Zug um Zug nach oben

Tim Wendler und Hendrik Kinder sind die größten Nachwuchstalente beim Schachclub Stollberg. Schon jetzt erfolgreich im Ligabetrieb unterwegs, wissen die beiden genau, wo sie hinwollen.

Stollberg.

Worin liegt eigentlich der Reiz beim Schach? Tim Wendler muss über diese Frage nicht lange nachdenken. "Da gibt's mehrere Faktoren. Aber einer ist, dass man nicht vom Glück abhängig ist. Man hat sein Schicksal selbst in der Hand", sagt der 17-Jährige. Gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Kumpel Hendrik Kinder widmet er sich in seiner Freizeit dem königlichen Spiel. Nicht im stillen Kämmerlein, sondern beim SV Erzgebirge Stollberg. Einmal pro Woche, jeden Mittwoch, wird im Begegnungszentrum "Das Dürer" drei Stunden trainiert. In den Wettkampfbetrieb sind die beiden Nachwuchsspieler voll eingebunden. In der Jugend-Bezirksliga schaffte der Stollberger Nachwuchs jüngst den Aufstieg und wird künftig auf Landesebene an den Start gehen. Zudem spielen die beiden in der dritten Mannschaft des Vereins mit, die in der vergangenen Saison als neu in die 2. Bezirksklasse eingegliedertes Team überraschend Platz 4 erreichte. In diesem Jahr läuft es in der leistungsmäßig stärkeren Parallelstaffel nicht so gut: Stollberg III ist Letzter, verlor jüngst 2,5:5,5 in Marienberg. "Aber"Hendrik und Tim haben sich wirklich super entwickelt", sagt Vereins-Vize Steffen Hold.

Die beiden Neuwürschnitzer kamen zum Schach nicht wie die berühmte Jungfrau zum Kind. Dem einen, Hendrik, brachte im Alter von acht Jahren der Vater die Regeln bei, bei dem anderen, Tim, war es der Großvater. In der Schule landeten beide in derselben Schach-AG, der Weg zum Verein war dann nicht mehr weit. Stollberg sei geografisch am Nächsten gewesen, erinnern sich die beiden. Dort ging die Förderung dann richtig los. "In der Schule gibt es immer ein paar, die eine AG belegen, weil sie halt eine belegen müssen und dann gar kein richtiges Interesse zeigen. Hier im Verein ist natürlich alles viel fokussierter", sagt Tim Wendler.

Dass die beiden Talent haben, sei schnell deutlich geworden. "Allerdings haben sie anfangs im Training stets gegeneinander gespielt. Das haben wir dann unterbunden, weil es sie nicht so richtig weiterbringt." Nun trainieren die beiden gegen erfahrene Vereinsmitglieder, zudem werden die absolvierten Ligaspiele per Computer Zug für Zug ausgewertet. Das nützt - wie sehr, wird am besten an der Deutschen Wertungszahl deutlich, die bundesweit als Gradmesser für die Spielstärke dient. Beide verbesserten sich von ihrer Start-DWZ von 700 auf über 1300. Alleine bei den Turm Open in Chemnitz habe er sich um 75 DWZ-Punkte gesteigert, erzählt Tim. Dass er in der 2. Bezirksliga auch schon gegen deutlich stärker eingeschätzte Gegner gewonnen hat, mache ihn stolz.

Seinen Stil beschreibt Tim Wendler als "besonnen, nicht aggressiv". Große Bewunderung hegt er für Weltmeister Magnus Carlsen und dessen "Gefühl und Intuition" am Brett. Wichtige Schachturniere, gerade Weltmeisterschaften schaue er sich gern im Internet an und spiele die Partien nach - selbst wenn er nicht jeden Zug sofort verstehe. Ganz anders Hendrik Kinder, der kein Schach-Idol hat, dafür aber ein Faible für ausgefallene Eröffnungszüge. Sehr gern spiele er als ersten Zug b2- b4 - die sogenannte Orang-Utan-Eröffnung. Die wird auf Meisterniveau kaum gespielt, er selbst beherrsche sie aber und könne Gegner damit aus dem Konzept bringen.

Im kommenden Jahr sollen die beiden Nachwuchsspieler erstmals mit ins Trainingslager fahren. Langfristig ist es ihr Ziel, sich in den Stollberger Teams dauerhaft zu etablieren - und das nicht nur in der dritten, sondern vielleicht irgendwann in der ersten Mannschaft. "Darauf", so Tim Wendler, "arbeiten wir hin."

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