Zeit zum Jammern zu schade

Kein Schnee, kein Wasser, kein Lift, keine Bahn: Oberwiesenthals Wintersportler haben es nicht einfach zwischen Analyse und Weltmeisterschaft.

Oberwiesenthal.

Irgendwie sollte jeder nur den Hut ziehen vor dem, was am Fichtelberg trotz aller Probleme sportlich noch herauskommt. Für alle gibt es zu wenig Schnee, zum Beschneien zu wenig Wasser, zur Schanze keinen Lift und für die Rodler keine Bahn. Zumindest derzeit ließe sich mit Jammern gut die Zeit verbringen. Dafür ist sie aber zu schade, zumal die Spitzensportler noch am wenigsten von den Bedingungen abhängig sind. "Die sind meist unterwegs zu Lehrgängen mit den Nationalmannschaften. Mehr Sorgen machen uns die Dinge in Bezug auf den Nachwuchs, weil der vor Ort nicht so gut trainieren kann, wie es notwendig und wünschenswert wäre", macht Stützpunktkoordinator Patrick Burkhardt deutlich.

138 Sportler hat er derzeit in seiner Verantwortung. 49 Skilangläufer, 32 Rennrodler, 21 Skispringer, 18Biathleten, 13 Kombinierer und 5Alpinskifahrer sind dem Stützpunkt zugeordnet. Auch die verfügbaren Trainerstellen seien besetzt. "Insofern betrachte ich uns als gut aufgestellt, wir müssen uns nicht beklagen", betont Burkhardt, der zudem anfügt, dass einige Oberwiesenthaler auch in überregionaler Verantwortung stehen.

Die richten ihre Blicke längst auf die Saisonhöhepunkte, die Nordische Skiweltmeisterschaft in Seefeld und die Rodel-WM in Innsbruck beispielsweise. Dort rechnen sich die Erzgebirger Medaillenchancen aus, wenngleich nur zwei innerhalb der neuen Einstufung als Olympiakader gelistet sind: Eric Frenzel und Richard Freitag. Alle anderen Athleten sind dem sogenannten Perspektiv- und dem Nachwuchskader 1 und 2 zugeordnet. "Die Einteilung in A-, B-, C- und D-Kader ist nicht mehr gültig", erklärt Burkhardt, der neben den beiden Olympia- noch 12 Perspektiv, 10N1- und 19 N2-Kader in seinen Reihen weiß. Auch innerhalb der Potas-Analyse, die innerhalb des deutschen Sports die Potenziale der einzelnen Sportarten bewerten soll, kommen die Wintersportler ganz gut weg.

"Rennschlitten und Nordische Kombination sind ins Cluster 1 eingeordnet, wobei die Rodler den Bestwert erzielt haben. Alle anderen Disziplinen und Verbände gehören zum Cluster 2", so Burkhardt. Diese Einstufung wird insofern wichtig, weil davon die Geldzuflüsse und damit Trainer- und Technikerstellen abhängig sind.

Generell - vor allem aufgrund der zahlreichen Investitionen der vergangenen Jahre - sieht der Stützpunktkoordinator die Bedingungen am Fichtelberg als gut an. "Wir haben kurze Wege, alle Stellen sind besetzt, der Förderkreis arbeitet stabil, die Zusammenarbeit mit Eliteschule, Landratsamt, Stadt und anderen Behörden funktioniert", betont er. Den eingangs zitierten Problemen wie etwa der Witterung und den Fahrten zur Rodelbahn nach Altenberg sei der Sport ausgeliefert, auch der Schanzenlift werde irgendwann laufen. Das Thema Hallenerweiterung - aufgrund von Kapazitätsengpässen bei den Trainingszeiten hoffen die Oberwiesenthaler auf einen An- oder gar Neubau - stehe hingegen aktuell nicht im Fokus. "Doch auch das wird sicherlich später zu einem Thema", glaubt Burkhardt. Vielleicht wenn Potas ganz konkret wirkt. Dann könnte es sein, dass die weit oben eingestuften Sportarten mehr Geld für die Trainingsstättenfinanzierung erhalten. Allerdings ist noch längst nicht sicher, dass Sachsen oder das Erzgebirge davon profitieren. Denn innerhalb des Spitzensports wird der Zentralisierungsgedanke forciert. Und von den "Superstandorten" gibt es nach bisherigen Erkenntnissen keinen für Sachsen.

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