Unverwüstlicher Rallye-Astra findet einen Platz im Museum

Bernd Knüpfer und sein Co-Pilot Daniel Herzig gehören zu den aktivsten und zu den erfolgreichsten Sportlern in den Reihen des MC Grünhain. Sie wurden zum zweiten Mal in Folge Clubmeister - und wollen mit einem neuen Opel wieder angreifen.

Grünhain.

Zwei Liter Hubraum und 180 PS unter der Haube: Das sind Leistungsdaten jenes Opel Astra F GSI, in dem das Rallyeduo Bernd Knüpfer und Daniel Herzig seit 2013 viele Bestzeiten bejubelte. Jetzt ist das Auto des Baujahrs 1992 im Ruhestand. Verdientermaßen. Es erhält einen Platz im privaten Fahrzeugmuseum von Tobias Scharf, wo schon ein Opel Astra G und ein Opel Astra H OPC Turbo stehen.

Scharf ist nicht nur Chef eines Autodiensts in Lauter, sondern er hat auch ein großes Herz für den Rallyesport. "Er baute das Auto einst auf", berichtet Herzig. Daher gehe der Opel an ihn zurück. "Der Wa- gen kriegt noch eine Schönheitskur, denn geschont haben wir ihn ja nie", sagt der Co-Pilot. Wer mit Bernd Knüpfer, dem schnellsten Briefträger von Greiz, auf wilde Hatz geht, muss sich fest anschnallen. "Wir hatten sechs tolle Jahre im Astra F GSI", sagt Herzig. Rechne man die Kosten für Startgeld, Auto, Service und Zubehör zusammen, dann wäre für beide jedes Jahr auch eine vierwöchige Kreuzfahrt drin gewesen.

Aber was ist schon Meeresrauschen gegen Motorengebrüll und Adrenalin pur im Kampf um Bestzeiten? Für Knüpfer (47) und Her- zig (38) gibt es nichts Reizvolleres. Knüpfer begann vor 31 Jahren auf zwei Rädern seine Karriere als Motorsportler. 1994 kaufte er sich einen Peugeot 205 GTI - seither stehen für ihn mehr als 140 Rallyes zu Buche. Sein wohl größter Erfolg war 2004 innerhalb der deutschen Meisterschaft der Sieg in der Klasse N3 der leicht aufgemotzten, aber serien- nahen Fahrzeuge.

Herzig arbeitet als Kfz-Servicetechniker in einem rallye-affinen Autohaus und stieg 2001 aktiv ein. "Ich war als Zuschauer vor Ort und sprang für eine Beifahrerin ein, die ihre Hand frisch in Gips hatte", erinnert sich der Co-Pilot aus Adorf im Erzgebirge. "Mittlerweile habe ich 155 Veranstaltungen weg - mit 21 Fahrern, nicht nur aus Deutschland." Erfolge gab es zuhauf, nur ein Gesamtsieg fehlt noch in der Bilanz.

Im Astra F GSI, aufgebaut Mitte der 90er-Jahre, waren Knüpfer und Herzig ein eingespieltes Team. "Erstmals kam Bernd 2001 damit in Berührung, wechselte 2002 aber wieder auf den Astra G OPC Turbo im Team Scharf, für das er viel gefahren ist", so Herzig. Der Astra F GSI wurde 2004 verkauft, beim 1. Rallyesprint Grünhain bei einem Unfall beschädigt, wieder aufgebaut und verschwand dann in einer Garage im Raum Schwarzenberg.

"2012 stieß ich zufällig auf das Auto, kaufte es und begann mit der Restaurierung", sagt Knüpfer. Mit Herzig beschloss er, vor allem auf Schotter sein Glück zu versuchen. Das Debüt 2013 lief prächtig, wenngleich auf Schnee und Eis statt auf losem Untergrund. Platz 10 und Klassenrang 2 standen bei der Rallye Wittenberg zu Buche. Bis zum Ruhestand für den Opel vor wenigen Wochen gelangen dem Duo mehr als 20 Podestplätze, darunter vier Siege und reichlich Silber. Zusätzlich saßen beide zur wilden Hatz ab und an im Scharf-OPC und bekamen zur Rallye Grünhain 2016 einen Citroën DS3, mit dem sie Klassensieger und Gesamtsiebente wurden. 2017 und 2018 - zweimal in Folge - wurden sie sogar Clubmeister des MC Grünhain, ihr größter gemeinsamer Erfolg.

Auf Abschiedstour 2018 standen neun Rallyes im Kalender, es lief durchwachsen mit Erfolgen und Ausfällen. Geplant waren acht Rennen, doch im Havelland gab es unliebsamen Kontakt zu einer Betonkante, was die Getriebeaufhängung nicht überstand. So sollte die Astra-F-GSI-Ära aber nicht enden. Also setzte das Duo mit dem Rallye-Race Gollert bei Eisenach noch eins drauf - zwar der Konkurrenz auf Asphalt leistungsmäßig unterlegen, aber inklusive Zielankunft. Standesgemäß.

Drei Stoßstangen, drei Kotflügel, einige Antriebswellen, fünf Getriebe, vier Querlenker, ein paar Außenspiegel, vier Hinterachsen, 24 Schotter- und zehn Asphaltreifen sammelten sich in sechs Jahren auf der Ersatzteilliste an. "Der Motor hielt immer und hat nur seine Ölwechsel gebraucht", berichten Knüpfer und Herzig schmunzelnd. Sie planen schon neu. Bei Opel bleibt es. "Ein Astra G OPC, den wir zum Rallye- auto umbauen." Voraussichtliches Debüt: am 9. März 2019 bei der Rallye Lutherstadt Wittenberg - wie einst mit dem Vorgänger. "Um an die erfolgreiche Zeit anzuknüpfen."

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