Vom Tanzparkett auf die Tatami

Bei der Suche nach einer passenden Sportart ist Luise Albrecht beim Karate fündig geworden. Der nun erlangte braune Gürtel soll nur ein Zwischenschritt sein.

Zschopau.

Gleich doppelten Grund zum Feiern hatte kürzlich die Borstendorferin Luise Albrecht. Zum einen beging sie mit den anderen Mitgliedern des Karatevereins Zschopau das 30-jährige Jubiläum des Clubs, und zum anderen legte sie erfolgreich ihre Prüfung für den braunen Gürtel (3. Kyu-Grad) ab.

Schon früh suchte die 16-Jährige ein sportliches Hobby für sich. "Als Mädchen bot sich in Borstendorf da das Tanzen in der über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Jump-Crew an", sagt Albrecht. 2016 schnupperte sie rein, doch wirkliche Begeisterung wollte nicht aufkommen. Ihre Mutter half bei der Suche und wurde im Internet fündig: Auf einmal flimmerten Karatefilme über den heimischen Bildschirm, Karate-Kid hielt virtuell Einzug, und Luise zeigte sich begeistert. Gemeinsam mit ihrer Freundin Ronja besuchte sie eine Trainingseinheit beim Karateverein Zschopau. "Zwei kleine Mädchen unter vielen großen Jungs, wir hatten schon ein mulmiges Gefühl", erinnert sich die Gymnasiastin an die Anfänge. Doch der Spaß überwog: Japanische Begriffe, Erwärmung und Training - für die Zschopauerin endlich die Sportart, nach der sie suchte. "Karate ist traditionsträchtig, besitzt einen philosophischen Hintergedanken und auch den sozialen Aspekt der Kampfkunst finde ich noch heute faszinierend", erzählt Albrecht begeistert.

Zweimal wöchentliches Training standen von nun an auf dem Programm. Den ersten Lohn empfing sie bereits nach einem halben Jahr und erwarb den gelben Gürtel. "Ausdauer, Durchhaltevermögen, kein Egoismus, Wille und die Kritikfähigkeit, um besser zu werden", zählt die Elftklässlerin zu den Grundtugenden der Kampfkunst. Fernziel für jeden Karateka ist der schwarze Gürtel, Nahziel für Luise Albrecht war der braune Gürtel. Mit Akribie und Trainingsfleiß verfolgte sie ihren Weg, immer unterstützt von Vereinschef Wolfgang Langer. Seit zwei Jahren trainiert sie selbst schon eine Kindergruppe. "Es ist eine Ehre für mich, Leute anzuleiten sowie mich und meine Sportart verwirklichen zu können", so Albrecht. "Es macht mir einfach Spaß." Sie kann sich deshalb gut vorstellen, später beruflich einmal als Lehrerin zu arbeiten. Nach dem blauen Gürtel, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt, und einem Jahr intensiven Trainings mit gestiegenen Anforderungen stand nun die so lange ersehnte Prüfung den braunen Gürtel bevor.

"Ich war richtig aufgeregt, habe schlecht geschlafen", gesteht Albrecht. Nach der Vorführung einzelner Techniken und verschiedenen Formen des Partnerkampfes bestand sie die Prüfung mit Bravour. Als "persönliche Wertschätzung" dafür schenkte ihr Wolfgang Langer seinen eigenen privaten braunen Gürtel. Einen Händedruck nebst Glückwünschen gab es später noch von Wolfgang Weigert, dem Präsidenten des Deutschen Karate-Verbandes.

Etwas überraschen vermag da das Lieblingsfach der Gymnasiastin. "Kunst", kommt es wie aus der Pistole geschossen, auch Klavier spiele sie gerne. Doch auch das hat seine Hintergründe. "Viele japanische Meister machen neben ihrer harten Kampfkunst auch irgendwas Kreatives, auch zum Ausgleich", weiß die 16-Jährige zu berichten. Denn auch Ruhe und Gelassenheit seien wichtig beim Karate, wie sie sagt. Eigenschaften und Tugenden also, die ihr später vielleicht als Lehrerin behilflich sein sollten.

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