Wie weiter?

Diese Frage stellen sich die Verfechter des Spitzen- und Breitensports gleichermaßen in Zeiten des Corona-Virus. Am vergangenen Wochenende sind nahezu alle Wettbewerbe ausgesetzt, verschoben oder für beendet erklärt worden.

Erzgebirge.

In fast allen Sportarten legt der Spielbetrieb derzeit eine Zwangspause ein. Wie der aktuelle Stand ist, hat "Freie Presse" in den Verbänden und Vereinen erfragt.

Fußball: Das Problem ist die unsichere Lage, die keinen zeitlichen Abläufen folgt, findet Jörg Prager als Vorsitzender des Kreisverbands Fußball Erzgebirge. "Eine verlässliche Aussage über den weiteren Saisonverlauf zu treffen, halte ich aktuell für unmöglich", sagt er. Auf der Vorstandssitzung am 30. März sollen weitere Schritte Thema sein, je nach Situation. Prager selbst rechnet nicht mit einem schnellen Ende der Spielpause. "Ich gehe davon aus, dass hier vor Ostern kein Ball mehr rollt", so der Auer. "Eher sogar länger." Die Spielkommission arbeite an Lösungen, aber man müsse weitere Entwicklungen abwarten. Doch Fußball und Sport seien das kleinere Problem. "Es gibt Wichtigeres." Kritik äußert Prager daher am Sächsischen Fußballverband, der in seinen Augen zu spät gehandelt hat. "Das war katastrophal. Es ist absolut lächerlich, wie spät und unentschlossen der SFV reagiert hat", macht sich Prager Luft. Das spreche er bei der nächsten Vorstandssitzung an.

Skisport: Der Deutsche Skiverband hatte für alle Disziplinen ein Stopp verfügt, Sachsen schloss sich an. "Für das kommende Wochenende hat sich der Skiverband Sachsen dazu entschieden, allen Ausrichtern und Veranstaltern von Wettkämpfen eine Absage ihrer Veranstaltung zu empfehlen. Wir wissen, dass dies aus sportlichen Gesichtspunkten gerade im ausbleibenden Winter eine nicht überall willkommene Entscheidung ist. Jedoch haben wir als Verband und ihr als ausrichtende Vereine eine Verantwortungspflicht gegenüber den Teilnehmern und Besuchern. Ein fahrlässiger Umgang mit dem Thema würde nur für weiteren Unmut sorgen", hieß es am Freitag von Verbandsseite. Und wenig später: "Alle Wettkämpfe ... werden ab sofort bis zum Saisonende ausgesetzt. Dies erfolgt unabhängig von der Anzahl der Teilnehmer und dem Austragungsort." Dennoch sagte Ute Ebell, Leiterin der Eliteschule Oberwiesenthal: "Gott muss ein Skisportfan sein, sonst hätte er die JWM nicht erst vorbei gelassen." Inzwischen wird nicht mehr beschult, alle Sportler sind zu Hause.

Radsport: Kommendes Wochenende sollten die Rennen auf der Straße beginnen. "Doch sie sind abgesagt, auch die Bundesliga für das darauffolgende", so Klaus Fischer vom RSV Venusberg. Er betreut in seinem Verein Kinder und Jugendliche aus vielen Orten des Erzgebirges. "Auch das Bahnsichtungsrennen in Frankfurt/Oder sehe ich gefährdet", fügt er an. Am Sonntag habe er noch mit den Radsportlern trainiert, dann an alle Eltern eine Rundmail verfasst: "Sie müssen entscheiden und genehmigen, ob sie ihre Kinder zum Vereinstraining schicken oder nicht", erklärt der Trainer, der die Pläne vorbereitet hat. Auf keinen Fall werden diejenigen dabei sein, die die Sportschule Chemnitz besuchen. "Da es dort einen Infektionsfall gab, sind alle daheim in Quarantäne", macht Fischer deutlich. Er möchte für den nötigen Abstand zwischen den Fahrern sorgen, wohlwissend, dass alles schwierig sei. "Ansonsten muss eben jeder für sich allein strampeln und sich irgendwie fit halten, bis Normalität einkehrt."

Radball: Laut einer Mitteilung vom Bund Deutscher Radballer - davon sind zum Beispiel die Teams der SG Niederlauterstein aus der 2. Bundesliga Nord betroffen - wird wegen des gesundheitlichen Risikos der Betrieb in allen Hallenradsportdisziplinen vorerst eingestellt. "Bis einschließlich 19. April 2020 finden keine nationalen Wettbewerbe statt. Dies betrifft alle Nachwuchs- und Eliteklassen", heißt es.

Handball: Manche können sich schon jetzt nicht vorstellen, dass die Saison regulär - sprich mit Nachholspielen - zu Ende geht. "Wir richten uns zunächst nach dem DHB", so Gottfried Schüller, Vorsitzender des Spielbezirks Chemnitz im Handballverband Sachsen. Würde der Spielbetrieb nach dem 19. April wieder aufgenommen, wären noch zwei Spieltage offen. "Plus der angefallenen Nachholpartien", so Schüller. Daher liege die Idee nahe, im September bei Null anzufangen und die Saison quasi zu wiederholen - ohne Auf- und Absteiger aus 2019/20. "Aber das ist alles noch völlig offen."

Volleyball: Der Empfehlung des deutschen Verbands, der bereits am Donnerstag die Saison der Drittliga- und Regionalliga-Staffeln abbrach, folgten tags darauf die Sachsen. Bis in den Sommer ist an den Netzen Ruhe geblasen. "Ob und wie die Wertung in den Ligen erfolgt, ist derzeit völlig unklar", sagt Rafael Hausotte. Der Vorsitzende des VC Zschopau geht aber vom Verbleib seines Vereins in der Dritten Liga Ost aus. Das Training wurde im Nachwuchsbereich eingestellt. Erwachsene können freiwillig trainieren, die Beachvolleyball-Tour ist in der Schwebe.

Judo: Der Vorstand hat verbandsweit alles abgesagt. Bis 4. Mai gibt es keine Lehrgänge, Prüfungen, Turniere, Trainingseinheiten und Tagungen. Enrico Tändler vom JC Gornau: "Wir kommen dem bis auf unbestimmte Zeit nach und informieren dann über den Wiederbeginn des Trainings."

Reiten: Im Netz ist nichts zu erfahren. Laut Frank Drescher, Chef des Weißbacher Reitvereins, sind alle aktuellen Turniere ausgesetzt. "Was mit unserem im Juli passiert, wird man sehen. Die Reiter kümmern sich individuell um ihre Pferde und reiten trotzdem aus."

Schwimmen: Der Landesverband rät zu Absagen. Dem entsprachen die Zwönitzer und ließen den fürs Wochenende geplanten Sprintpokal ausfallen. Der SV Tanne Thalheim entscheidet laut Abteilungsleiter Wolfgang Seidel je nach Situation. "Am Sonnabend war noch mal Training. Jetzt favorisieren wir freiwilliges Training, nicht im Wasser, sondern als Kondition auf dem Sportplatz mit Sicherheitsabstand."

Badminton: Nichts geht mehr. Am Sonntag setzte der deutsche Verband den Punktspielbetrieb bis zum 13. April aus, Ranglistenturniere finden auch keine statt. Am 4. April wäre in Sachsenliga und -klasse, in denen auch Stollberg, Marienberg und Niederwürschnitz aktiv sind, der letzte Spieltag der Saison gewesen. Ob er nachgeholt oder die Spielzeit abgebrochen wird, ist offen. Nur für die Stollberger geht es um nichts mehr. Marienberg als Schlusslicht kämpft um den Relegationsplatz, Niederwürschnitz um den Aufstieg. "Wir hoffen natürlich, dass der Spieltag nachgeholt wird", sagt Holger Wandelt vom TSV. Sich fitzuhalten, liege im Ermessen des Einzelnen.

Ringen: Der Ringerbund hat die nächsten drei nationalen Meisterschaften auf einen noch offenen Termin ab Juni verlegt. Dies betrifft die Titelkämpfe der A- und der B-Jugend sowie die der weiblichen Jugend, die ab Ende März über die Bühne gehen sollten. Zu Wettkämpfen wie der Landesmeisterschaft für D- und E-Junioren in Gelenau im Mai und das Wolfgang-Bohne-Turnier im April in Thalheim gibt es noch keine Informationen. Auf den Matten ist derzeit kein Athlet zu finden. Die Nachwuchsringer von der Sportschule Chemnitz befinden sich wie ihre Mitschüler und das Personal 14 Tage in häuslicher Quarantäne, nachdem ein Corona-Fall aufgetreten war. Am Stützpunkt in Leipzig ist eine Halle zwar geöffnet. "Das kann sich stündlich ändern, aber wir trainieren ohnehin nicht mehr", sagt Joachim Kühn, Präsident des Ringerverbands Sachsen. Auch die Auer setzen aus.

Schach: Von einer "beispiellosen Pandemie" schreibt der Schachverband auf seiner Internetseite. Dafür gebe es keine vorgefertigten Pläne oder Regeln. Auf diesen Ausnahmezustand, so Präsident André Martin, werde der Vorstand nach bestem Wissen und Gewissen reagieren.

Kraftsport: Die erste Runde der Erzgebirgsliga ist vertagt. "Es hatte sich am Freitag ja alles zugespitzt", so André Neubert vom KSF Sosa, der den Wettstreit ausrichten wollte. "Wir müssen jetzt abwarten und Ruhe bewahren." Beruhige sich die Lage schnell, sei eine Verschiebung denkbar. "Sonst fällt es aus." Die Absage begrüßten auch die Kraftsportler aus Lauter. "Andere Dinge sind wichtiger", so Vorsitzender Mike Otto. Sogar eine Schließung der Trainingsräume sei denkbar. "Gesundheit geht vor."

Turnen: Kein Turntraining für 50 bis 60 Kinder und Jugendliche. Das gilt sowohl für die Jungs des TV Bernsbach als auch die Mädels des SV Schneeberg, der die Kreisturnspiele kurzfristig absagte. "Wir tragen Verantwortung für die Kinder. Es ist die richtige Entscheidung, alles abzusagen und den Trainingsbetrieb auszusetzen", so Susann Egermann. Zumal der SVS-Vorstand ohnehin allen Abteilungen angewiesen habe, bis auf Widerruf alles ruhen zu lassen. Die Bernsbacher setzen bis Mitte April aus. "Dann entscheiden wir je nach Lage", so Henrik Dorschner, 2. Vorsitzender.

Billardkegeln: Seit Freitag ruht bei den Billardkeglern der Spielbetrieb. Mitte Mai soll die Situation laut Verband neu bewertet werden - und eine Entscheidung fallen, wie es mit der Saison weitergeht. Fix ist indes die Absage der deutschen Meisterschaft, die in Aue steigen sollte. Doch der FC Erzgebirge hat alle Veranstaltungen in seinem Stadion bis Mitte Juni abgesagt. Damit werde die DM im Billardkegeln für 2020 ersatzlos gestrichen.

Tischtennis: Per Telefonkonferenz hat der Tischtennisbund am Freitagvormittag den Spielbetrieb einstimmig bis 17. April eingestellt. Die Sachsen schlossen sich dem an - inklusive aller Kreisverbände. "Die Folgen - wie die Verschiebung von Wettkämpfen, deren Streichung sowie Auf- und Abstiegsregelungen - werden in den nächsten Wochen beraten und sollen möglichst bundeseinheitlich beschlossen werden", so Sachsens Landespräsident Thomas Neubert. Dem Virus zum Opfer fiel damit auch die mitteldeutsche Senioren-Einzelmeisterschaft, die an diesem Wochenende in Schwarzenberg ausgetragen werdens sollte.

Kegeln: Keine Kugel rollt mehr, weder in Senioren- noch in Nachwuchsklassen oder dazwischen. In allen Ligen war kurz vor Saisonende Schluss. "Bis auf Weiteres ist der Spielbetrieb eingestellt", bestätigt Kreiskegelwart Thomas Jacobi. Weiter geht es frühestens am 18. April.

Golf: Weil es sich um einen Einzelsport handelt, sind Golfplätze wie der in Zschopau weiterhin geöffnet. "Alle nehmen Rücksicht und halten Abstand", sagt Colin Kern, der Leiter der Anlage. Ihm zufolge nutzten in den vergangenen Tagen viele Spieler das schöne Wetter, um auf dem Platz ihre Runden zu drehen. Der Turnierauftakt steht erst Ende April bevor. "Wir entscheiden kurzfristig." Anweisungen vom Deutschen Golf-Verband gebe es bislang keine.

Orientierungslauf: Die Saisoneröffnung am Wochenende im Oederaner Wald ist abgesagt. Dies trifft auch auf andere Termine bis Ende April zu. So müssen die Orientierungsläufer, die zum Turnverband gehören, die deutsche Bestenermittlung auf der Ultralangdistanz ausfallen lassen. Fit halten sollen sich die Sportler aber - wenn auch nicht gemeinsam. "In unserem Verein, der zum Gros aus Nachwuchssportlern besteht, wird nicht in Gruppen trainiert", so Jörg Hänsel vom SV Lengefeld. Routen werden via Smartphone übermittelt, sodass die Aktiven individuell trainieren können.


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