anderen Vereinen setzt", sagt Lehnert. Durch temporäre Neuzugänge zum Beispiel aus Frankfurt/ Oder und Leipzig dürften der 1. Luckenwalder SC, die WKG Pausa/ Plauen und der RV Thalheim für den RSK zu stark sein. Den SV Luftfahrt aus der Hauptstadt hatte der RSK-Coach noch am ehesten auf Augenhöhe mit seiner Mannschaft gesehen. Doch die Ausfälle von Löser und Ismail sowie die Tatsache, dass auch Berlin zwei Frankfurter im Aufgebot hatte, ließen die Hoffnungen schon an der Waage sinken.

Trotz der schwierigen Ausgangssituation sieht Lehnert die Dinge positiv. "Für uns ist es fast ein Wunder, trotz der Corona-Pandemie überhaupt ringen zu dürfen", betont er. Nach Monaten voller abgesagter Turniere und Meisterschaften sei es für alle ein Riesen-Erlebnis, endlich wieder die Fans jubeln zu hören. Und auch die scheinen heiß zu sein, denn schon lange vor Kampfbeginn waren die meisten der 220 Zuschauer auf den Rängen. So mancher wunderte sich zwar, warum die Berliner bei der Begrüßung Masken trugen und beim direkten Körperkontakt nicht mehr. Doch die Kämpfe selbst ließen das Publikum zum Großteil mitfiebern - trotz der letztlich klaren 6:19-Niederlage des RSK.

Vor allem die Routiniers der Gastgeber sorgten für Applaus. Allen voran Kapitän Daniel Franke, der auch mit 41 Jahren noch Kämpfe gegen internationale Spitzensportler drehen kann. Dies bewies er in der Gewichtsklasse bis 61 Kilogramm, indem er den kaum halb so alten mehrfachen ungarischen Titelträger Ferenc Kecskemeti nach 0:3-Rückstand noch 5:3 besiegte. Auch Fabian Jänicke (86 kg) behielt in einem hitzigen Kampf gegen Simon Papsdorf mit 11:2 die Oberhand. Den dritten Gelenauer Sieg feierte Rafar Abdul Ahmadi (57 kg) im punktreichsten Kampf des Abends (15:8) gegen Magomed Murtazaliev.

Die anderen größtenteils jungen Athleten des RSK gingen leer aus, verdienten sich aber laut Lehnert dabei Respekt. "Wir werden trotzdem auf sie setzen. Für sie ist eine Saison, in der sie viel dazu lernen können", sagt der Trainer und verwies vor allem auf Anton Vieweg (130 kg). Der Neuzugang aus Lugau schlug sich gegen den 15 Kilo schwereren U-23-Vize-Europameister Zsolt Török beim 1:6 mehr als achtbar.

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