Schalmeien, Feuerwerk und eine Hochzeit zum 50. Ehrentag

Eine der bekanntesten Rennrodlerinnen der Welt hat am Sonntag ihr erstes halbes Jahrhundert abgeschlossen. Und verheiratet ist sie seit dem Tag auch. Doch das zählt nicht.

Oberwiesenthal.

Zweimal Olympiasiegerin, sechsmal Weltmeisterin, dreimal Europameisterin, dreimal Deutsche Meisterin, viermal Gesamtweltcupgewinnerin: All das hat Sylke Otto in ihrer Karriere als Rennrodlerin erreicht. Nur mit der Zahl fünf hatte sie bislang nichts am Hut. Seit Sonntag ist das anders, steht eine 50 zu Buche. Gefeiert hat die gebürtige Karl-Marx-Städterin in ihrer alten Wahlheimat Oberwiesenthal. Doch die einst erfolgreichste Rennrodlerin der Welt - inzwischen ist Natalie Geisenberger vorbei - sagt: "Das Leben ohne den Sport ist ein anderes geworden."

Ein Leben ohne Sport? "Ja", sagt Sylke Otto. "Ich mache so gut wie gar nichts mehr." Dafür kümmert sie sich um ihre acht und zwölf Jahre alten Töchter und ihren Lebensgefährten, engagiert sich in Franken als parteilose Kandidatin in der städtischen und kreisweiten Kommunalpolitik, betreibt ihren Purzelbaum-Kindergarten mit Boutique, in der sie Bekleidung und Spielzeug aus erster und zweiter Hand für Kinder anbietet. Dies alles geschieht im mittelfränkischen Zirndorf, wohin es die Olympiasiegerin von 2002 in Salt Lake City und von 2006 in Turin schon während ihrer Sportlerkarriere verschlagen hat. "Alles ist im Lot", sagt sie zufrieden.

An ihre Heimat denkt sie dennoch oft. Auch deshalb hat die Ehrenbürgerin der Stadt Oberwiesenthal am Fichtelberg ihr Jubiläum gefeiert. "Fast alle meine Bekannten und Freunde kommen ja von drüben", begründet die Wahlfränkin ihre Entscheidung. Da kam es nur gelegen, dass das Kräuter- und Aroniafest zeitgleich mit dem Geburtstag zusammentraf. Schließlich sind Kräuterkönigin Uta Riedel und Aroniabotschafter Jens Weißflog gute Freunde der Jubilarin. Doch zu denen gesellten sich noch viele andere: die Trainer Andreas Estel und Torsten Görlitzer, Skitechniker Wolfgang Scholz, Olympiastützpunktleiter Thomas Weise und ihre einstigen Weggefährten in den Eiskanälen dieser Welt, Anke Wischnewski und Torsten Wustlich. Skilanglaufweltcupsieger René Sommerfeldt kümmerte sich ums Feuerwerk, die Steinbacher Schalmeien machten Stimmung, Gratulanten en masse. "Die meisten im Zelt waren schon wegen mir da", versicherte Sylke Otto mit etwas Stolz.

Den darf sie auch haben. Denn obwohl sie Anfang des Jahres 2007 "von jetzt auf gleich" den Eiskanälen adé sagte und den Schlitten in die Ecke stellte, kann sie auf einen wundervolle sportliche Karriere zurückblicken. Die hatte einstmals bei der BSG Lok Karl-Marx-Stadt begonnen, ab 1983 besuchte das blonde Mädchen die Kinder- und Jugendsportschule am Fichtelberg, wurde Mitglied des SC Traktor und später des WSC Erzgebirge Oberwiesenthal, lernte pharmazeutisch-technische Assistentin und wurde während ihrer aktiven Zeit als Zeitsoldatin in der Sportfördergruppe der Bundeswehr geführt, wo sie es bis zum Rang eines Hauptfeldwebels brachte. Ihr sportliches Ende besiegelte sie selbst. Weil sie schwanger war, gab sie im Januar nach einem Sturz auf der Bahn in Königssee ihren Abschied bekannt. "Die Entscheidung fiel sehr schwer, doch es war die richtige", sagte sie damals.

In den Tagen von Jubiläen ziehen Erinnerungen vorbei, bei Sylke Otto sind es allein sportlich unzählige. Denn an die 30 Jahre war das Rennrodeln fester Bestandteil ihres Tagesablaufs. Vielleicht hatte sie auch deshalb nie Zeit, ihren Lebenspartner Ronald Grund zu heiraten. Dies hat Rolf Schmidt nun geändert und die beiden vermählt. Schließlich ist der Freund des Paares "Kraft seines Amtes" als Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz berechtigt, solche Trauungen vorzunehmen. "Eine weitere lustige Sache einer rundum gelungenen Feier mit vielen Überraschungen in meiner alten Heimat", so Sylke Otto. Vielleicht wird aus dem Gag ja doch noch Ernst.

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