Ein Kommissar stellt sich vor

Die Freiberger Fußballer haben zwei Wochen nach Abpfiff der Zittersaison 2015/16 bereits wieder mit der Vorbereitung begonnen. Ins dritte Jahr in Folge in Sachsens höchster Spielklasse gehen sie ohne einige Leistungsträger, aber mit einem interessanten und engagierten neuen Cheftrainer.

Freiberg.

Kay Mattheß weiß, was auf ihn zukommt. Das hat der neue Trainer des BSC Freiberg, der hauptberuflich als Hauptkommissar beim LKA in Dresden arbeitet, bereits ermittelt - und dafür die letzten fünf Spiele der alten Saison verfolgt sowie analysiert. Er habe sich ein umfassendes Bild von der Mannschaft und seiner neuen Aufgabe gemacht, sagt der 48-Jährige. Die Meinung, dass der BSC nicht landesligatauglich sei - wie es zuletzt sogar Spieler eingeschätzt hatten - kann Mattheß dabei nicht teilen. "Ich bin überzeugt, dass wir die Sachsenliga halten", sagt er klar. "Sonst wäre ich nicht gekommen."

Zudem reize ihn die Aufgabe, in Freiberg nach dem Abgang von fünf Stammspielern im Prinzip ein neues Team aufzubauen. Zuletzt hatte Mattheß den Dresdner Stadtligisten SV Pillnitz betreut, davor saß er auch beim Großenhainer FV und bei Borea Dresden auf der Trainerbank. Vor allem bringt der neue Coach aber die Erfahrung von fast acht Jahren im Nachwuchsbereich von Dynamo Dresden mit. Er sei der Übungsleiter, der dort mit Abstand am längsten tätig war, sagt Mattheß mit einem Schmunzeln.

In Pillnitz hat er zuletzt auch seinen Sohn Fritz trainiert. Der 21-Jährige, der Architektur an der TU Dresden studiert, kommt mit nach Freiberg. Der junge Innenverteidiger ist einer von bislang drei Neuzugängen des BSC. Mit Paul Kiontke (28) wechselt auch der zweitbeste Torschütze der Landesklasse Mitte von der SpVgg Grün-Weiß Coswig nach Freiberg. Zudem soll Florian Klengel die Defensive verstärken. Der 23-Jährige kommt vom Dresdner Kreisoberligisten Rotation Dresden. Er und Fritz Mattheß haben im Nachwuchsbereich ebenfalls bei Dynamo Dresden gespielt.

Die Personalplanung sei damit aber nicht abgeschlossen, sagt BSC-Manager Andreas Gartner. "Es gestaltet sich nach wie vor nicht einfach. Doch wir sind auf jeden Fall ein Stück vorangekommen." Mattheß hofft auf einen 22-Mann-Kader für die Sachsenliga. "Das wäre ideal."

Mit Stephan Schäfer, Manuel Sensfuß (beide zum SV Olbernhau) und Steve Müller (Roßweiner SV) haben drei Stützen des Vorjahresteams den BSC verlassen. Torwart Sören Geiger kehrt nach drei Jahren in Freiberg zu Germania Mittweida zurück, wo er früher im Nachwuchsbereich spielte, während Johannes Hartmann verletzungsbedingt aufhört. Außerdem stehen hinter den langzeitverletzten Sebastian Krause und Stefan Richter weiterhin Fragezeichen, sagt Gartner. Krause sei zumindest auf dem Weg der Besserung, während mit Richter (Kreuzbandriss) frühestens zur Winterpause wieder zu rechnen sei, so der Manager. Beide Kapitäne der Vorsaison hatten bereits die komplette Rückrunde verpasst.

Dass nicht nur die Personal-, sondern auch die finanzielle Situation in Freiberg schwierig ist, stört den neuen Trainer nicht. Für ihn zähle, dass der Verein am Ball bleiben will "und seine Chance in Sachsens höchster Spielklasse weiter nutzt", sagt Mattheß. Das sei längst nicht mehr selbstverständlich. Denn inzwischen hat auch der Heidenauer SV nach massiven internen Problemen seine Mannschaft aus der Sachsenliga zurückgezogen. "Und in Görlitz geht es derzeit hoch her", so Mattheß. Der NFV stehe ebenfalls vor dem Aus, während der FSV Zwickau seine zweite Vertretung bereits im Frühjahr abgemeldet hatte. Deshalb muss mittlerweile auch der Reichenbacher FC als Schlusslicht nicht mehr absteigen.

Zum Trainingsauftakt am Montagabend konnte Kay Mattheß zu seiner ersten Einheit immerhin 18Spieler begrüßen. Fünf Wochen bleiben ihm, um die Mannschaft nach der kräftezehrenden Vorsaison (und nur zwei Wochen Pause) für die neue Serie fitzumachen. Am 7.August erfolgt der Auftakt im Landespokal - Auslosung ist am Montag -, wobei Mattheß diese Partie keineswegs nur als zusätzlichen Test einordnet. Eine Woche später startet die neue Meisterschaft.

Zunächst steht vor allem Grundlagenausdauer auf dem Plan des neuen Cheftrainers. Dabei rollt bei Mattheß stets der Ball. Die einst obligatorischen Waldläufe gebe es bei ihm nicht, sagt der Kriminalbeamte. Der zweifache Familienvater, der früher beim SV Laußig (bei Eilenburg) spielte, ist mittlerweile seit 15Jahren als Fußball-Trainer tätig.

In Freiberg wird weiterhin dreimal pro Woche trainiert, jeweils montags, mittwochs und künftig donnerstags. Zum Auftakt wird es am Wochenende ein Kurztrainingslager auf dem Platz der Einheit geben, inklusive des ersten Tests. Gegner ist am Sonntag der FV Stahl Freital (Anstoß 14 Uhr), Vorjahresdritter der Landesklasse Mitte. Aus dem geplanten Blitzturnier wird jedoch nichts, da der SV Lichtenberg als Dritter im Bunde abgesagt hat.

Insgesamt haben die Freiberger fünf Vorbereitungsspiele vereinbart. Dabei ist die Partie in der kommenden Woche gegen Regionalligist VfB Auerbach ein Höhepunkt, freut sich Kay Mattheß. "Wir haben fünf interessante Gegner mit dem VfB als Leckerbissen."

Sommerfahrplan Testspiele BSC: Mi., 13. 7., 19:15 Uhr: TSV Rotation Dresden (H); So., 17. 7., 14 Uhr: VfB Auerbach (H); Mi., 27. 7., 19Uhr: FV Blau-Weiß Zschachwitz (A); Sa., 30.7., 14 Uhr: VfB Annaberg (H)

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