Nur die Weltmeisterschaft muss warten

Das ganz große Turnier, das in Paris stattfinden sollte, wurde abgesagt. Dennoch hat Peter Luthe vom Zschopauer Golfclub das erfolgreichste Jahr seiner Laufbahn hinter sich.

Zschopau.

Mit dem US Masters beginnt diesen Donnerstag in Augusta eines der prestigeträchtigsten Golfturniere der Welt. Einer, der den Wettbewerb der besten Profis mit großem Interesse verfolgen wird, ist Peter Luthe. Selbst wird der 65-Jährige vom Zschopauer Golfclub sein Hobby wohl nicht mehr zum Beruf machen können. Aber er hat es weit gebracht, obwohl er erst vor 15 Jahren mit diesem Sport begann. Sein Handicap, das die Spielstärke eines Golfers widerspiegelt, hat er von 54 auf 12,2 verbessert. Vor allem aber zeugt die gerade zu Ende gegangene Saison von Luthes Potenzial. Obwohl das Spieljahr coronabedingt etwas kürzer ausfiel als geplant, war der Kleinolbersdorfer so erfolgreich wie nie zuvor.

Nun gut, die Zschopauer Vereinsmeisterschaft hatte er schon mehrmals für sich entschieden. "Aber noch nie in dieser Form", sagt Peter Luthe, der das diesjährige Matchplay-Format als besonders prickelnd bezeichnet. Statt an einem Tag alle Teilnehmer 18 Löcher spielen zu lassen - so wurde bisher der Titelträger ermittelt -, waren diesmal Einzelduelle angesagt. "Die Spieler verabredeten sich übers ganze Jahr verteilt, und traten jeweils über eine Runde gegeneinander an", berichtet der 65-Jährige. Nicht die Gesamtzahl der Schläge war entscheidend, sondern die Zahl der gewonnenen Löcher. "Da kann man auch mal etwas zocken und riskieren, die Taktik kommt mehr ins Spiel", sagt der Routinier schmunzelnd. Alle sieben Kontrahenten stach er in seiner Handicap-Klasse souverän aus.

Die dabei gezeigte Nervenstärke kam Luthe auch bei der Deutschen Meisterschaft für Linkshänder zugute. Bei dem zweitägigen Turnier in Gera lag der gebürtige Schlettauer, der sich in seiner Jugend in erster Linie dem Skilanglauf widmete, am ersten Abend drei Schläge hinter dem Führenden. Also ging er tags darauf in der Gruppe der besten vier Spieler auf die Abschlussrunde. Doch aus dem Vier- wurde schon bald ein Zweikampf um die DM-Krone der Altersklasse 65. "Erst lag ich hinten, nach elf Bahnen kurzzeitig vorn, aber dann wieder an zweiter Stelle", schildert der Erzgebirger das Auf und Ab. Vor dem letzten Loch hatte er wieder die Nase vorn, doch sein Konkurrent aus Bayern baute mit einem Birdie - einem Schlag unter Vorgabe (Par) - Druck auf. Etwa 1,50 Meter entfernt vom Loch lag der Ball, der für den Sieg unbedingt fallen musste. "Ein Wadenbeißer", sagt Luthe über diese Puts, die einfach aussehen, aber die Nerven auf eine Zerreißprobe stellen. "Alle schauen zu, da kommt man ins Grübeln", erklärt der 65-Jährige, der das Spielgerät dennoch versenkte.

Ein großer Wanderpokal mit eingraviertem Namen war nicht die einzige Belohnung für seinen ersten DM-Titel. Auch auf die Linkshänder-Weltmeisterschaft freute sich Peter Luthe riesig, allerdings fiel das in Paris geplante Turnier der Pandemie zum Opfer. "Es war trotzdem ein tolles Jahr", sagt der frischgebackene Titelträger, der zudem mit dem Zschopauer Team den Klassenerhalt in der sächsisch-thüringischen Senioren-Klasse B Ost feiern durfte. "In unserem Verein macht es riesigen Spaß", sagt Luthe, der den Zusammenhalt und das Flair in Zschopau zu schätzen weiß. "Auch der Platz wurde in einen tollen Zustand gebracht", findet der Bauingenieur, der kurz nach seinem 50. Geburtstag bei einem Schnupperkurs sein Talent fürs Golfspielen entdeckte.

Inzwischen dreht der Kleinolbersdorfer mit seiner Frau Heike fast jede Woche zweimal oder öfter auf dem Platz seine Runden. Sogar jetzt in der kalten Jahreszeit wird noch gespielt, wenn es das Wetter zulässt. Turniere sind aber nur noch im Fernsehen zu erleben - so wie nun das US Masters. Gut möglich, dass es dann in den Händen von Peter Luthe kribbelt. Denn er wäre selbst gern bei einem großen internationalen Wettbewerb dabei gewesen - ein Traum, der erst einmal warten muss. Doch 2021 soll ja die nächste Linkshänder-WM stattfinden.

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