Junge Erzgebirgerin rollt zu Gold

Merle Richter vom SSV Sayda hat beim Rollski-Weltcup in Estland zwei von drei Rennen gewonnen und den Gesamtsieg im Visier. Aber die junge Skilangläuferin nimmt sich noch mehr vor.

Sayda.

Bei Merle Richter rollt es wieder. Die junge Skilangläuferin aus Sayda war am Wochenende zum Auftakt des Rollski-Weltcups 2020 nach Estland gereist und startete dabei gleich durch: Zweimal Gold und einmal Bronze standen für die Erzgebirgerin zu Buche, dazu gab es das Trikot für die Weltcup-Führende bei den Juniorinnen (U 20).

Sie freue sich natürlich über rote Leibchen, sagt die Sportlerin des SSV Sayda, die ihre vierte Saison im Rollski-Weltcup bestreitet. Das sei ein schönes nachträgliches Geschenk zu ihrem 19. Geburtstag. Trotzdem müsse man die Ergebnisse richtig einordnen: "Coronabedingt waren die Starterfelder in Estland stark reduziert", so Merle Richter. "Vor allem die starken Läuferinnen aus Norwegen, Schweden und Russland haben komplett gefehlt. Aber es ist natürlich eine sehr gute Motivation für das harte Herbst-Training."

Die Rennen in Otepää, der "Winterhauptstadt" Estlands, und Tartu waren dabei die ersten Wettkämpfe nach einem halben Jahr Zwangspause für die Erzgebirgerin. Ende Februar war Richter zuletzt bei den nationalen Skilanglauf-Meisterschaften in Oberstdorf am Start und hatte zusammen mit Trainingskollegin Linda Schumacher Gold im Teamsprint der Juniorinnen gewonnen. Anschließend machte die Corona-Pandemie auch bei den Wintersportlern einen dicken Strich durch alle Pläne. Nach den Ergebnissen in Estland blickt die 19-Jährige nun aber zuversichtlich nach vorn - zumal sie im Sommer ihr Trainingsprogramm stark reduziert hatte. "Die Prüfungen und das Abi hatten absolute Priorität", so Merle Richter, die Ende Juli die Fachoberschule in Sonthofen erfolgreich abschloss.

In Otepää lief sie nun zum Auftakt im Klassik-Sprint über 1,2 Kilometer auf Platz 3, nachdem sie den Prolog als Zweite beendet hatte. Das Finale sei von den beiden Lokalmatadorinnen aus Estland taktisch sehr gut gestaltet worden, erzählt die Saydaerin. Sie habe sich den Weg aufs Podest regelrecht "freikämpfen" müssen. Zumindest eine Lettin konnte sie aber im Endspurt noch hinter sich lassen.

In den beiden anderen Wettbewerben durfte die Erzgebirgerin jeweils aufs oberste Treppchen klettern. Im Massenstartrennen über 27Kilometer Freistil wurde auf der Autobahn rund um Tartu gelaufen, berichtet Merle Richter, die trotz eines Sturzes nach etwa der Hälfte der Strecke Gold für Deutschland holte. "Ich wurde von einer hinter mir laufenden Sportlerin aus der Kurve geschoben und musste viel Kraft investieren, um wieder an die Spitzengruppe heranzulaufen." Am Ende konnte sie aber die anderen Juniorinnen im Feld klar distanzieren und lief mit fast drei Minuten Vorsprung auf Platz 1 der AK U 20. Am dritten Wettkampftag standen 10 Kilometer klassisch auf dem Programm. Als Weltcupführende ging die Saydaerin zuletzt auf den Kurs in Otepää und hatte nach 5Kilometern bereits 13 Sekunden herausgelaufen. Am Ende gab es erneut Gold, 51 Sekunden vor der Zweitplatzierten.

Inzwischen ist Merle Richter ins lettische Madonna gereist. Dort sollte kommendes Wochenende die Junioren-WM im Rollski ausgetragen werden. Doch aufgrund der geringen Starterzahlen wurde der Wettkampf zum normalen Weltcup herabgestuft, so Richter, die nun zumindest das rote Trikot der Führenden mit nach Hause nehmen will. Nach der Rückkehr aus Lettland wartet bald eine noch größere Reise auf die 19-Jährige: Merle Richter hat ein Stipendium der Northern Michigan University erhalten und will ab dem Wintersemester in den USA trainieren und studieren. Damit tritt sie in die Fußstapfen ihrer Schwester Julia: Die 22-Jährige studiert seit zwei Jahren in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah, zudem ging Anna-Maria Dietze (20) von Pulsschlag Neuhausen voriges Jahr an die University of Colorado Boulder. Die beiden früheren Loipenjägerinnen der Oberwiesenthaler Sportschule gehören in den USA bereits fest zu starken Skiteams mit Läuferinnen aus Norwegen, Schweden und Kanada.

Aber auch in der Region holen die Wintersportler langsam wieder Schwung. Vom 4. bis 6. September finden in Altenberg die Deutschen Meisterschaft im Biathlon statt. Luc Richter aus Holzhau, Sportgymna-siast in Altenberg, startet dort erstmals in Jugend (AK 16). Als Vorbereitung für die jungen Sportler aus Mittelsachsen ist der 47. Herbstcross-Biathlon des SSV Sayda am 6.September gedacht, zudem sind die Saydaer am 13. September Mitausrichter der Rollski-Sachsenmeisterschaft in Oederan - vielleicht mit der frischgebackenen Weltcupsiegerin Merle Richter. (mit tori)

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