Wilder Lada-Pilot aus Litauen dient Erzgebirgern als Zugpferd

Die Lausitz-Rallye rund um Boxberg ist auch für einige Teams aus der Region ein echter Prüfstein gewesen. Licht und Schatten lagen dicht beieinander. Und ein Duo vom MC Grünhain durfte sich am Ende die Schotter-Krone aufsetzen.

Boxberg.

Sie gilt als eine der härtesten Rallyes überhaupt. Genau diesem Ruf ist die wilde Hatz in der Lausitz am Wochenende einmal mehr gerecht geworden. Das zeigt der Blick in die Ergebnisliste. Von 57Teams haben nur 35 das Ziel erreicht. Mensch und Material am Limit - das galt auch für die Starter aus dem Erzgebirge, von denen am Ende nicht alle jubeln durften.

Voll im Soll lagen nach zwölf Prüfungen und 165 Kilometern in Wertung Bernd Knüpfer und Daniel Herzig. Im Opel Astra OPC trat das Team vom MC Grünhain rund um Boxberg an, um Titel zu holen. Ein Triumph gelang tatsächlich. So sind der Postbote aus Greiz und der Servicemechaniker aus Neukirchen-Adorf frisch gebackene Schotter-Könige. Mit der sächsischen Krone indes klappte es nicht. "Wir hatten Julius Tannert nicht auf der Rechnung", gesteht Co-Pilot Herzig. Der Zwickauer schnappte sich den Titel. "Kein Beinbruch für uns", schiebt Herzig hinterher und spricht von einer würdigen Lausitz-Hatz. "Mit vielen Aha-Momenten." Und einem Duell, das er so schnell nicht vergisst. Der Litauer Dovilas Ciutele trieb seinen Lada 2105 VFTS zur Höchstform und sicherte sich dank einer perfekten Vorstellung und mit gut einer Minute Vorsprung den Sieg in der Klasse NC 3 - gefolgt von Knüpfer/Herzig auf Gesamtrang 16 und im besten Fronttriebler des Felds. Dazu kommt nach insgesamt vier Rallyes im Corona-Jahr dank 2162 Punkten der Sieg im Schotter-Cup. "Aller Aufwand hat sich gelohnt", so Herzig.

Dabei begann die Hatz in der Lausitz durchwachsen. Die ersten Prüfungen lagen Knüpfer nicht wirklich. "Go-Kart-Style - eng, verwinkelt. Nur für ersten und zweiten Gang", beschreibt der Beifahrer die Charakteristik. Der Opel litt sichtlich. "Nachdem wir mit der linken Seite einige Kiefern gestreift hatten, war alles verbeult und die Fahrertür ging nicht mehr auf." Zeit kostete der Ausrutscher zum Glück kaum. Und am Sonnabend ging es weiter. "Auf besseren Strecken. Endlich konnten wir alle Gänge durchklingeln, das Auto laufen lassen und mit dem Heck lenken, genau unser Fall", so Herzig. Immer blieb es jedoch die zweite Zeit, denn im Lada-Bändiger aus Litauen fanden die beiden ihren Meister. Er überließ dem MCG-Duo erst auf der finalen Prüfung die Bestzeit. "Der kann was", lobt Herzig.

Glück im Unglück hatten Lukas Heinzel/Clara Bettge vom MCG. In ihrem Nissan Micra trotzten sie heftigen Problemen mit dem Motor, den sie ab der fünften Prüfung zwischen 3000 und 4000 Umdrehungen halten mussten, damit er nicht ausgeht. "Und wir hofften inständig, dass er uns nicht um die Ohren fliegt", so Heinzel. Er konnte es selbst kaum glauben, als er die Zielflagge sah. "Wir kamen ohne große Fehler durch." 100 Meter vor der Zielrampe gab der Nissan den Geist dann auf. "Wir schoben ihn auf die Rampe." Punktlandung mit Klassensieg und Gesamtrang 31.

Ein Wiedereinstieg mit Paukenschlag gelang Carsten Mohe, der nach 13 Monaten erstmals wieder am Start war. Im Skoda Fabia Rally2 preschte der Crottendorfer mit Alexander Hirsch aus Tannenberg auf Gesamtrang 4 nach vorn. Der 280 PS starke Turbo-Allradler lag Mohe bestens, obwohl er als Fronttriebler-Spezialist gilt. Dennoch setzte er bei drei Prüfungen die zweitbeste Zeit und lieferte sich mit Profi Jan Cerny aus Tschechien ein packendes Duell auf Augenhöhe. "Ich habe nicht gedacht, dass wir so weit vorne mitfahren können", sagt Mohe. Nach Wertungsprüfung 10 herrschte Gleichstand zwischen beiden. "Dann erlaubten wir uns einen halben Dreher. Das bleibt auf der Suche nach dem Limit nicht aus", so Mohe, der sich mit dem Ergebnis dennoch "absolut zufrieden" zeigte.

Anders erging es Andreas Schramm/René Meier vom MCG, den Annabergern Pierre Günther/ Markus Ernst sowie Pierre Richter mit der Zwönitzerin Anja Vogel, die allesamt ausfielen. Den Gesamtsieg sicherte sich zum fünften Mal der deutsche Rekordmeister Matthias Kahle. Wegen ihres internationalen Formats als Profisport eingestuft, durfte die Rallye trotz Corona-Lockdown über die Bühne gehen - ohne Zuschauer und unter strengen Hygiene-Auflagen. (mit dwol)

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