"Die Truppe hält fest zusammen"

Die Handballerinnen des SV Rotation Weißenborn haben die erneute Zwangspause bislang bewundernswert gemeistert, lobt ihr Trainer. Die Mannschaft sei nicht nur auf dem Papier ein echtes Spitzenteam.

Weißenborn.

David Dehn, Trainer der Weißenborner Handballerinnen hätte allen Grund, sich öfter die Tabelle der Frauen-Sachsenliga anzuschauen. Denn dort rangieren seine Schützlinge auf einem hervorragenden 2. Platz - aufgrund der aktuellen Corona-Pause mittlerweile seit Mitte Oktober. Das sei aber gar nicht nötig, sagt der Rotation-Coach und schmunzelt. "Wir haben alle die Tabelle im Hinterkopf."

Beim letzten gemeinsamen Training vor der Zwangspause haben sich Mannschaft und Trainerteam vor dem Tableau, das die Rotation-Damen nach vier Spieltagen mit 6:2Punkten hinter dem HV Chemnitz (6:0) und vor dem VfB Bischofswerda (5:3) auf dem Vizeplatz sieht, nochmals eingeschworen, die Phase bestmöglich zu überstehen. "Die Bilanz sollte für alle genug Motivation für diese schweren Wochen sein", sagt Dehn. Und bislang sei die Krise sehr gut gemeistert worden, freut sich der 33-Jährige, der die Rotation-Damen seit 2017 trainiert und zu einem Spitzenteam der höchsten sächsischen Spielklasse geformt hat - nicht nur auf dem Parkett. "Die Truppe hält fest zusammen, von allen 18 Spielerinnen hat sich keine einzige hängen lassen - wirklich bewundernswert."

Zwei Monate lang fand sich das Team regelmäßig zweimal pro Woche zum Online-Training zusammen, erklärt der Rotation-Trainer, und absolvierte gemeinsam Kraft- und Stabilisationsübungen. Dazu kommen individuelle Laufeinheiten. Zum Teil haben seine Spielerinnen bis zu fünfmal pro Woche trainiert, lobt Dehn - "mehr als wir sonst machen". Der Coach hat eine Punktetabelle erstellt, "sodass sich alle Woche für Woche messen können". Er hob dabei vor allem Lucie Walther und Michelle Richter hervor. Die 17-jährige Walther sei Spitze bei den Kraftübungen, während Rechtsaußenspielerin Richter, die geheiratet hat und bislang Vogelgesang hieß, in den Wochen vor Weihnachten allein mehr als 200 Kilometer gelaufen sei. "Aber alle Mädels machen das riesig", lobt der Coach. Insgesamt stehen bei den Rotation-Damen mehr als 1100 Laufkilometer sowie über 200.000 Wiederholungen bei Kraftübungen wie Liegestütze, Sit-ups oder Hockstrecksprüngen zu Buche, so Dehn.

Über die Feiertage und zu Beginn des Jahres hat der Rotation-Trainer seinen Schützlingen freigegeben - vor dem Hintergrund, "dass es definitiv nicht vor Mitte März weitergehen wird". An einer kleinen Silvester-Challenge hätten sich dennoch mehr als zwei Drittel des Kaders beteiligt und im alten Jahr nochmals über 60 Laufkilometer absolviert, so Dehn. Der Disponent einer Siebenlehner Logistikfirma schnürte ebenfalls regelmäßig die Laufschuhe und war auch bei den gemeinsamen Online-Workouts dabei.

Offiziell hat der Handballverband Sachsen den Spielbetrieb zunächst bis 28.Februar ausgesetzt und plant einen Wiedereinstieg für Mitte/Ende März. Ginge es nach seinen Damen, würden diese möglichst sofort nach Wiederöffnung der Sporthallen wieder um Punkte spielen, sagt Dehn. "Alle sind heiß, fit und verstehen sich auf dem Feld mittlerweile blind." Eine gewisse Vorbereitungszeit in der Halle würde natürlich trotzdem nicht schaden, so der Coach schmunzelnd.

David Dehn hofft, dass in der Sachsenliga zumindest eine einfache Runde gespielt werden kann, um die Saison werten zu können. "Wir hatten schon in der Sommervorbereitung sehr viel investiert - dafür sollte die Mannschaft irgendwann auch belohnt werden."

Auch bei den Verbandsliga-Männern des SV Rotation ruht nach wie vor der Ball - wobei sich Jens Peschke an den letzten Auftritt seines Teams fast nicht mehr erinnern kann. "Das war Anfang Oktober - geschlagene drei Monate her", so der Trainer der Weißenborner Handballer. Am 4. Oktober standen sie das letzte Mal auf dem Parkett und verloren beim aktuellen Tabellendritten der Verbandsliga West, SC DHfK Leipzig III, 21:24. Davor hatte Rotation zweimal gewonnen, sodass die Zwischenbilanz mit 4:2 Punkten ebenfalls positiv ausfällt.

Allerdings hat der Rotation-Trainer große Zweifel, den guten Start irgendwann ausbauen zu können. "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass wir diese Saison fortsetzen können." Natürlich würden alle gern weiterspielen, so der 43-Jährige, der seit 13 Jahren auf der Trainerbank sitzt. Und gerüstet sollte auch sein Team sein - obwohl Peschke das individuelle Training nicht kontrolliert und nur eine grobe Richtlinie vorgab. "Zum Beispiel Intervallläufe statt große Strecken joggen."

Der Großteil der Mannschaft habe sich fitgehalten, sagt der Coach, der dabei auf gegenseitiges Vertrauen setzt. "Die Jungs sind erfahren genug und wissen, was zu tun ist." Zudem sei Handballspielen wie Fahrradfahren, so Peschke lachend. "Das verlernt man nicht. Und die Namen der Spieler werde ich schon noch zusammenbekommen, wenn wir uns irgendwann wiedersehen können."

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