"Wettkampf ist immer eine Punktlandung"

Mit 44 Jahren ist Mirko Wohlgemuth noch einmal zur deutschen Meisterschaft angetreten - Im Vergleich mit den Jüngeren kam Platz 6 heraus

Eine Knie-OP und ein Bandscheibenvorfall hatten Mirko Wohlgemuth zu schaffen gemacht. Trotzdem qualifizierte sich der Erzgebirger für die nationale Meisterschaft des Deutschen Bodybuilding und Fitness-Verbandes. Im Gespräch mit Andreas Bauer hat der Fitness-Fachwirt verraten, warum und wie er sich dieser Herausforderung gestellt hat.

Freie Presse: Wie sah der Ablauf der deutschen Meisterschaft in Bochum aus?

Mirko Wohlgemuth: Gewogen wurde am Freitag, Samstag ging es auf die Bühne. Die Body-Klasse II bis 80 Kilogramm, in der ich gestartet bin, war 12.30 Uhr dran. Bei der Vorwahl mussten alle Teilnehmer sieben Vergleichsposen zeigen. Die besten sechs schafften es ins Finale, in dem ab 20 Uhr jeder außerdem seine Kür präsentieren durfte.

Wie lautete Ihr Ziel?

Eigentlich bin ich ohne große Erwartungen angereist, denn die Leistungsdichte ist in der nationalen Spitze enorm. Auf mich warteten viele jüngere Konkurrenten, Altersklassen gibt es zur deutschen Meisterschaft nicht. Trotzdem wollte ich ins Finale kommen.

Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Ich denke schon. Platz 6 war die beste Platzierung eines Ostdeutschen, insofern bin ich zufrieden.

Zur ostdeutschen Meisterschaft in Weimar gehörten Sie noch zu den Ü-40-Senioren. Wie das?

Das stimmt. Aber schon da gab es eine Gesamtwertung, in der wir altersunabhängig verglichen wurden. Neben Gold bei den Senioren konnte ich mir noch Silber bei den Männern erkämpfen. Nur Paul Kastner aus Dresden war mit seinen 26 Jahren besser als ich. Es war ein spannendes Duell mit 3:2 Jury-Stimmen zu seinen Gunsten.

Mit 44 Jahren können Sie bestimmt viel Erfahrung weitergeben. Warum tun Sie sich eigentlich noch Wettkämpfe an?

Das hat vor allem mit Jürgen Ihrig zu tun, der mir 2014 viel geholfen hat, als ich vom NAC- in den DBF-Verband gewechselt bin. Leider ist er gestorben. Mein Versprechen an ihn war, dass ich noch einmal mitmache. Das habe ich eingelöst.

Warum erst jetzt?

2015 war nicht gerade mein Jahr, um es mal so zu formulieren. Erst musste ich mich einer Knie-Operation unterziehen, dann kam wenige Wochen später noch ein Bandscheibenvorfall dazu. An Training war da kaum zu denken.

Trotz der Probleme und des Alters sind Sie auf die Bühne zurückgekehrt. Weshalb?

Mit Leistungssport kann man sowieso nicht ohne weiteres aufhören. Und nach solchen gesundheitlichen Sorgen hilft der Sport, wieder in den Normalzustand zu kommen. Natürlich muss man dabei Veränderungen am Trainingsplan vornehmen und auch mal das Ego ausblenden, immer das Extreme zu wollen. Im Alter lernt man, Trainingsmethoden anzuwenden, bei denen man notfalls auch ohne große Gewichte auskommt.

Aber bestimmt war die Vorbereitung eine Qual, oder?

Es war die schwerste, die ich absolviert habe, seit ich 2009 erstmals zu einer Meisterschaft angetreten bin. Durch die Verletzungen konnte ich den Plan nicht umsetzen wie erhofft. Mit steigendem Alter fällt zudem die Diät immer schwerer, weil der Stoffwechsel nicht so auf Hochtouren läuft wie mit 25 Jahren.

Wie sieht diese Diät aus?

Entscheidend ist, sich lange kohlehydratfrei zu ernähren, um die Speicher komplett zu entleeren. In der letzten Woche vor dem Wettkampf habe ich zum Beispiel pro Tag rund ein Kilogramm Fisch gegessen, dazu viel Brokkoli oder Spinat. Außerdem habe ich etwa zehn Liter Tee oder Wasser getrunken, um das Salz aus dem Körper zu spülen. Zwei Tage vor dem Wettkampf wird die Flüssigkeitszufuhr reduziert und dafür der Kohlehydratspeicher in den nun besonders aufnahmefähigen Muskeln gefüllt. Dadurch wird die Struktur unter der dünnen Haut extrem gut sichtbar.

Hat alles geklappt wie erhofft?

Ich denke. Die Erfahrung sagt, man darf sich nicht verrückt machen, wenn das Fett nicht gleich verschwindet. In 16 Wochen blieb genügend Zeit. Ich weiß, wie mein Körper reagiert. Fest steht aber auch, dass er keine Maschine ist. Faktoren wie Stress spielen ebenso eine Rolle. Perfekte Bedingungen lassen sich maximal fünf, sechs Stunden halten. Ein Bodybuilding-Wettkampf ist immer eine Punktlandung.

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