Wilde Hatz auf Schnee und Schlamm verlangt Aktiven alles ab

23 Teams haben sich am Sonntag beim 11. Ski-Kjöring mit Motorschlitten in Grünhain auf den Parcours gewagt. Auf Kette und Kufen trotzten sie teils grenzwertigen Bedingungen.

Grünhain.

Der Schlitten wühlt sich durch den Schlamm, der Skifahrer pflügt über den Schnee: Solche Bedingungen hat selbst Christian Schramm noch nie erlebt. Der Routinier aus Dorfchemnitz durfte am Sonntag trotzdem jubeln. Beim 11. Ski-Kjöring mit Motorschlitten in Grünhain war er am schnellsten unterwegs und ist deutscher Meister 2019 - dank einer anderthalben Sekunde Vorsprung auf den Zweiten.

Eine knappe Kiste. "Und irre Bedingungen", so Schramm, der vor allem seinem Skifahrer Michel Drechsel Respekt zollte. Der hielt das Seil hinterm Schlitten eisern fest - trotz Rillen und Löcher sowie Schnee- und Dreckfontänen, die ihm ins Gesicht flogen. Der Parcours über einen Kilometer, den 23 Teams aus dem ganzen Erzgebirge mehrfach in Angriff nahmen, verlangte den Aktiven mit jeder Runde mehr ab. Mehr Kraft. Mehr Taktieren bei der Wahl der Linie. Und mehr Mut. "Es ist teils grenzwertig, weil es zuletzt so mild war. Aber trotzdem macht es Laune", sagte Sepp Wiegand. Er muss es wissen. So wuchs das Rallye-Ass als erfolgreicher Motocrosser auf. Als Gaststarter begab er sich das zweite Mal auf Kette und Kufen ins Rennen.

Hunderte Zuschauer, die trotz Sturm und gegen Ende sogar Nieselregen auf dem Spiegelwald ausharrten, sahen fesselnden Motorsport. Wie hoch die Leistungen einzuschätzen sind, erklärte Clubchef Jens Ullmann: "Im Durchschnitt müssen die Skifahrer dreieinhalb Minuten hinterm Schlitten durchhalten." Bei voller Anspannung. "Eine alpine Abfahrt im Weltcup mit aalglatter Piste dauert nur zwei Minuten - das sagt alles." Stürze blieben nicht aus, gingen aber alle glimpflich ab. Wobei sich mancher Skifahrer arg grämte, das Seil losgelassen zu haben. Auch die "Hänger" von Christian Körner patzten teilweise. Der Schlittenpilot, der in der Master-Klasse als Favorit der Gastgeber galt, nahm es sportlich. "Das passiert nun mal. Es ist diesmal wirklich auch viel Glückssache", so Körner, der am Sonntag in Hermsdorf noch weitere Zähler für die Sachsenpokalwertung sammeln will. "Wir haben als Verein viel Kraft reingesteckt und lange gezittert, ob es überhaupt geht." Umso größer sei die Freude, dass es ging.

Sascha Leppin und Tobias Edelmann entschieden gar erst am Vorabend des Ski-Kjörings, beim Spektakel mitzumischen. Die Rallyefahrer vom MC Grünhain bereuten es nicht. "Es fetzt total", waren sie sich einig, wobei Skifahrer Edelmann nach Luft rang. "Es braucht Gefühl. Das Gas voll durchreißen ist wenig sinnvoll, wenn der Skifahrer durchhalten soll." Ihr Ziel erreichten die Zwei. "Wir sind nicht Letzte", sagten sie stolz. Platz 9 unter 15 Startern der Hobby-Klasse - ein guter Einstieg. Sogar noch Achter wurde Kevin Salmonat, der Sonderapplaus bekam. Der einzige Snowboarder im Feld stürzte 20 Meter vor der Zeitnahme, schnallte flink das Board ab und rannte kurzerhand ins Ziel. "Krasser Lauf", so der Falkenbacher.

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