Nur "Kleine" dürfen hoffen

Bis hinunter zur Bezirksebene ruhen im Kegeln die Kugeln. Ein Bangen, dass es weitergeht, gibt es nur bei Aktiven der unteren Ligen. Aber auch dort längst nicht bei allen.

Annaberg-Buchholz.

Als Hallensportler sind die Kegler in der Region normalerweise keine Winterpause gewöhnt. Doch im Moment sind die Spielstätten verwaist, die Corona-Pandemie fordert ihren Tribut. Inzwischen steht fest: Das bleibt bis zum Sommer so. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist vom Tisch - jedenfalls auf den meisten Ebenen.

Bei den Zweitliga-Keglern des SKV 9Pins Stollberg ist das schon länger klar. Bereits Mitte Dezember hatte der Deutsche Keglerbund Classic (DKBC) alle Ligen in seinem Zuständigkeitsbereich, also in der 1. und 2. Bundesliga, abgebrochen und annulliert - sie sollen in ihrer jetzigen Struktur im September dieses Jahres neu gestartet werden. Im gleichen Atemzug strich der DKBC auch den Pokalwettbewerb. Ein ähnliches Bild bietet sich eine Etage tiefer, im Sächsischen Keglerverband. Der hatte ursprünglich erst in diesem Monat entscheiden wollen, wie es weitergeht, schloss sich dann aber kurz vor Weihnachten der nationalen Entscheidung an. Ergo: Auch auf Landesverbandsebene wird in dieser Saison nicht mehr gekegelt. Mehr Zeit ließen sich die Verantwortlichen der unteren Ligen. Erst vor wenigen Tagen aber entschied der Keglerverband Chemnitz per Videokonferenz, im Bezirk weiterhin eine ruhige Kugel zu schieben. "Die Saison wird nicht wieder aufgenommen", sagt Sportwart Uwe Möbius.

Ein differenziertes Bild bietet sich dagegen in den Kreisen. Dort soll die endgültige Entscheidung darüber, wie es weitergeht, zwar erst am 23. Februar fallen, doch es gibt bereits Tendenzen. "Wir werden wahrscheinlich nicht wieder anfangen", sagt Stefan Werth von den Stollberger 9Pins, deren vierte Mannschaft in der Kreisliga Aue/Schwarzenberg antritt. Dort sei die Zahl der noch auszutragenden Spieltage zu groß, um sie im Frühjahr in den Kalender zu quetschen - zumal vor Ende April ganz sicher keine Kugel rollen werde. Ähnlich sehe es im mittleren Erzgebirge aus.

Hoffen können dagegen die Kegler in der Annaberger Region. "Bei uns scheint die Beendigung der Saison bei noch fünf ausstehenden Spieltagen realistisch", argumentiert Thomas Jacobi, Vorsitzender und Sportwart der Annaberger Kegler. Auch die verbleibenden drei Turniere der Jugendliga könnten noch über die Bühne gehen - wegen der sehr spät beginnenden Sommerferien sei dies selbst im Juli noch möglich. Und wichtig: "Sonst drohen ganze Jahrgänge wegzubrechen", so Jacobi. Nicht zu den Akten gelegt seien zudem die Einzelmeisterschaften auf Kreisebene - auch dazu soll Ende Februar Klarheit bestehen.

Insgesamt wird mit Sorge auf die Entwicklung geblickt. Bis Dezember sei zum Teil, nämlich auf privaten Anlagen, noch Individualtraining möglich gewesen. Doch selbst damit ist mittlerweile Schluss. "Bei Spielern, die keine Naturtalente sind, leidet die Koordination schnell. Ein halbes Jahr kein Training und sie fangen komplett von vorne an", macht Jacobi deutlich. Ob sich dies viele Spieler antun, sei bei einem Durchschnittsalter der Protagonisten von fast 70 fraglich. Zudem gebe es einen finanziellen Aspekt, denn Vereinsbeiträge würden derzeit ohne Gegenleistungen weiterbezahlt. Noch sei ihm kein Fall einer Rückforderung bekannt. "Aber es ist klar, dass niemand Geld zu verschenken hat." Am Ende, so führt er fort, sterbe nicht nur der Sport, sondern auch das Vereinsleben.

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