Sprungbrett für junge Talente

112 Schachspieler sind in der Jugendherberge zur Bezirkseinzelmeisterschaft angetreten. Für manche war in Hormersdorf die Quali zum Landesturnier schon Routine.

Hormersdorf.

Dass Abgeschiedenheit, klare Luft und das Rauschen der Bäume den Geist beflügeln, dafür gibt es keinen Beweis. Sollte dem aber so sein, dann ist die Jugendherberge in Hormersdorf der perfekte Ort für Denksport. Mitten im Wald, in Nähe des Greifenbachstauweihers ging dort bis Dienstag die Schachbezirksmeisterschaft über die Bühne. Vier Tage lang grübelten die besten Nachwuchsspieler der Region an den Brettern, gaben ihr Bestes und versuchten, sich für die Landesmeisterschaft im April in Sebnitz zu qualifizieren.

Helene Sindler schaffte dies als Dritte. Nichts Neues für die 13-jährige Kemtauerin, die schon mehrfach auf Landesebene dabei war. "Dort wird die Luft dann aber dünn", sagte die Teenagerin, die schon im Kindergartenalter zu ihrem Verein, dem TSV Elektronik Gornsdorf, kam - und damals gleich noch ein paar Freunde mitbrachte. "Sie hat mir im Grunde die Trainingsgruppe gerettet, die damals im Auflösen begriffen war", sagte ihr Trainer Kay Löser, der mit seinem Schützling ein ordentliches Pensum absolvierte. Immerhin sieben Partien standen an, verteilt auf vier Tage. "Dazu kommen Analysen und Vorbereitungen auf den jeweils nächsten Gegner", so Löser. Denn diese helfe auch, die Nervosität zu senken, zu der die Gornsdorferin mitunter neige - was sie auch freimütig zugibt. "Wenn man über Jahre dabei, dann kennt man viele Gegner. Und wenn ich auf einen treffe, der mir nicht liegt und gegen den ich meistens verliere, dann bin ich in der Regel schon ziemlich aufgeregt", so Helene Sindler. Moralische Unterstützung erhielt sie in der Jugendherberge von ihrer Mutter Kathrin, die selbst, wie sie betonte, nicht Schach spielen könne. "Helene befasst sich nicht nur damit, sondern sie ist zum Beispiel auch in der Funkengarde und in der Jugendfeuerwehr aktiv", so Kathrin Sindler.

Eine richtige Schachfamilie sind hingegen die Schuberts aus Annaberg-Buchholz. Von den sechs Kindern von Antje Schubert beherrschen die meisten das "Königliche Spiel". "Einen Urlaub ohne Schach gibt es bei uns nicht", sagt sie. Und wenn eine WM ansteht, dann laufe selbstverständlich der Laptop. Bei den Bezirkseinzelmeisterschaften ging Tochter Arlene Schubert in der Altersklasse U 16 an den Start - und auch sie kam eine Runde weiter. "Ich bin aber auch als Favoritin ins Rennen gegangen", gab sich die 16-Jährige, die für den SC Annaberg-Buchholz startet, selbstbewusst. Am meisten habe sie zwischendurch mit der Uhr zu kämpfen gehabt. Anderthalb Stunden hatten die Teilnehmer pro Partie Zeit, um 36 Züge zu machen. Danach folgte ein zweites Zeitfenster von einer halben Stunde, um die Partie zu beenden. "Ich merke, dass ich länger überlege, je älter ich werden. Deswegen gerate ich öfter in Zeitnot", sagte die Schülerin der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge. Dass die Mädchen in der Minderzahl seien und meistens gegen Jungen antreten müssen, sei hingegen völlig normal. "In den höheren Altersklassen nimmt das sogar noch zu, weil dort der Anteil von Mädchen beziehungsweise Frauen zurückgeht."

Insgesamt nahmen in diesem Jahr 112 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 19 Jahren an dem viertägigen Turnier teil. "In der Vergangenheit waren es immer zwischen 110 und 115, sodass wir ziemlich im Schnitt liegen", sagte Organisator Volker Berndt. Ein genauerer Blick zeigt aber auch, dass sich in den höheren Altersklassen, speziell in der U 20, große Lücken an den Tischen auftun. Dies liegt möglicherweise daran, dass die Landesmeisterschaften oftmals mitten in der Zeit der Prüfungsvorbereitungen stattfinden. Wer also dort nicht teilnehmen könne oder wolle, verzichte daher im Normalfall auf die Qualifikationsmöglichkeit.

Volker Berndt war trotzdem zufrieden mit dem Ablauf. Zum neunten Mal habe der SC Annaberg-Buchholz die Bezirkseinzelmeisterschaften ausgerichtet - und jedesmal in der zu Hormersdorf gehörigen Jugendherberge. "Das zeigt schon, dass die Bedingungen super sind, von den Übernachtungen bis hin zum Rahmenprogramm. Und wir werden deshalb auch hier bleiben."

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