Trotz der Krise große Ziele

Mit neuem Personal und einem ehrgeizigen Konzept wollen die Badminton-Spieler aus den Reihen des TSV Niederwürschnitz den doppelten Aufstieg schaffen. Es bleibt keine Zeit zum Durchatmen.

Niederwürschnitz.

Es ist eine positive Grundhaltung, eine Aura des Optimismus, die die Badmintonspieler und Verantwortlichen des TSV Niederwürschnitz in diesen Tagen umgibt. Nicht, weil die Hallentüren nach Wochen der Entbehrung endlich wieder offenstehen und das Training - unter Berücksichtigung sämtlicher Corona-Auflagen - wieder aufgenommen werden kann. Die Aufbruchstimmung in den Reihen der Erzgebirger hat einen anderen Grund: Der Verein hegt große Pläne. Mit aller Macht soll in naher Zukunft die sportliche Rückkehr in die Regionalliga gelingen, der Spielklasse, der der Verein bis zur Spielzeit 2011/12 angehörte - und in die er dem eigenen Selbstverständnis entsprechend auch hingehört. "Wir sind ein Traditionsverein. Niederwürschnitz verbindet man in ganz Deutschland mit Badminton, ähnlich wie Gornsdorf mit Tischtennis", sagt Holger Wandelt vom Vorstand des TSV.

Ihm und seinen Mitstreitern ist es ernst. Das gemeinsam erarbeitete Konzept kommt allumfassend und äußerst ehrgeizig daher, der Zeitplan ist eng. Die kommende Sachsenklasse-Saison soll mit dem Aufstieg in die Sachsenliga enden, schon in der darauffolgenden der Durchmarsch in die Regionalliga gelingen. Im letzten Jahr des auf drei Jahre angelegten Vorhabens wollen sich die Niederwürschnitzer in dieser etablieren. "Man kann das generalstabsmäßig planen", ist Wandelt überzeugt. Der Blick zurück schmerzt ihn dabei noch immer. 2018 hatte der Verein als Sachsenligist die Möglichkeit, in die Regionalliga aufzusteigen. Doch der damalige Vorstand wollte das nicht, so Wandelt. Es folgte der freiwillige Rückzug in die Sachsenklasse, talentierte Nachwuchsspieler verließen den Verein. Danach scheiterten zwei Versuche, in die Sachsenliga zurückzukehren - in dieser Saison, die wegen des Coronavirus vorzeitig abgebrochen wurde, kam der TSV nur auf Platz 4 hinter Meißen, Röhrsdorf und Zwenkau ein.

Zu den Talenten, die sich vor zwei Jahren aus Niederwürschnitz verabschiedeten, zählen David Kaiser und Judith Räder. Beide gingen damals nach Marienberg. Nun sollen sie dazu beitragen, den Plan des TSV in die Tat umzusetzen. Kaiser kam schon vor der jüngsten Spielzeit zurück, Räder tut es ihm nun gleich. Dazu wechselt mit Konstantin Hack ein gestandener Regionalliga-Spieler von der DHfK Leipzig ins Erzgebirge. Wie es dazu kam, ist schnell erklärt - Hack ist der Lebensgefährte von Damen-Ass Sandra Kämpf, als neue Nummer 1 im Team soll er die Niederwürschnitzer anführen.

Greift Teil 1 des Konzepts, habe man für die Sachsenliga noch weitere Zugänge in petto - Namen, die Wandelt aber noch nicht preisgeben will. Dass bei neuen Leuten einige Altgediente künftig nicht mehr so oft zum Zug kommen, treffe zwar zu. "Aber generell ist es von Vorteil, breit aufgestellt zu sein. Gerade vor dem Hintergrund der Doppelspieltage", sagt er. Außerdem sei er davon selbst betroffen. Und es gebe Überlegungen, wieder eine zweite Mannschaft ins Leben zu rufen, die der Verein - im Gegensatz zum Lokalrivalen Stollberg/Niederdorf - derzeit nicht hat. Perspektivisch wolle man zudem dem eigenen, starken Nachwuchs Möglichkeiten bieten, sich auf höchstmöglicher Ebene sportlich zu beweisen.

Wie die Konkurrenz in der kommenden Saison in der Sachsenklasse aussieht, ist indes bis jetzt noch nicht ganz klar. Nachdem die Aufstiegsrelegation abgesagt wurde, stößt mit Marienberg nur ein Team von oben, aus der Sachsenliga, dazu. Im Unterbau, den drei Bezirksligen, ist in Sachen Aufstieg dagegen noch einiges vakant - dort wurde die Saison bislang nur ausgesetzt, nicht abgebrochen.

Da kein noch so plausibles Konzept ohne finanziellen Rückhalt funktionieren kann, haben sich die Niederwürschnitzer auch in dieser Hinsicht neu aufgestellt. Auf rund 60.000 Euro beziffert Holger Wandelt die voraussichtlichen Gesamtkosten für die drei Jahre. Derzeit baue man einen Sponsorenpool auf, mit starkem Fokus auf lokale Unternehmen. Dabei dürfte es dem Verein sicherlich nicht schaden, dass es abgesehen von den Fußballern des SV Fortuna (1. Kreisklasse) nur wenig sportliche Konkurrenz im Ort gibt.

Um den Neustart nach außen zu untermauern, hat sich der Verein zudem ein neues Logo gegeben. "Mit dem alten Orange konnten sich nur wenige identifizieren", sagt Wandelt. Das neue ist nun komplett in Schwarz-Weiß gehalten. Entworfen hat es Nachwuchsspieler Yannick Scheithauer, der damit einen vereinsinternen Wettbewerb für sich entschieden hat.

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