Ein halbes Jahrhundert am Netz

Siegfried Engel prägt den Volleyballsport in Freiberg seit 45 Jahren. Begonnen hatte seine erfolgreiche Trainerlaufbahn mit einer verschlossenen Halle.

Freiberg.

Wem der Name Siegfried Engel in Freiberg nichts sagt, der hatte wahrscheinlich noch nie einen Volleyball in der Hand. Engel prägte die Sportart in der Bergstadt wie kein Zweiter, trainierte mehrere Vereine, bildete junge Talente aus und hatte sogar die Nationalmannschaft in die Ernst-Grube-Halle geholt. "In der Stadt kennt mich fast jeder, der mit Volleyball zu tun hat", sagt Engel, der jetzt seinen 75. Geburtstag feierte. Ans Aufhören denkt der Nachwuchstrainer des ATSV aber noch längst nicht: "So lange ich kann, mache ich weiter."

Dabei entdeckte Siegfried Engel seine Liebe zum Volleyball erst spät. 25 Jahre spielte er Fußball bei Turbine Freiberg. "Dann kam es durch meine älteste Tochter zur sportlichen Wende", erinnert sich der dreifache Vater. Diese hatte sich in der Schule für eine Volleyball-AG angemeldet, zu der die Übungsleiter aber selten erschienen. So standen die Kinder oft vor einer verschlossener Sporthalle. "Meine Tochter meinte dann eines Tages, dass ich einfach den Kurs leiten soll", erzählt Engel.

Der damals 30-jährige Sportlehrer übernahm kurzerhand den Kurs, begeisterte sich immer mehr für die Sportart und wechselte bei Turbine die Abteilung. Viele Jahre bildete er dort den Nachwuchs aus, machte den Trainerschein (B-Lizenz) und bekam für sein Engagement sogar den Bürgerpreis der Stadt Freiberg. 1997 entschied Engel sich, den nächsten Schritt zu wage: Er gründete den 1. Volleyballverein (VV) Freiberg, mit dem er im Frauen- und Nachwuchsbereich Erfolge feierte. Doch nach zehn Jahren verließ er den Verein. "Es gab Differenzen zwischen mir und einigen Funktionären." Er sei damals angeeckt, "da ich zu viel selbst machen wollte." Seit 2007 ist der Volleyball-Coach nun beim ATSV Freiberg und trainiert die Jugend von der U 12 bis zur U 18. "Ich fühle mich hier sehr wohl und habe ein Team um mich, wo alle an einem Strang ziehen."

Nicht nur für die AG-Leiter seiner Tochter ist er damals eingesprungen. Auch heute arbeitet der gelernte Feinmechaniker noch als Vertretungslehrer an der Grundschule in Mulda und unterrichtet Mathe und Werken. Zuvor lehrte er an Schulen in Freiberg, Hilbersdorf, Olbernhau, Waldheim und Brand-Erbisdorf. "Einmal musste ich sogar für ein Jahr Englisch unterrichten, obwohl ich die Sprache nie wirklich gelernt hatte. Da saß ich teilweise bis spät in der Nacht über den Büchern", blickt Engel amüsiert zurück. Den Enthusiasmus am Lehrerdasein hat der 75-Jährige bis heute nicht verloren.

Doch egal wo Engel unterrichtete, er hielt immer die Flagge für den Volleyball hoch. Gleich dreimal organisierte er Spiele der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft in Freiberg, er richtete ein Beachvolleyballturnier auf dem Obermarkt aus, zu dem Teams aus Tschechien, Polen und Holland aufliefen. Er hatte sogar den Plan, ein Leistungszentrum in Freiberg aufzubauen - "auch wenn das aus finanziellen Gründen leider nicht geklappt hat".

Eine Besonderheit hat er bis heute beibehalten: Er trainiert nur Mädchen- oder Frauenteams. "Da wurde ich wohl durch meine zwei Töchter geprägt, die jahrelang bei mir gespielt haben", so Engel schmunzelnd. Auch sein Ziel als Trainer hat sich nie verändert: "Ich möchte den Mädels die Gewissheit geben, dass ihr Training nicht umsonst ist."


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