"Dann feiern wir eben 101 Jahre"

Die Neuhausener Kicker haben ihr Jubiläum zum 100. Geburtstag verschoben. Ausfallen soll es aber auf keinen Fall.

Neuhausen.

Eigentlich hätten die Fußballer des FV Neuhausen/Cämmerswalde im Sommer allen Grund zum Feiern gehabt. Immerhin standen "100 Jahre Fußball" am Schwartenberg auf dem Programm, nachdem 1920 erstmals eine Elf unter dem Namen Sport- und Spielvereinigung Neuhausen aufgelaufen war. Doch die große Geburtstagsparty mit Turnieren für alle Altersklassen, Kulturprogramm und Festveranstaltung ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Die Veranstaltungen zum Jubiläum sind jetzt auf Juni 2021 verschoben worden, erklärt Vereinschef Maik Müller. "Dann feiern wir eben 101 Jahre - und das mindestens genauso groß, wie wir das jetzt getan hätten."

Zwar ist es im Männerbereich seit einigen Jahren still um den früheren Bezirksklassevertreter geworden. Dafür setzten die älteren Kicker auf sächsischer und sogar auf nationaler Ebene einige Ausrufezeichen. In der AK über 40 Jahre gewannen sie mehrfach den Sachsenmeistertitel und wurden 2016 - mittlerweile in der Ü 50 - in Saarbrücken sogar Deutscher Meister dieser Altersklasse. Die Männermannschaft konnte da nicht mithalten. Zumindest aber kann der frühere SSV Blau-Weiß gemeinsam mit den Kickern aus dem Ortsteil Cämmerswalde weiter auf Torejagd gehen: 2007 wurde der FV Neuhausen/Cämmerswalde aus der Taufe gehoben. Aktuell spielt das Team um Markus Hiemann in der Kreisliga Süd des Kreisverbandes Mittelsachsen. "Da zu Beginn der 2000-er Jahre auch bei uns der Nachwuchs fehlte, haben wir uns mit Deutschneudorf und mit Cämmerswalde zusammengetan und in fast allen Nachwuchsklassen Spielgemeinschaften gebildet", sagt Maik Müller, der seit 2017 an der Spitze des Vereins steht. Nachwuchstrainer Mario Tischendorf führte seine C-Jugend in dieser Saison sogar auf Platz1 der Mittelsachsenliga, in der kommenden Serie spielt das Team deshalb in der Landesklasse.

Bei den Männern liegen die letzten Titel etwas länger zurück. Als Bernd Meyer 1990 die erste Mannschaft übernahm, gelang nur ein Jahr später die Kreismeisterschaft und im Jahr darauf der Kreispokalsieg. Mehrere Spielzeiten waren die Neuhausener in der Bezirksklasse am Ball, und auch in der damaligen Kreisliga gehörten sie viele Jahre zu den spielstärksten Vertretungen. Uwe Morgenstern konnte sich zudem viermal die Torjägerkanone für den besten Schützen der Liga sichern.

Zu DDR-Zeiten wurde nicht nur auf dem Platz um Tore und Punkte gekämpft - die Neuhausener Fußballer waren auch neben dem Platz fleißig. So wurde 1958/59 aus dem alten Sportplatz ein schmuckes, kleines Stadion gebaut, das Platz für 1000 Zuschauer bot und auch eine 400-Meter-Laufbahn besaß. Später kam noch ein Trainingsplatz dazu. "Wir waren richtig stolz auf unsere Anlage, die zu den schönsten im Kreis zählte", erzählt der langjährige Vereinsvorsitzende Frank Hiemann. Mehr als 170 Helfer hätten dafür 12.000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet, erinnert sich der 67-Jährige, der für viele als die gute Seele des Vereins gilt. 30 Jahre später bauten die Fußballer unter der Leitung von Gerd Oeser auch ihr Sportlerheim, das am 22. Mai 1987 eingeweiht wurde und 2014 - erneut in Eigenregie - eine Generalüberholung erfuhr. 2019 wurde dann auch der Sportplatz noch einmal in Eigenleistung saniert, berichtet der aktuelle Vorsitzende Maik Müller.

Auch mit einer Chronik kann der traditionsreiche Verein aufwarten. Wolfgang Wagner und Christian Müller blicken dabei auf die 100 Jahre Fußball zurück. Sechs verwegene Burschen hatten sich 1920 im Gasthof Dittersbach zusammengefunden und über einen Fußballverein am Schwartenberg diskutiert, erzählt Wagner. Wenig später gründeten 25 Fußballfreunde die "Sport- und Spielvereinigung 1920" Neuhausen, die zunächst unter der Leitung von Erich Hermsdorf stand. Die ersten Spiele wurden am "Seifert Gut" in Dittersbach ausgetragen. "Später pachtete der Verein dann eine Wiese an der Rechenberger Straße", so die beiden Chronisten. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte wie überall der Spielbetrieb. "Aber bereits kurz nach Kriegsende starteten viele Sportfreunde einen Neuanfang", so Wolfgang Wagner und Christian Müller.

In den Folgejahren gab es einige Höhen und Tiefen bei den Neuhausener Kickern. Unvergessen bleiben die Spiele gegen den FC Karl-Marx-Stadt und die BSG Wismut Aue, sagt Maik Müller. "Wir sind glücklich, dass es unseren Verein bis heute gibt - nicht zuletzt, weil stets viele Sportfreunde mitgeholfen haben", erklärt der Vereinschef stolz.

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