Vom Ziegenberg auf die Fis-Pisten

Zwei Männer vom TuS Zwönitz gehen ungewöhnliche Wege, um Alpinski fahren zu können. Dafür brauchen sie eine Lizenz.

Zwönitz.

Der Skihang am Ziegenberg liegt im Winterschlaf. Wo normalerweise Alpine des TuS Zwönitz um diese Jahreszeit trainieren, regt sich aktuell nichts. Ganz untätig ist die Abteilung, die um die 80 Mitglieder zählt, aber nicht. So spurten einige Aktive jüngst eine Loipe nahe dem Berg, um individuelles Langlaufen zu ermöglichen. Mit dabei: Sven Nebel und Niklas Kriegel.

Die beiden 21-Jährigen können es kaum erwarten, die Abfahrtsski anzuschnallen. Sie schmieden Pläne. Bislang ausschließlich im Deutschlandpokal unterwegs, streben sie eine Lizenz des Internationalen Skiverbandes Fis an, um an deren Rennen teilnehmen zu können. "Das ist gewissermaßen die dritte Liga des Skisports, nach Welt- und Continentalcup", sagt Kriegel, dessen Vater Jens den TuS Zwönitz leitet. Sein Kumpel Sven schließt sich an: "Wir wollen wissen, wo wir stehen." Auf ihrer derzeitigen Ebene sortiert sich das Duo meist im Mittelfeld ein.

Der Weg zur Wunschlizenz ist allerdings mit bürokratischem Aufwand gepflastert. So muss der Verein einen Antrag beim sächsischen Verband stellen, der die Interessenten dann bei der Fis anmeldet. Allein die Erstanmeldung kostet 200 Euro pro Sportler, danach fallen sogenannte Erhaltungskosten von 50 Euro pro Kopf und Jahr an. "Der gesamte Prozess dauert zwischen vier bis sechs Wochen", sagt Kriegel, der hofft, noch in diesem Winter von dem Dokument profitieren zu können.

Denn mit der Lizenz würden er und sein Kollege in Corona-Zeiten Privilegien erhalten. "Es finden aktuell Trainingslager in Österreich statt. Mit der Fis-Lizenz dürften wir trotz der momentanen Kilometer-Einschränkung daran teilnehmen", sagt Nebel, der sich ebenso wie Niklas Kriegel auf den Riesenslalom spezialisiert hat. Es gehe aber nicht darum, künftig nur noch international zu starten. Bei gelegentlichen Teilnahmen soll es bleiben - und das nur in Deutschland oder Österreich.

Begonnen haben beide in frühester Kindheit. Niklas Kriegel, der aktuell in Riesa Betriebswirtschaftslehre studiert, stand mit drei Jahren erstmals auf Skiern. Sven Nebel, Lehramtsstudent für Geografie und Physik in Jena, war bei seinen ersten Gehversuchen sogar noch ein Jahr jünger. Bevor er sich 2012 dem TuS Zwönitz anschloss, war der Thalheimer in Dorfchemnitz aktiv - im Langlauf. Das kommt ihm während der Pandemie, zugute. "Ich mache viel Langlauf im Moment, um mich fitzuhalten." Für Kriegel fällt diese Option flach: "Habe ich auch schon probiert, ist mir aber zu langweilig." Immerhin sei zuhause Krafttraining möglich, sagt der Brünloser. Schnellstmöglich soll es aber in die Berge gehen - am besten mit der Fis-Lizenz in der Tasche.

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