Spiel mit vielen Unbekannten

Wer will, wer will nicht? Diese Fragen treiben derzeit die Fußballer des Kreises um. Stimmen über Auf- und Abstieg hat "Freie Presse" gesammelt.

Zöblitz.

Mit konkreten Aussagen, wie die jeweiligen Fußball-Staffeln in der neuen Saison aussehen könnten, hält sich Jens Breidel derzeit noch zurück. Der Geschäftsführer des Erzgebirgsverbandes verweist darauf, dass die Vereine noch bis zum 15. Juni Zeit zum Melden haben. Lediglich im Fall der 2. Kreisklasse könne ein Haken gesetzt werden, da sich alle drei Staffelsieger für den Aufstieg beworben haben, wie es in der Corona-Sonderregelung offiziell heißt. Fragezeichen gibt es dagegen in anderen Ligen.

Noch keine Lösung gibt es in der Aufstiegsfrage aus der Erzgebirgsliga in die Landesklasse. Der SV Thalheim besitzt das Aufstiegsrecht. Ob die Tannen den direkten Wiederaufstieg angehen, ist indes fraglich, wie Trainer René Wendler berichtet. "Das hängt in erster Linie davon ab, ob die Personalien stimmen." Die Thalheimer wollen dabei nicht nur die Mannschaft verstärken, sondern den Verein auch etwas anders strukturieren. Gibt es die erwünschten Neuzugänge, werde auch gemeldet. "In 14 Tagen wissen wir mehr." Dass der Aufstieg verdient sei, daran lässt der Tannen-Trainer keine Zweifel. "Wenn man zu diesem Zeitpunkt oben steht, ist das kein Zufall", so Wendler, der eine sportliche Lösung favorisiert hätte. Dass die Entscheidungen nun auf diesem Wege fallen, hält er dennoch für richtig und lobt zugleich den sächsischen Verband. "Dass er eine rigorose Entscheidung gefällt und diese so früh verkündet hat, hat für Sicherheit gesorgt."

In Aue heißt es daher warten. Der SV Auerhammer als Zweiter hat für die Landesklasse gemeldet und würde das Abenteuer, das den kleinen Verein erstmals auf Landesebene führt, gerne angehen. "Jetzt müssen wir sehen, ob Thalheim will oder nicht", sagt Trainer Mike Martin. "Wenn wir nicht aufsteigen, ist das auch kein Weltuntergang." Der Aufstieg sei Ziel gewesen, zumal es "berechtigte Hoffnungen" auf Platz 1 gab. Grund zum Frust gebe es, denn die Blau-Gelben stehen nur aufgrund eines Drei-Punkte-Abzugs wegen des nicht erfüllten Schiedsrichtersolls auf Rang 2. "Sonst wären wir Erster", so Martin. Die Regelung wird für die kommende Saison ausgesetzt, was den Ärger in Aue noch vergrößert. "Aber es ist so, damit müssen wir leben." Und sollte es nicht mit dem Aufstieg klappen, bliebe vielleicht der Pokalsieg als Trostpflaster. "Leise Hoffnungen darauf habe ich noch", so der SVA-Trainer. "Die Frage ist halt, wann, wie und wo gespielt werden kann."

In Gelenau atmet man indes erst einmal auf: Der BSV hat den direkten Absturz von der Landesklasse in die Kreisliga vermeiden können. "Ich habe aber Gerüchte gehört, dass wir zurückziehen", sagt Spielertrainer Kay Zaffrahn schmunzelnd. "Das wäre dann aber selbst mir neu." Zwar sei der Abbruch in seinen Augen die beste Entscheidung, aber: "Wir hätten gern gezeigt, was wir können. In der Mannschaft war eine gute Stimmung - mit dem Grundgefühl, dass wir eine aufsteigende Tendenz haben." Nun stehe die Planung für die kommende Spielzeit im Fokus. "Da sind viele Unsicherheiten sowie einige finanzielle Verluste im Spiel. Ich glaube nicht, dass es in der Sommerpause viele Neuzugänge in den Vereinen geben wird."

In der Kreisliga - Stand Montag - waren aus der West-Staffel noch gar keine Bewerbungen eingegangen. Für die drei Aufstiegsplätze in die Erzgebirgsliga, die sich wahrscheinlich ergeben, sind somit bislang nur die Spitzenteams der Ost-Staffel prädestiniert. Neben der BSG Motor Zschopau, die durch die Quotientenregel auf Platz 1 der Tabelle geklettert ist, will auch der SV Tirol Dittmannsdorf zurück ins Fußball-Oberhaus des Kreises. Beide Teams haben ihr Interesse bereits offiziell hinterlegt. "Der Aufstieg war von Anfang an unser Ziel", sagt Zschopaus Mannschaftsleiter Sven Sachteleben. Nachdem sein Team im gesamten Kalenderjahr 2019 ohne Niederlage geblieben war, sie dieser Schritt folgerichtig. Mit dem Sprung in die Erzgebirgsliga werde ein kleines Jubiläum gekrönt, denn die BSG Motor wurde vor 15 Jahren neu gegründet. "Das werden wir zusammen mit dem Aufstieg feiern, sobald es die Lockerung der Corona-Regeln zulässt", blickt er voller Vorfreude voraus. Die Bildung einer zweiten Mannschaft fürs kommende Spieljahr trägt ebenso zur guten Stimmung bei. "Trotzdem müssen wir uns verstärken", betont Sachteleben.

Auch beim SV Tirol laufen bereits die Planungen für die Erzgebirgsliga. "Wir warten zwar noch auf die offizielle Bestätigung, aber es sieht gut aus", sagt Trainer Steffen Richter in Bezug auf den Aufstieg. Die Rückkehr ins Oberhaus wurde im Laufe der Saison immer mehr zum realistischen Vorhaben. "Leistungsmäßig wäre das definitiv verdient", sagt Richter, der sich für die Oldies im Team freut und die Talente für ihre rasche Entwicklung lobt: "Wir verfügen über eine fantastische Mischung aus Jung und Alt." Diese soll sich kommende Saison eine Etage höher beweisen.

Alles kann, nichts muss: In den Reihen des SV Affalter steht die Entscheidung zum Aufstieg noch aus. Ein bisschen zumindest. Nach vorzeitigem Ende der Saison steht das Team auf Platz 1 der Kreisliga und könnte ins Oberhaus wechseln. "Wir hatten vor Abbruch der Saison ja auch einen Vorsprung von vier Punkten und waren auf einem guten Weg", sagt Abteilungsleiter Patrick Matthes. Der Aufstieg sei erklärtes Ziel gewesen. "Daher lassen wir uns diese Chance sicher nicht entgehen. Denn toll wäre es schon, in die Erzgebirgsliga zurückzukehren."

In dieser Klasse will - ein wenig überraschend - der SV Eintracht Bermsgrün bleiben. Beim Schlusslicht lief zuletzt nicht mehr viel zusammen. "Wir hatten einige Abgänge, weitere folgen", so Abteilungsleiter Steffen Hübner. Insofern war der coronabedingte Abbruch der Saison die Rettung für die Mannschaft. "Jetzt können wir noch mal eine Saison Luft holen und alles versuchen, die Klasse aus eigener Kraft zu halten." Ob das gelingt, sei schwer vorherzusehen. Finanziell hatten die Bermsgrüner Glück, wie Hübner sagt. "Alle Derbys - gegen Schwarzenberg, Neustädtel, Auerhammer und Sosa - hatten wir als Heimspiele und somit auch die entsprechenden Einnahmen." Geht es 2020/21 vielleicht auch gegen Raschau-Markersbach? Der SV Mittweidatal belegt Rang 2 der Kreisliga-Tabelle. "Wir wissen jedoch noch nicht, wie wir mit dem möglichen Aufstieg umgehen", erklärt Abteilungsleiter Dirk Lenhart. Das Team berate über die Option. ( anr/ane/frgu)

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