Ruf nach Abbruch wird lauter

Noch immer ist die Frage nach der Saisonfortsetzung in den Fußballligen offen. Die Zweifel, dass die Spielzeit beendet werden kann, werden immer größer.

Zöblitz.

Ungewissheit ist das prägende Gefühl bei den Verantwortlichen der Fußballverbände in Sachsen. Zuletzt äußerte sich der Sächsische Fußballverband (SFV) mit dem Minimalziel, zumindest die Hinrunde auf Landes- und Kreisebene in allen Ligen zu beenden. Der Kreisverband Erzgebirge (KVF) mit 108 Männermannschaften im Spielbetrieb hat sich diesem Plan angeschlossen. Wie der aussehen soll, ist schon klar formuliert (siehe Infokasten), denn bis zu zehn Partien pro Team sind in der ersten Halbserie inklusive Nachholspiele noch offen. Allerdings werden die Rufe nach einem Saisonabbruch ohne Auf- und Absteiger immer lauter. "Freie Presse" hat sich bei den Erzgebirgsligisten umgehört.

Mike Martin (SV Auerhammer): Es hängt alles davon ab, wann der Breitensport wieder möglich sein wird. Ich denke, dass vor Februar nichts passieren wird. Wenn man dann optimistisch von einem Start im März ausgeht, bleiben nicht viele Möglichkeiten, die Saison ordentlich zu beenden. Ich halte auch mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit für besser, die Spieler haben ja rund drei bis vier Monate nichts machen können. Eine Annullierung wäre für uns die schlechteste Lösung. Dazu nimmt man den Spielern auch die Motivation, wenn es nur Pflichtfreundschaftsspiele gäbe. Die Befürchtung ist, dass sich einige Jugendliche oder auch Erwachsene ein Leben ohne Fußball einrichten. Aber es sterben Menschen, da muss der Sport auch zurückstehen.

Marcus Süß (SV Blau-Weiß Crottendorf): Etwas anderes, als irgendwie noch die Hinrunde zu beenden, wird gar nicht möglich sein. Der Winter kommt vielleicht noch und zwei Wochen Trainingszeit sind zu wenig, auch wenn schon früh Laufeinheiten erlaubt sein sollten. Da entsteht natürlich Termindruck, denn vor März wird sicherlich kein Spielbetrieb möglich werden. Eine Annullierung wäre in meinen Augen die fairste Variante. Aber wir werden damit leben, was entschieden wird. Ich glaube nicht, dass die Spieler bei einer Null-Saison keine Motivation haben. Nach so einer langen Pause müssen die doch wieder heiß auf Fußball sein, egal ob es um Punkte geht oder nicht.

Henrik Jokesch (Oelsnitzer FC): Nach der langen Pause von vier bis fünf Monaten macht es wenig Sinn, mit nur zwei Wochen Vorbereitungszeit einzusteigen. Da sollten sich die Verantwortlichen Gedanken machen, ob auf dem Rücken der Aktiven die Saison durchgedrückt werden muss. Die Gesundheit der Spieler sollte im Vordergrund stehen, egal ob bei Verletzungen oder Corona. Mit zwei Wochen bekommst du keine ordentliche Vorbereitung hin, manche steigen ja auch eher ein. Das wären keinen fairen Bedingungen für alle. Vielleicht wäre es wirklich besser, die Saison abzuschließen, um dann eine saubere Saison 2021/22 zu spielen und dort sportliche Auf- und Absteiger zu ermitteln.

Christian Steingräber (SV Großrückerswalde): Ich sitze zwischen den Stühlen und kann beide Seiten verstehen. Wir sind Sportler, das heißt, wir wollen ein Saisonergebnis, auch wenn es nur die Hinrunde ist. Ich verstehe aber auch Forderungen nach einer Annullierung, da nur eine Halbserie keine komplett faire Grundlage ist. Fakt ist auch, dass zwei Wochen Vorbereitung niemals ausreichen, auch wenn wir im Januar schon Trainingspläne verteilen werden. Vier Wochen sollten es sein, sonst ist die Verletzungsgefahr zu groß. Ich bin aber froh, die Entscheidung nicht treffen zu müssen. Es ist eine schwierige Situation für alle. Aber der Verband wird den richtigen Weg finden und wir als Verein werden ihn akzeptieren.

Nico Barthold (BSV Gelenau): Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Ich glaube, dass vor Ostern der Ball nicht rollt. Ein Abbruch wäre das Sinnvollste, mit Freundschaftsspielen für die Zeit dazwischen. Wir sollten die neue Saison lieber mit vielen Gesunden und Klarheit beginnen. Es weiß keiner, wann es weitergeht und wie es mit Wechseln aussieht. Mit positiven Corona-Fällen muss auch gerechnet werden. Wir brauchen uns nicht in die Taschen zu schwindeln, fair ist was anderes. Vielleicht sollten wir einfach akzeptieren, dass es eine Spielzeit ohne Auf- und Absteiger geben kann. Das Wichtigste ist, die Jungs überhaupt wieder sehen zu können und eine Runde zu kicken.


Derzeitiger Stand im Kreisverband Fußball Erzgebirge

Der Fußball-Kreisverband hatte in einer amtlichen Mitteilung klargestellt, wie die Saison weitergeführt werden kann. Zwar sei der Zeitpunkt für die Fortsetzung des Trainings- und Spielbetriebes "nicht seriös" vorherzusagen. Da aber der DFB das Saisonende auf den 30. Juni fixiert habe, bleibe das Minimalziel für die restliche Spielzeit die Absolvierung einer kompletten Hinrunde, heißt es vom Kreisverband.

Zwei Wochen Vorbereitungszeit soll dabei jede Mannschaft mindestens ab dem Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Trainings erhalten. Zunächst sollen die noch ausstehenden Nachholspiele ausgetragen werden, bevor die noch fehlenden Spieltage der Hinrunde zur Austragung kommen. In Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Wiederaufnahme können laut KVF spezifische Festlegungen über das Minimalziel hinaus getroffen werden.

Bezüglich Auf- und Abstieg teilte der Kreisverband mit, dass neue Beschlüsse, die von aktuellen Regelungen abweichen, möglich sind. (frgu)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.