Taktik der Magdeburger geht auf

Der FC Erzgebirge Aue ist am Sonntag im ersten Heimspiel dieser Saison in der 2. Fußball-Bundesliga nicht über ein torloses Remis hinausgekommen. Der Co-Trainer der Gäste weiß, warum.

Aue.

Zwei Spiele hat der FC Erzgebirge Aue in der neuen Saison in der 2. Fußball-Bundesliga absolviert. Das Problem ist ein altes: Die Veilchen kriegen den Ball zu selten im gegnerischen Kasten unter. Weil die Abwehr sicher stand und der 1. FC Magdeburg zudem nicht gerade ein Offensivfeuerwerk abbrannte, gab es am Sonntag für den FCE im ersten Heimspiel zumindest ein 0:0 und damit den ersten Punkt.

Die Erklärungsversuche, warum es trotz hohen Aufwands, reichlich Standards - allein acht Ecken ließen die Gastgeber mehr oder weniger gefahrlos verstreichen - und vieler guter Ansätze erneut nicht zu einem Torerfolg langte, waren vielfältig. Sie reichten von dem zu Unrecht wegen Abseits aberkannten Treffer von Sören Bertram bis hin zum schlechten Zustand des Rasens. Letzteren führte FCE-Trainer Daniel Meyer als einen Grund ins Feld, aus dem seinen Schützlingen eine ganze Reihe von Ballannahmen und ein-fachen Pässen misslangen.

Ronny Thielemann hatte eine andere Erklärung parat, warum den Veilchen der erhoffte Dreier verwehrt blieb. "Wir haben die Auer auf unser Spiel heruntergezogen", sagte der Co-Trainer der Gäste, der sich einst als Eigengewächs beim FCE zum Publikumsliebling entwickelt hatte und in der Saison 1998/1999 als Kapitän des Regionalliga-Teams mit neun Treffern sogar ungeahnte Torjägerqualitäten an den Tag legte. Anschließend spielte er für die Bundesligisten Hansa Rostock und Energie Cottbus, später für Sachsen Leipzig, Carl Zeiss Jena und schließlich für Cottbus II. Dann kehrte der gebürtige Schlemaer für ein Jahr als A-Junioren-Trainer ins Lößnitztal zurück, ehe er als Nachwuchscoach beim FCM anheuerte. Seit 2014 ist er Co-Trainer der Magdeburger Männer, hat also den Aufwärtstrend bis hin zum jüngsten Aufstieg in die 2. Bundesliga mitgemacht. Seit diesem Jahr besitzt der 44-Jährige die Fußballlehrer-Lizenz des DFB.

"Wir wussten, dass Aue auch übers Kurzpassspiel kommen will, besonders über Christian Tiffert. Es ist uns ganz gut gelungen, den aus dem Spiel zu nehmen. So musste der FCE mit vielen Verlagerungen und langen Bällen arbeiten. Das lag uns mehr als den Auern, weil das nicht so ihre Spielweise ist", erklärte Thielemann. Der FCM habe alles in die Waagschale geworfen, es sei eine ausgeglichene Partie ohne die ganz großen Torchancen gewesen. "Deshalb würde ich auch nicht von einem glücklichen Punkt für uns sprechen. Von der Atmosphäre her war es ein tolles und friedliches Derby. Das Wetter war gut, und die Fans haben sich gegenseitig gepusht."

Begeistert zeigte sich das Ex-Veilchen nicht nur von der Atmosphäre im neuen Stadion, sondern ebenso von der Arena selbst. Die kannte er zuvor nur von Bildern. "Das Stadion ist super. Ich denke, es ist auch von der Größe her richtig konzipiert. Wenn immer so zwischen zehn- und fünfzehntausend Zuschauer dabei sind, wird es von der Stimmung her klasse. Und es war ja allerhöchste Zeit." Obwohl er schon relativ lange aus dem Erzgebirge weg sei, komme er stets gerne wieder ins Lößnitztal. "Da gibt es noch so viele Freunde und Bekannte, obwohl meine Auer Vergangenheit gar nicht so glorreich war", sagte Thielemann, schmunzelte und fügte an: "Aber wir haben damals auch schon alles für den Verein gegeben."

Dank des Punkts sei es ein rundum gelungenes Wochenende gewesen. Der FCM werde so wie in Aue versuchen, mit den Tugenden, die ihm zum Aufstieg verholfen haben, Woche für Woche am Klassenerhalt zu arbeiten. "Dass es schwer wird, ist klar, weil die Qualität in der zweiten Liga unfassbar hoch ist - nicht zuletzt, was das Finanzielle angeht. Der FCE hat zum Beispiel einfach mal Pascal Testroet verpflichtet. Ich denke, der kam auch nicht für Erdnüsse", so Thielemann. Was die Entwicklung betrifft, seien die Veilchen für die Magdeburger eine Art Vorbild. "Ich weiß, dass in Aue die zweite Liga von vielen inzwischen als selbstverständlich angesehen wird. Aber man sollte Demut bewahren." Zugleich würde sich der 44-Jährige freuen, wenn sich beide Mannschaften nächste Saison in der 2. Bundesliga wiederbegegnen. "Jetzt, wo wir Aue weghaben, drücke ich auch den Schachtis alle Daumen, die ich habe. Ich bin ja selber ein Schachti."

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