Schadensbegrenzung ist das Ziel

Wegen Querelen im Verein muss Olbernhaus Trainer Tobias Moritz beim Landesliga-Spiel in Mittweida auf Spieler aus der Kreisklasse zurückgreifen. Fünf gestandene Kicker werden dagegen nicht mehr für die SVO auflaufen.

Olbernhau.

Wer Tobias Moritz kennt, der weiß, wie ehrgeizig er ist. Spielerische Lösungen in schwierigen Situationen und Direktpassspiel - so stellt sich der Fußball-Trainer die Angriffe seiner Mannschaft vor, die eigentlich in jedem Spiel zum Erfolg führen sollen. "Natürlich will ich immer gewinnen", hat Moritz einmal gesagt. Doch vor dem Spiel am Sonntag hält selbst er die Bälle flach - und zwar bezüglich der Zielsetzung. "Es ist nicht unmöglich, aber realistisch gesehen haben wir keine Chance", sagt der Coach über das 15 Uhr beginnende Auswärtsspiel beim Landesliga-Konkurrenten SV Germania Mittweida.

Obwohl der Gastgeber als Tabellenzwölfter genauso viele Punkte auf dem Konto hat wie die SV Olbernhau (13.), hält Moritz selbst ein Remis für unwahrscheinlich. Grund dafür ist die außergewöhnliche Personalsituation, die sich in seinem Verein ergeben hat. Nach heftigen Diskussionen während der Mitgliederversammlung Ende vergangener Woche, als den Spielern Danny Gottschalk und Stephan Schäfer sogar Gewalt angedroht wurde, hat es sechs Rücktritte gegeben. Neben Lutz Einert, dem bisherigen Leiter des Männerbereichs, reichten nicht nur Gottschalk und Schäfer ihre Kündigungen ein. Mit Niklas Domke, Clemens Prasser und Steve Müller verkündeten noch drei weitere Spieler in Folge der Ereignisse auf der Versammlung ihren Abschied.

"Da noch drei Akteure verletzt sind und drei wegen Urlaubs fehlen, stehen mir in Mittweida nur neun Spieler zur Verfügung, die schon mal auf Landesebene gespielt haben", erläutert Moritz die kritische Situation. Daher werden am Sonntag mindestens zwei Kicker zur Startelf gehören, die zuvor für die zweite Mannschaft in der 1. Kreisklasse aufgelaufen waren. Der Trainer geht davon aus, dass sich dies auf dem Platz bemerkbar macht. "Wir müssen die Erwartungen herunterschrauben", sagt er deshalb: "Für uns kann es nur um Schadensbegrenzung gehen." Gelingen soll dies in erster Linie durch harte Abwehrarbeit. Offensiv setzt Moritz auf Einzelaktionen und Glück, um vielleicht doch jubeln zu können.

Auch den Trainer brachten die jüngsten Geschehnisse ins Grübeln. Ans Aufhören denkt er aber nicht. "Ich habe vorher gewusst, dass die Aufgabe nicht einfach wird", sagt Moritz, der solche Dimensionen jedoch nicht kommen sah. Trotzdem sieht er sich dem Verein und auch den verbliebenen Spielern gegenüber in der Pflicht, die Saison mit Anstand zu Ende zu bringen, zumal es keinerlei Zerwürfnis zwischen Mannschaft und Trainer gebe. Auch mit Gottschalk und Schäfer kam Moritz gut aus - und doch kann er nicht mehr auf sie bauen. "So etwas geht gar nicht", sagt Schäfer über die Anfeindungen in der Mitgliederversammlung, ausgelöst durch unterschiedliche Ansichten über die sportliche Ausrichtung des Vereins. Wenn auf kritische Äußerungen die Androhung von Gewalt folgt, gibt es für den 26-Jährigen nur eine Konsequenz. Die heißt Abschied - auch wenn die vergangenen zweieinhalb Jahre im SVO-Trikot eine tolle Zeit waren: "Es hat Riesenspaß gemacht, mit so vielen Fans im Rücken zu spielen." Diesen "geilen Erlebnissen" folgt nun eine bittere Auszeit. Zwei, drei Wochen abschalten, ehe sich Schäfer individuell auf die neue Saison vorbereitet. Wo er dann spielt, weiß er ebenso wenig wie Gottschalk. "Es gibt keine Pläne", sagt der Zöblitzer, der eigentlich mit der SVO um den Liga-Verbleib kämpfen wollte. "Abstiegsangst war bei uns nie zu spüren", sagt Gottschalk, der trotz einer schwierigen Phase eine ordentliche Hinrunde erlebte. Nun wünscht er seinen Ex-Teamkollegen aus der Ferne alles Gute. Das Kapitel SVO ist für ihn beendet - auch weil er nach den Geschehnissen in der Versammlung Konsequenzen seitens der Vereinsführung vermisste.

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