Erzgebirger schlägt in Slowenien als Erster an

Horst Lachmann hat bei der Senioren-EM in Kranj fünf Medaillen gewonnen. Nun will sich der 86-Jährige nochmals mit der Weltspitze messen.

Holzhau.

Horst Lachmann hat noch lange nicht genug. Auch im stolzen Alter von 86 Jahren geht der Schwimmer aus Holzhau weiterhin auf Medaillenjagd, und das auch international: Bei der Senioren-Europameisterschaft im slowenischen Kranj fischte der Erzgebirger in der vorigen Woche bei fünf Starts fünfmal Edelmetall aus dem Becken, darunter einmal Gold. Über 50 Meter Brust schlug Lachmann in 57,51 Sekunden als Erster der AK 85 bis 89 an - vier Hundertstel vor dem Tschechen Tosnar. Dritter wurde der Italiener Corradini (1:00,24). Zudem hatten ein Israeli, ein zweiter Tscheche und mit dem Gersdorfer Karl Röhner ein weiterer Erzgebirger auf dem Startblock gestanden.

"Das ist ein weiterer sehr großer Erfolg für mich", freut sich Horst Lachmann, der nach fast 35 Jahren Wettkampfpause erst im vorigen Jahr sein Comeback im Schwimmbecken gefeiert hatte. Nach drei nationalen Meistertiteln hatte der Holzhauer bei der Masters-WM 2017 in Budapest sensationell Silber über 50Meter Rücken gewonnen.

In Kranj, der viertgrößten Stadt Sloweniens, stockte Lachmann nun seine internationale Medaillensammlung zudem um je zwei Silber- und Bronzemedaillen auf. Über 50Meter Freistil schlug er in 46,77 s hinter dem Schweden Soderquist (39,51) als Zweiter an, ebenso über 100 Meter Freistil. Dritter wurde der Holzhauer, der für den SSV Leutzsch startet, über 50 und 100 Meter Rücken. In beiden Rennen musste er Fritz Ilgen vom TSV Lindau (Bayern) und dem Russen Valentin Meshcheriakov den Vortritt lassen. In der AK 85 waren bei der EM 27Sportler aus zehn Nationen am Start, insgesamt zählten die Wettkämpfe in Slowenien mehr als 3700 Schwimmer, berichtet Lachmann.

Der 86-Jährige hatte die knapp 1000 Kilometer nach Slowenien mit seiner Frau im Auto zurückgelegt. Zwischen den Wettkämpfen, die auf sechs Tage verteilt waren, machten beide auch einen Abstecher nach Bled, das slowenische Wassersportzentrum, sowie an die berühmte Skiflugschanze nach Planica.

Dass der ehemalige Leistungsschwimmer von Wissenschaft Halle und der DHfK Leipzig überhaupt noch Sport treiben kann, ist durchaus ein kleines Wunder. 1983 hatte sich Lachmann, der als 18-Jähriger auf Platz 3 der DDR-Bestenliste stand, bei einem Trainingsunfall den zweiten Halswirbel angebrochen und galt lange als schwerbeschädigt. Aber der frühere Wissenschaftliche Mitarbeiter des Freiberger Brennstoffinstitutes kämpfte sich zurück. Als Skilangläufer startete er ebenfalls schon bei einer Senioren-WM, zudem absolvierte er Triathlon-Wettkämpfe.

Nach einem Treffen mit ehemalige Schwimmkollegen aus Leipzig begann Lachmann im vorigen Jahr wieder mit dem Training im Becken. Zur Vorbereitung auf die EM standen zwei- bis dreimal pro Woche 1,5Kilometer auf dem Programm. Neben dem Freiberger Johannisbad und dem Rehabad Altenberg habe er im Sommer vor allem in einem kleinen Waldsee kurz hinter der tschechischen Grenze trainiert, erzählt Horst Lachmann. Bei den 50. Deutschen Meisterschaften in Osnabrück hatte er im Juni bereits sechsmal Edelmetall gewonnen.

Die nächsten Höhepunkte hat der Seniorenschwimmer schon im Visier: Im Dezember will Lachmann bei der Deutschen Kurzbahnmeisterschaft in Hannover antreten, ehe 2019 eine ganz weite Reise geplant ist - zur nächsten Senioren-Weltmeisterschaft nach Südkorea.

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