Bereit für steile Abfahrten

Der Mittweidaer Leopold Barich tritt morgen bei der Enduro-DM der Mountainbiker im Erzgebirge an. Normalerweise verschlägt es ihn in höhere Gefilde.

Mittweida.

Leopold Barich von der HSG Mittweida haben die Temperaturen in der Heimat in dieser Woche schon ein wenig gestört. "Es ist ja ungewöhnlich warm hier", sagt er. Die Hitze in den Wochen zuvor hat er gar nicht mitbekommen, denn normalerweise ist er in höheren Gefilden unterwegs. Der Mittweidaer fährt auf dem Mountainbike Enduro und ist zu den Wettkämpfen vor allem in den Sommermonaten in den europäischen Hochgebirgen unterwegs.

Ab morgen drückt er im Erzgebirge in die Pedale. Bei der Deutschen Meisterschaft in Breitenbrunn rechnet er sich schon etwas aus. "Es ist zwar erst meine zweite Teilnahme an der DM, doch ich denke schon, dass ein Podestplatz möglich ist", sagt der seit gestern 20-Jährige. Allerdings sei die Konkurrenz sehr stark. "Wir kennen uns alle und neben der Strecke ist es wie eine kleine Familie", sagt Leopold, der in der Männerkonkurrenz startet. Um die Medaillen geht es am Sonntag.

Erfahrungen hat der Mittweidaer in den vergangenen Jahren genug gesammelt. In diesem Jahr startet er hauptsächlich in der Enduro-World-Series. "Das ist sozusagen die Champions-League für unsere Sportart", sagt er. "Alle Größen des Sports treten dort an." Leopold selbst geht dort in der U-21-Altersklasse an den Start und ist derzeit bester Deutscher auf Platz 31. Beim bisher letzten Event im italienischen La Thuile lief es für den 20-Jährigen aber nicht wie gewünscht. Hier verpasste er es, in die Punkte zu fahren. Die Enduro-World-Series ist eine Wettkampfserie, die an acht verschiedenen Orten auf der Welt ausgetragen werden. Leopold Barich kann dabei allerdings nicht an allen Orten teilnehmen, denn einige davon finden unter anderem in Chile, Kolumbien und Kanada statt. "Die Rennen, die in Europa sind, versuche ich aber zu fahren", sagt er. Die Ausrüstung stellt dabei ein amerikanischer Sponsor, der seinen Bekanntheitsgrad in Europa steigern will, die Startgebühren zahlt die HSG Mittweida, bei der Leopold nach wie vor Mitglied ist. Die Hochschule Mittweida ermöglicht ihm ein verlängertes Studium, sodass er im Sommer an Wettkämpfen teilnehmen kann. Im Oktober beginnt das zweite Semester seines Maschinenbau-Studiums. "Ich persönlich muss lediglich die Kosten für die Reisen sowie die Unterkünfte bei den Wettkämpfen tragen", sagt er.

Vor einer Woche hat er sich im Rahmen der Trail-Trophy - einer Rennserie in Europa - auf die DM vorbereitet. Im schweizerischen Flims-Laax wurde er bei den Männern Achter. "Damit war ich nicht ganz zufrieden, weil ich am zweiten von drei Tagen viel Zeit verloren habe." Ein Rennwochenende gliedert sich meist in verschiedene Etappen - ähnlich wie im Rallye-Sport. "Eine Etappe dauert bei uns vier bis fünf Minuten. Meist geht es steil bergab und ab und an muss man auch kurz bergauf in die Pedale treten", sagt er. Dass sein Sport gefährlich ist, weiß er sehr genau. "Die Wege bei den Abfahrten sind zum Großteil nicht gesichert und manchmal ist das Gefälle enorm." In La Thuile habe sich eine Teilnehmerin bei einem Sturz das Genick gebrochen.

Dennoch sei der Radsport-Enduro für Leopold Barich die richtige Sportart. Bis zum Alter von 15 Jahren stand er oft - wie sein Vater Frank und seine Schwester Lilo - auf der Judomatte. "Ich habe auch Leichtathletik und Fußball gemacht, aber dann trat der Radsport immer mehr in den Vordergrund", sagt er. Irgendwann habe er sich entscheiden müssen. "Und da war mir klar, dass ich Radsport machen will. Vor allem, weil ich dann an der frischen Luft bin." In der kleinen Radsportabteilung der HSG Mittweida fand er Trainingsmöglichkeiten, sein Mitstreiter Julian Knipping ist am Wochenende ebenfalls bei der DM dabei. Die Mittweidaer haben sich in der Nähe des Zschopauwehres bei Kockisch sogar eine kleine Strecke gebaut. Im Hochgebirge sind es dennoch andere Voraussetzungen. "In Frankreich war es zum Beispiel ein sehr rauer Boden, dazu steinig - irgendwie wie im Dschungel", sagt er. Dagegen habe die Strecke in La Thuile alpinen Charakter, mit sehr vielen Wurzeln gehabt, so Leopold. "Und in der Schweiz war der Start auf über 3000 Meter Höhe, sodass ich kurz durch Schnee gefahren bin." Das wird ihm am Wochenende in Breitenbrunn keineswegs widerfahren.

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