Junges Team kämpft sich durch

Vier Enduro-Talente aus der Region sind dieser Saison weit nach vorn gefahren. Mitverantwortlich dafür ist Rekordmeister Marcus Kehr aus Flöha.

Flöha.

Mit den am Montag beginnenden Six Days in Chile wird die Saison der Geländefahrer beendet. Der Flöhaer Marcus Kehr, der national mehr als 20 Titel holte, stand selbst mehrfach im Team Deutschland. Aber auch er musste feststellen, dass die Deutschen aus verschiedenen Gründen international nur Mittelmaß darstellen, denn erfolgversprechender Nachwuchs ist nicht so reichlich gesät. Um das zu ändern, gibt der 35-Jährige seit drei Jahren seinen Erfahrungsschatz mit der in Flöha ansässigen Sherco Academy an Talente weiter.

"Es ist ein Prozess über viele Jahre. Spitzenfahrer kommen nicht von heute auf morgen. Da muss auch im Umfeld alles passen", sagt Kehr. Einige seiner Jungs seien zuvor auf dem Moped vielleicht mal über Feldwege gefahren, mehr aber auch nicht. Zum richtigen Endurosport habe es kaum Bezugspunkte gegeben.

Dass die kontinuierliche Arbeit bereits Früchte trägt, zeigte sich in dieser Serie. Damit meint der Routinier vor allem auch seinen Schützling Louis Richter, der den Gesamtsieg im Deutschen Enduro- Jugend-Cup davontrug. "Louis ist in unserem Team für mich die größte positive Überraschung, denn er hat gerade seine erste komplette Saison überhaupt bestritten", sagt der Teamchef. Besonders hoch schätzt er dabei das Engagement der ganzen Familie des Youngsters, die voll und ganz hinter dem aufwendigen Sport steht. Aber der Flöhaer weiß auch, dass es noch sehr viel intensiven Trainings bedarf, bis der Pockauer ganz oben ankommt. "Er ist sehr fleißig, weiß, was er will", so Kehr. Arbeiten müssen wir noch an der Geschwindigkeit in den Sonderprüfungen." Louis habe aber auch noch die Zeit, sich weiter zu entwickeln.

Im Team von Kehr steht mit Luca Fischeder ein weiteres großes Talent. Ihn habe er erst gar nicht auf dem Zettel gehabt, bis der junge Geringswalder zwei Wochen vor der Saison plötzlich bei Kehr auftauchte. Es sei eine ganz knappe Aktion gewesen, noch ein Motorrad zu besorgen. Leider habe Fischeder zum Auftakt in Tucheim krankheitsbedingt nicht starten können und damit natürlich auch keine Meisterschaftspunkte geholt. Da die Saison durch die vielen witterungsbedingten Absagen mit nur vier Wettkämpfen kurz war, sei dies auch nicht mehr zu kompensieren gewesen. Indes ist sich Kehr sicher: "Die Titelvergabe ist auch in Zukunft nur über ihn möglich. Talent ist sicher nicht alles, für Erfolge muss man hart arbeiten. Das macht er."

Mit Bastian Streit, der ebenfalls seine erste komplette Geländesportserie in lizenzierten Serien bestritt, geht ein weiterer talentierte Fahrer für die Sherco Academy an den Start. Der Erdmannsdorfer belegte in der Gesamtwertung der Klasse E2B den 2. Rang. "Das ist ein riesiger Erfolg. Auch hier sieht man, was möglich ist, wenn alle dahinter stehen. Die Familie gibt quasi das letzte Hemd, damit er erfolgreich Motorsport betreiben kann", würdigt Kehr.

Etwas quer im Magen liegt dem ehemals erfolgreichsten deutschen Geländefahrer der 4. Rang von Jan Schäfer in der Klasse E3, also in der größten der ersten deutschen Liga. "Er ist in Woltersdorf um seinen Vizemeistertitel gebracht worden", sagt der Teamchef. Schäfer habe dort nach einer kleinen Kollision mit einem Pkw während des Wettkampfs ordnungsgemäß zur Unfallaufnahme seine Personalien angegeben, sei eine halbe Stunde später aber wegen einer angeblichen Fahrerflucht von der Fahrtleitung aus dem Rennen genommen worden. "Wenn es angeblich eine Fahrerflucht gewesen ist, woher sind dann seine Daten bekannt", fragt sich nicht nur Kehr. Er ist sich sicher: "Man hätte anders reagieren und den Vorfall auch nach dem Lauf klären können. Das ist unserem Sport nicht dienlich."

Im Gegensatz dazu schätzt der Flöhaer das Engagement der Sponsoren und Gönner. "Unser Sport ist sehr finanzintensiv. Da zählt jede Unterstützung."

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