Ein Sprung zurück zur Normalität

Bei den Pferdesportlern der Region ging wegen Corona lange nichts, jetzt dürfen sie zumindest wieder trainieren. An Turniere ist aber weiter nicht zu denken - und dafür hat nicht jeder Verständnis.

Langenleuba-Oberhain.

So langsam hebt sich der Vorhang wieder. Seit vergangener Woche dürfen Vereine im gesamten Freistaat wieder ihre Außensportstätten nutzen. Das betrifft auch die Pferdesportler, die unter dem Corona-Lockdown massiv litten. Allerdings gelten für sie ebenfalls die allgemeinen Auflagen, die unter anderem vorsehen, dass das Training in kleinen Gruppen stattfinden muss und alle Teilnehmer jederzeit einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten sollen. "Das ist für uns erst einmal eine Erleichterung", sagt Karsten Koch, der Sprecher des RFSG Langenleuba-Niedersteinbach.

Viele Sportler hätten ihre Pferde zuhause und seien für das Training auf die Nutzung der Vereinsanlage angewiesen. Das können sie nun zumindest im Freien wieder tun - die Reithallen sind noch bis 17. Mai gesperrt. Der entscheidende Punkt sei, so Koch, dass die Trainer wieder anwesend sein dürfen.

Dass trotz der Lockerungen noch reichlich Vorsicht regiert, zeigt der RFV Seelitz. Auf die Anlage dürfen erst einmal nur Vereinsmitglieder. Beim Reitunterricht müssen zudem die Eltern der Kinder anwesend sein, die auch das Satteln der Pferde übernehmen. Fahr- und Longierunterricht werden überdies weiterhin nicht erteilt. "Den Kindern täglich zu vermitteln, was sie dürfen und was nicht, gestaltet sich nicht gerade leicht", sagt RFV-Reitlehrerin Kathrin Großer.

Keine Auswirkungen haben die Lockerungen, die auch der Landesverband Pferdesport auf seiner Internetseite umgehend kundtat, auf die Reitturniere. Bis zum 12. Juli wurden sämtliche Veranstaltungen abgesagt. In Seelitz war das Vielseitigkeitsturnier betroffen, das vom 1. bis zum 3. Mai mit mehr als 500 Pferden hätte über die Bühne gehen sollen. "Das ist unglaublich bitter, weil wir so viel Herzblut dort reinstecken", sagt Großer. Nie zuvor sei das Turnier ausgefallen.

Auch das Pfingstturnier in Langenleuba-Oberhain ist seit 70 Jahren eine Konstante im Jahreskalender. In diesem Jahr müssen Reiter und Zuschauer aber erstmals auf das viertägige Ereignis mit 300 Reitern und 600 Pferden verzichten, obwohl es bis dahin noch drei Wochen Zeit sind. Weitere Lockerungen würden daran nichts ändern. "Der Aufwand ist zu groß, als dass wir das Turnier einfach aus dem Boden stampfen können", so Sprecher Karsten Koch. Er hofft, dass wenigstens das Herbstturnier, das zugleich als Senioren-Kreismeisterschaft gilt, im September stattfinden kann.

Bereits abgesagt sind auch die Sächsischen Meisterschaften im Dressur- und Springreiten vom 2. bis zum 5. Juli in Burgstädt. Die Wettbewerbe würden auch nicht nachgeholt, betont Antje Dippmann vom Verein St. Georg, der die Titelkämpfe in den vergangenen 30 Jahren 28-mal ausgerichtet hat. "Im Herbst sind die Wochenenden alle schon mit Turnieren verplant. Die Veranstalter sollten sich die Sportler dann nicht gegenseitig mausen", sagt sie.

Die Absage sei alternativlos gewesen, vor allem wegen der Kontaktbeschränkungen. "Da treffen sich Leute im Stallzelt, die sich ewig nicht gesehen haben. Natürlich kommt es da zu Umarmungen, zu Körperkontakt. Wie will man das unterbinden? Oder den Abstand der Preisrichter zueinander gewährleisten bei den beengten Verhältnissen in der Kabine", so Antje Dippmann. Und ohne Zuschauer mache eine Veranstaltung wie diese ohnehin keinen Sinn.

Diese Ansicht teilen aber nicht alle der im Pferdesport Involvierten. So verweist Silvio Weiß, der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Dorfchemnitz, auf die Situation in anderen Bundesländern. "In Niedersachsen und in Schleswig-Holstein sind Reitturniere ohne Zuschauer jetzt schon wieder möglich." Ihn ärgere besondere die Perspektivlosigkeit: "Wenn man klar sagen würde, ab dem oder dem Zeitpunkt geht es wieder los, dann könnte man sich darauf einstellen. So aber fehlt komplett die Orientierung."

Das Große Reit- und Springturnier in Dorfchemnitz, angesetzt vom 17. bis zum 19. Juli, hängt noch in der Schwebe, soll aber wohl in einer abgespeckten Form stattfinden. "Prüfungen straffen, Teilnehmerzahlen begrenzen", nennt Weiß einige der angedachten Maßnahmen.

Und die Reiter selbst? Die sind froh, dass sie zumindest wieder Reitstunden geben dürfen. "Ich habe in meiner Reitschule damit in dieser Woche wieder angefangen", sagt Jennifer Barth vom RFSG Langenleuba-Niedersteinbach. Auf Wettkämpfe zu verzichten, fällt der mehrfachen sächsischen Meisterin im Dressur- und Springreiten schwer. "Wir hatten schon wieder antrainiert, waren gut drauf, bevor alles in Wasser fiel."

Besonders hart trifft das den Peniger Matthias Lucas, der als Berufsreiter auch auf große Turniere angewiesen ist. "Das sind wichtige Plattformen für die Vermarktung der Pferde. Kunden messen den Wert an den Erfolgen." Froh ist er deshalb, zumindest wieder Unterricht erteilen zu können, nachdem er im April noch einen Lehrgang absagen musste. Dadurch habe er Einbußen von einigen tausend Euro verzeichnet.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.