Nur ein Tausendstel fehlt zu Silber

Seine achte internationale Medaille hat Skiläufer Holger Hanzlik gewonnen. Wegen der Umstände ist sie eine besondere.

Jöhstadt.

Winter World Master Games, 30 Kilometer klassisch, Seefeld, Zielgerade: Holger Hanzlik aus Jöhstadt holt Meter um Meter auf, zischt gemeinsam mit dem Österreicher Herbert Wolkerstorfer über die Linie, der Stadionsprecher kommentiert das Duell frenetisch, bejubelt zwei Silbermedaillengewinner. Doch dann Ernüchterung, der Erzgebirger wird auf Platz 3 gesetzt, eine Tausendstelsekunde soll er langsamer gewesen sein.

"Selbst mein Konkurrent hat diese Entscheidung nicht verstanden", so der 67-Jährige, der zwischenzeitlich die Plakette bereits abgehakt hatte, weil er zuvor gestürzt war. "Das Zielfoto wollte ich aber schon gern mal sehen, doch dafür sollte ich 250 Schweizer Franken zahlen. Dabei wollte ich es nur anschauen, ohne Protest einzulegen", berichtet der Bronzegewinner. Nicht die einzige Panne. Auch die Siegerehrung ging schief. "Wir sind nach Innsbruck gefahren, wo sie sein sollte. Tatsächlich war sie aber in Seefeld. Also sind wir zurück, doch im Ort der Laufwettbewerbe war die Zeremonie schon vorbei." Hanzliks achte internationale Medaille - darunter dreimal Gold mit der deutschen Skilanglaufstaffel bei Seniorenweltmeisterschaften - hat genauso einen besonderen Anstrich wie der Wettbewerb in Österreich an sich. Denn an die 3500 Sportler gaben in Tirol bei den Welt-Senioren-Spielen ihr Bestes.

Darunter beispielsweise der einstige Skisprung- und Skiflugweltmeister Andreas Goldberger. Noch immer ein Überflieger, denn der 47-Jährige gewann die Wettbewerbe von den verschiedenen Schanzen mit bis zu 100 Punkten Vorsprung. Eine Randnotiz, eine schöne aber unter unzähligen, die es während der Wettbewerbe vom 11. bis 19. Januar gegeben haben dürfte.

Eine könnte sicher auch Altmeister Gerhard Richter erzählen. Der Dauerbrenner vom TSV Buchholz, Jahrgang 1938, "musste unbedingt" die Ski anschnallen, um in Seefeld dabei zu sein und wenigstens 7,5 Kilometer im freien Stil zu laufen. Die rund neun Minuten Rückstand zum Sieger dürften den 81-Jährigen kaum gejuckt haben, denn erst vor wenigen Wochen hatte er sich den Oberschenkelhals gebrochen. "Ich kann nur den Hut ziehen vor Gerhard, bissel verrückt ist das in seinem Alter aber schon", betonte Hanzlik anerkennend. Er hat auch die Fraktion des SC Norweger Annaberg getroffen - mit Hendrik Escher, Jens Langer sowie Sandra und Frank Kölbel beispielsweise. "Sandra hat auch Bronze im Einzel und mit der Staffel Silber gewonnen", berichtet Hanzlik über die Frau, die in der Altersklasse 45 gestartet ist. Die Erzgebirgsstaffel der Männer - mit Langer, Escher, Hanzlik, Kölbel - kam als Neunte ins Ziel.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.