Saisonauftakt mit Knalleffekt

Die Lugauer Ringer des RV Eichenkranz sind mit einem Heimerfolg in die Regionalliga-Saison gestartet. Beim 21:14 gegen Potsdam wurde es hinten raus aber noch einmal eng.

Lugau.

Ein Wimpernschlag, eine unachtsame Bewegung. Martin Richter wittert seine Chance, greift zu. Bruchteile von Sekunden später liegt sein Gegner Chris Militzer auf der Schulter. Der Rest ist kollektives Ausrasten. Wie von der Tarantel gestochen, springt der Lugauer auf, fällt Trainer und Teamkollegen in die Arme. Das Kopfschütteln auf der Gegenseite sieht er nicht, es interessiert ihn auch nicht.

Es sind diese Geschichten, die das Ringen mitunter schreibt: Eigentlich ist der 33-Jährige, der den Lugauer "Eichenkränzen" den 21:14-Sieg am ersten Regionalliga-Kampftag am Samstag gegen Germania Potsdam am Ende sicherte, gar nicht mehr aktiv. Doch den RVE-Verantwortlichen war im Vorfeld ein Lapsus unterlaufen, sie verpennten die Wechselfrist für Marco Scherf, Tim Walther und Jan Richtsteig. Das Trio aus dem thüringischen Artern soll in dieser Saison die Erzgebirger verstärken, darf dies nun aber erst ab Anfang Oktober tun.

Deswegen musste gegen Potsdam Richter ran - und entschied das Kräftemessen mit einem seiner gefürchteten Kopfhüftschwünge. "Man nennt ihn auch den KH-Martin", gab sein Trainer Jan Peprny hinterher süffisant zu Protokoll, und sein Schützling fügte bescheiden, aber durchaus mit einem Augenzwinkern, an: "Ich kann eigentlich gar nichts anderes."

Zuvor hatten die Besucher in der rappelvollen Sporthalle der Oberschule am Steegenwald ein Auf und Ab der Gefühle erlebt. Die Lugauer legten los wie die Feuerwehr. Neuzugang Robert Dobrodziej zeigte im 57-Kilogramm-Limit (Freistil) gleich im ersten Kampf, warum ihn der RVE aus dem polnischen Lodz geholt hat. Im Anschluss ließ 130-Kilo-Mann Alex Tyschkowski nichts anbrennen, bevor es Libor Milichovsky bei den Klassikern (61 kg) ganz besonders eilig hatte. Handgestoppte 31 Sekunden benötigte der Tscheche in Diensten des RSV Lugau, um den bedauernswerten Leo Guthke, der vor lauter Kopfrollen gar nicht wusste, wie ihm geschah, mit Technischer Überlegenheit zu bezwingen. "Wir hatten zwei Ausfälle in den unteren Limits und mussten dort deswegen mit zwei 15-Jährigen antreten", hatte Potsdams Trainer Ricardo Melz eine Erklärung parat. Beim Stand von 0:12 begann dann aber auch sein Team endlich, erste Nadelstiche zu setzen: Gegen Alexander Biederstädt konnte der Lugauer Maximilian Kirmse in der Klasse bis 98 Kilogramm nicht viel ausrichten.

Danach holten die Gastgeber in Form von Tim Hamann und Toni Peprny aber erst einmal weiter fleißig Punkte. Insbesondere das Duell von Hamann gegen Alan Golmohammadi entwickelte sich zu einem emotionalen Höhepunkt. 5:0 lag der Potsdamer bereits vorn, bevor der 17-Jährige den Spieß noch drehte. "Den Anfang habe ich ziemlich verschlafen, das ist leider immer mal wieder ein Problem bei mir", zeigte sich Hamann im Anschluss selbstkritisch.

Nach der Pause gewannen die Gäste dann aber tatsächlich die Oberhand. Frederik Esser war gegen den Moldawier Radu Cataraga chancenlos, Deward Stier, der über die ganzen sechs Minuten hinweg erstaunlich passiv blieb, unterlag Sven Menzel. Zudem erhielten die Potsdamer noch vier Punkte gratis obendrein, da Lugau im Limit bis 80 kg (Freistil) keinen Athleten an den Start brachte. Der tschechische Neuzugang Filip Dubsky lieferte sich in dieser Klasse zwar einen heißen Fight mit Abdurashid Ataev (den er verlor) - der Kampf lief aber außerhalb der Wertung, da die Lugauer ansonsten die zulässige Ausländerzahl überschritten hätten.

So wurde es - beim Stand von 17:14 - noch einmal eng vor dem letzten Duell, das Martin Richter mit seiner "Spezialität" für die Gastgeber regelte. "Ich wünsche mir, dass auch wir einen Kampf einmal mit solch einem Knalleffekt beenden. Das war schon stark", sagte Gäste-Coach Melz hinterher. Nächste Woche muss Lugau in Markneukirchen ran. Der Staffelfavorit, der in Luckenwalde mit 21:9 siegte, ist noch einmal eine andere Hausnummer.

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