Skiverband rotiert im Sommer

Mitten in der Vorbereitung auf den anstehenden Winter hat sich im Deutschen Ski-Verband das Trainerkarussell gedreht. Involviert sind vier Oberwiesenthaler. Sie sehen das Ganze mit gemischten Gefühlen.

Die erfolgreiche Skilangläuferin Katharina Hennig hat ihr heimisches Sofa in Königswalde verlassen und ihren Trainingsmittelpunkt ins Allgäu verlegt - der Liebe wegen. Sie startet aber weiter für Oberwiesenthal.
LutzHänel - Trainer im Schüler- und Jugendbereich
LarsLehmann - BundestrainerLehrgangsgruppe 1B
RenéSommerfeldt - Cheftechniker im DSV
JankoNeuber - BundestrainerLehrgangsgruppe 1A

Für Sie berichtet: Thomas Schmidt

Alles neu macht der August. Denn offiziell - und ohne großes Aufsehen - hat der Deutsche Ski-Verband personelle Korrekturen auf Leitungsebene vorgenommen. Während der Saison. Im Ergebnis dieser Strukturveränderung ist der Landestrainerposten in Sachsen vakant, denn neben Janko Neuber und René Sommerfeldt steht nun auch Lars Lehmann in überregionaler Verantwortung.

Im Stenogramm liest sich das so: Lutz Hänel, der bisherige leitende Stützpunkttrainer, wird Trainer im Schüler- und Jugendbereich und in der Gesamtverantwortung durch Janko Neuber ersetzt. Der bisherige Junioren- und U-23-Nationaltrainer René Sommerfeldt wird Cheftechniker im DSV. Der bisherige Landestrainer Lars Lehmann übernimmt die Verantwortung von Sommerfeldt im DSV.

Persönlich enttäuscht von diesen Entscheidungen ist Lutz Hänel. "Ich stehe dieser Veränderung nicht im Wege. Aber ich hätte mein Wissen und meine mehr als 30-jährige Trainererfahrung gern weiterhin an einer Schlüsselstelle - nämlich dem Übergang vom Eliteschüler zum Profisportler - eingebracht. Erfahrung ist für mich persönlich eine der wichtigsten Eigenschaften in unserem Beruf", sagt der 57-Jährige. Zumindest im nationalen Vergleich dürfte es keinen Grund gegeben haben, die Oberwiesenthaler Entwicklung zu kritisieren. Schließlich haben die Skilangläufer vom Fichtelberg in den vergangenen Jahren die deutsche Spitze bestimmt. Von 186 Einzel- und Teamsprinttiteln in den Altersklassen 16 bis Erwachsene gingen seit 2014 genau 61 nach Sachsen.

Auslöser der Rotation sind wohl die Techniker. Chris Hönig hatte seinen Posten zu Verfügung gestellt. "Und ich habe gesagt, wenn ihr Ersatz braucht, stehe ich bereit", so René Sommerfeldt, der diese Funktion bereits einmal ausüben durfte. Sie gefällt ihm. In den jüngsten Tagen war er in Schweden unterwegs, hat getestet und mit Herstellern gesprochen, um Ski, Stöcke, Schuhe und all die anderen Dinge ordern zu können, zugeschnitten auf jeden Athleten. Den nun anderen Stress will er diesen Olympiazyklus über sich ergehen lassen. Das Positive: "Im Gegensatz zur Tätigkeit als Trainer sehe ich hier sofort das Ergebnis." Klar, wenn sich Wachser vertun, schinden sich Sportler oft umsonst.

Mit gemischten Gefühlen betrachtet Janko Neuber die Neuerungen. Einerseits hat er zu seiner Verantwortung als Bundestrainer nun noch die für den Stützpunkt, andererseits schlagen zwei Herzen in seiner Brust: "Als Techniker ist ,Sommel' ein Gewinn, im Bereich der Trainer reißt es eine Lücke." Zwar soll die mit Lars Lehmann ein weiterer O'thaler schließen, doch für dessen bisherigen Landestrainerposten gibt es noch keinen Ersatz. "Bis es im Winter richtig losgeht, werde ich beide Positionen parallel ausüben, danach geht das nur noch begrenzt", sagt der 35-Jährige, der von Pulsschlag Neuhausen kommt. Ein Spagat.

Ein Spagat muss auch Neuber vollziehen. Schließlich hat er seinem Vorgänger Lutz Hänel - "der hat mich einst mit Werner Nauber bis zu Olympia gebracht" - einiges zu verdanken, nun löst er ihn ab. "Grundsätzlich will Skilanglaufchef Peter Schlickenrieder überall Wechsel. Neuer Olympiazyklus, neue Verantwortliche", fasst es der 47-Jährige zusammen. Denn das Ziel ist klar: Langfristig wollen die Deutschen wieder in die Weltspitze. Die Weltmeisterschaften 2019 in Seefeld und 2021 in Oberstdorf sowie die der U23/Junioren 2020 in Oberwiesenthal sollen wichtige Zwischenstationen sein. Denn, so Neuber: "Wenn wir es nüchtern betrachten, haben wir im internationalen Vergleich überall an Boden verloren." Mit Sandra Ringwald und Thomas Bing, die als beste Deutsche als 23. beziehungsweise 38. des vergangenen Gesamtweltcups einkamen, will der DSV nicht zufrieden sein.

Die Grundlagen werden aber woanders gelegt - in den kleinen Vereinen und danach in den Sportschulen. Auf den "für den Skilanglauf positiv verrückten" Lutz Hänel wird Janko Neuber deshalb bauen können, auch wenn der sagt: "Es ist Sache der Verbände, Landes- zu Bundestrainern zu machen. Den dritten Wechsel in Sachsen in so kurzer Zeit sehe ich aber mit Sorge. Konstanz wäre wünschenswert - und ist notwendig für das Vertrauen der Vereine in uns." Hänel jedenfalls habe dieses Vertrauen als Disziplinverantwortlicher gespürt. "Die Zusammenarbeit mit Olympiastützpunkt, Förderkreis, Ärzten, Eltern, Schule, Internat, Sportlern, Sponsoren und Übungsleitern funktioniert. Ich hoffe, die bisherigen Partner ermöglichen dies weiterhin. Ich war und bin vom Trainings- und Ausbildungssystem überzeugt und werde meinen Teil weiterhin dazu beitragen", so der 57-Jährige.

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