"Jede Menge Diskussionsbedarf"

Fußball: Mittelsachsens Verbandschef über die neue Saison, neue Ideen und aktuelle Probleme beim KVF

Freiberg/Flöha.

Kommende Woche, am 10. August, wird mit der Partie der Mittelsachsenklasse zwischen Einheit Bräunsdorf und dem SV Oberschöna die neue Spielzeit des Kreisverbandes Fußball Mittelsachsen eröffnet. Andreas Schramm (38), der seit Gründung des KVF an dessen Spitze steht, blickt im Gespräch mit Steffen Bauer auf die Saison 2018/19.

Freie Presse: Herr Schramm, sind Sie wirklich gespannt auf die neue Saison?

Andreas Schramm: Ich freue mich auf jede Saison und bin gespannt. Denn jedes Spieljahr bringt wieder etwas Neues und hält Interessantes bereit. Die Uhren werden auf Null gestellt, alles geht von vorn los.

Die Spannung in der Mittelsachsenliga, der höchsten Klasse des Kreisverbandes, hielt sich zuletzt in Grenzen. Keiner wollte aufsteigen, und einen Abstiegskampf gab es im Prinzip auch nicht. Wohin rollt also der Ball in Mittelsachsen?

Die Frage, warum keine Vereine als Meister oder eventuell auch als Zweiter oder Dritter aufsteigen wollen, muss sich in erster Linie der Sächsische Fußballverband stellen. Die Mittelsachsenliga ist offensichtlich attraktiver als die Landesklasse Mitte. Wir haben viele Derbys, die Zuschauerzahlen stimmen zumeist, und natürlich spielen auch die kürzeren Fahrtstrecken eine Rolle.

Vermissen Sie nicht dennoch den sportlichen Ehrgeiz, eine neue Herausforderung zu wagen?

Viele unserer Vereine fragen sich ganz offensichtlich, was sollen wir in der Landesklasse? Und der SFV muss sich fragen, wie man den Spielbetrieb auf dieser Ebene wieder attraktiver gestalten kann.

Da Sie als KVF-Präsident mit im Vorstand des SFV sitzen, geht die Frage damit auch an Sie.

Wir diskutieren im sächsischen Verband gerade eine Spielklassenreform - unter sportlichen und finanziellen Gesichtspunkten. Diese würde es aber frühestens 2019/20 geben - und sie darf nicht zu Lasten der Kreisverbände gehen. Aber auch im Nordostdeutschen Fußballverband wird geredet - denn die beiden Oberliga-Staffeln müssen dringend überdacht werden. Wir haben also jede Menge Diskussionsbedarf.

Ist die Entwicklung in Mittelsachsen nicht auch bedenklich? Die Zahl der Mannschaften ist im dritten Jahr in Folge rückläufig, es sind - wie Naundorf und Milkau - erneut traditionelle Standorte im Männerbereich verschwunden. Und nimmt man die Beispiele Erdmannsdorf/Augustusburg sowie TSV Falkenau scheint auch die Mittelsachsenliga gar nicht so attraktiv.

Der Rückzug dieser beiden Traditionsvereine ist bedauerlich. Dass die Zahl der Teams im Herrenspielbetrieb weiterhin zurückgeht, ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass es in der Mittelsachsenliga und -klasse keine Spielgemeinschaften gibt. Aus der Naundorfer und Dittmannsdorfer Spielgemeinschaft ist die SG Dittmannsdorf II hervorgegangen. Doch es gibt auch positive Beispiele, wie die dritte Mannschaft des BSC Freiberg. Ein Team aus Flüchtlingen für den Spielbetrieb zu melden ist eine mutige Entscheidung und eine Leistung des Vereins. Diese Truppe ist ein echter Farbtupfer. So sieht gelebte Toleranz, wie sie vom DFB gefordert wird, aus und ich hoffe, dass das von den anderen Vereinen akzeptiert wird.

Im Nachwuchsbereich stehen in diesem Jahr auch fast 20 Teams weniger im Spielbetrieb.

Das betrifft in erster Linie den F-Junioren-Bereich und ist vor allem den geburtenschwachen Jahrgängen geschuldet. Trotzdem ist unser Unterbau absolut stabil. Die Zahlen in der A-, B- und C-Jugend sind konstant, und viele Vereine können sogar wieder eigene Teams stellen anstatt Spielgemeinschaften zu bilden.

Müssen Sie sich nicht auch Gedanken machen, wie der Kreisverband überregional dasteht? Mit Germania Mittweida und dem BSC Freiberg spielt 2018/19 nur noch ein Duo höherklassig, nachdem jetzt auch der SV Barkas Frankenberg wieder aufgegeben hat.

Erst einmal ist es erfreulich, dass Mittweida den Sprung in die Sachsenliga geschafft hat. Das ist Lohn für eine wirklich kontinuierliche Arbeit. Der BSC als einziges Team in der Landesklasse ist natürlich mager, und als Frankenberger bin ich enttäuscht über den Rückzug von Barkas. Sie hätten es durchaus nochmals versuchen können - zumal der SV Barkas mit mehr als 300 Mitgliedern der größte Fußballverein in Mittelsachsen ist. Aber offenbar gibt es dort strukturelle Probleme. Insgesamt können wir uns jedoch mit unseren 8000 Mitgliedern nicht mit Verbänden wie Dresden messen, die 33.000 Mitglieder haben.

Der Kreisverband Erzgebirge ist auch mit einem Quintett in der Landesklasse vertreten.

Da gibt es aber den Leuchtturm FC Erzgebirge Aue. Davon profitieren immer auch die Vereine im Umfeld.

Wer ist Ihr Favorit in der neuen Mittelsachsenliga-Saison?

Da möchte ich mich nicht festlegen. Ich erwarte eine sehr ausgeglichene Saison, in der die Spitzenteams des Vorjahres wie Flöha, Lichtenberg, Großwaltersdorf oder Langenau sicher wieder gute Karten haben.

Mangels Interesse in der Mittelsachsenliga eröffnen mit Bräunsdorf und Oberschöna erstmals zwei Teams aus dem "Unterhaus" die neue Saison. Ist das nicht auch ein Rückschlag?

Auf keinen Fall. Die Mittelsachsenklasse ist sportlich sehr interessant, und ein Duell zweier Ortsrivalen zieht sicher viele Fans an. In der Mittelsachsenliga hat sich trotz vieler Nachfragen niemand gefunden, der die Partie am Freitagabend ausrichten wollte - obwohl das Eröffnungsspiel immer eine runde Sache war.

Mit dem Verbandstag am 10. November gibt es in Kürze auch einen nicht-sportlichen Höhepunkt beim KVF. Werden Sie wieder als Präsident kandidieren?

Ich stelle mich nochmals der Verantwortung. Zwei, drei Positionen im Vorstand sind aber vakant. Wer Interesse hat, im Ehrenamt und für den Fußball in Mittelsachsen mitzuarbeiten, ist herzlich willkommen.

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1Kommentare
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    bemi1303
    01.08.2018

    Herr Schramm nimmt sich als Vors. d. KVF ,was zur Neutralität gegenüber den Vereinen verpflichtet, das Recht heraus, über Barkas "von offenbar strukturellen Problemen" zu sprechen. Abgesehen davon, dass er nahezu keine Einblicke in die Vereinsarbeit als Nichtmitglied hat,spielt Barkas mit 3 von 4 Nachwuchsteams in der Landesklasse und hatte 8(!) Abgänge, darunter Leistungsträger, in der 1. Männer zu verzeichnen. In den letzten Jahren ward Herr Schramm dazu fast nie im Hammertal zugegen, um derart über den Verein urteilen zu können.



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