Junger Linkshänder auf Höhenflug

Alister Seltmann zählt zu den größten Tischtennis-Talenten Sachsens. Der 16-Jährige aus Falkenau geht nun in der Oberliga an die Platte.

Falkenau.

Nichts geht mehr an den Platten der Region. Das Coronavirus hat auch die Tischtennisspieler fest im Griff, die Saison ist ausgesetzt, ob es weitergeht, weiß kein Mensch. "Ich habe die Spielzeit eigentlich abgehakt", sagt Alister Seltmann. Der 16-Jährige, der schon in der Oberliga für den TSV Elektronik Gornsdorf an den Start geht, trainiert trotzdem - allein beim Laufen und im Keller bei seiner Oma in Euba. "Dort steht eine Platte, an der ich mich mit meinem Vater duellieren kann. Das ist besser als nichts." Frank Seltmann ist beim TSV 1888 Falkenau in der Kreisliga aktiv.

Dort hat auch Alister, bei dessen in Deutschland doch recht ungewöhnlichem Vornamen der schottische Rallyefahrer Alister McRae Pate stand, seine sportlichen Wurzeln. An der dortigen Grundschule, beim Freizeitspiel, fiel sein Talent früh auf - ein Freund nahm ihn mit zum Verein, für den er auch heute noch bei Einzelmeisterschaften antritt. Bereits bei seinem ersten Turnier, in der U 11, stieg er von der Kreis- über die Bezirks- bis zur Landesebene auf. Mit gerade zwölf Jahren ging Seltmann in seine erste Kreisliga-Saison bei den Herren, die er mit 25 Siegen und nur einer Niederlage abschloss. Die 2. und 1. Bezirksliga folgten auf dem Fuß, bevor er zum TTV Schwarzenberg in die Sachsenliga ging.

Der Kontakt nach Gornsdorf kam zufällig zustande. Alister Seltmann besuchte ein Spiel der Damen von Rapid Chemnitz in der 3. Bundesliga. Dort spielt Franziska Lasch, die Frau von TSV-Kapitän Chris Lasch, mit dem er ins Gespräch kam. Dass sich der Falkenauer entschied, zu den Elektronikern zu wechseln, freut Lasch ungemein. "Er hatte mehrere Optionen, hätte auch nach Hohenstein-Ernstthal oder Burgstädt gehen können", sagt er.

Doch der Gymnasiast, der im kommenden Jahr in Flöha sein Abitur bauen will, entschied sich für Gornsdorf. "Ausschlaggebend war für mich die Atmosphäre. Die Stimmung bei Heimspielen im Volkshaus ist fantastisch. Man merkt, dass der Verein eine große Tradition hat", so der Teenager, der im Oberliga-Team regelmäßig zum Zug kommt und fest an Position 6 steht. An das Niveau hat er sich mittlerweile gewöhnt. "Das Spiel ist schneller, trotzdem sind die Ballwechsel deutlich länger als in den tieferen Klassen", sagt er. Als Linkshänder habe er einen gewissen Bonus. "Außerdem helfen mir meine Aufschläge viel."

In Sachen Schnelligkeit gebe es dagegen Reserven. "Aber jedes Training bringt mich weiter", so Seltmann, der als seine Lieblingsspieler die Japaner Jun Mizotani und Koki Niwa nennt, ebenfalls Linkshänder.

Mit seinen 16 Jahren wirkt er bemerkenswert reflektiert, auch was seine Zukunft betrifft. "Vom Tischtennis kann man in Deutschland nicht leben - außer man heißt Timo Boll", sagt er. Deshalb habe er nach reiflichem Überlegen auch abgelehnt, das Sportgymnasium zu besuchen. Trotzdem will das Talent, das auch viel schwimmen geht oder auf der Skipiste zu finden ist, an der Platte weiter für Furore sorgen. Auch wenn er, wie alle anderen Sportler, derzeit ausgebremst wird. "Anfang April hätte der Deutschlandpokal in Hamm stattgefunden, für den ich mich qualifiziert habe. Extrem schade, dass er ausfällt."


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