Kicker schwitzen in Laufschuhen

Der Fußball-Kreisverband hat die Spiele bis zum Ende der Osterferien ausgesetzt. Die Spieler halten sich allein fit und rätseln, ob bis zum Sommer überhaupt noch etwas geht.

Freiberg/Mittweida.

Auf den Fußballplätzen Mittelsachsens herrscht weiterhin Ruhe. Kein Trainingsbetrieb, keine Spiele an den Wochenenden - so ist die Situation bis mindestens Ende April. Für die Spieler bleibt nur individuelles Training. Bei manchen Mittelsachsenligisten geschieht das nach Vorgabe, andere Trainer setzen auf Eigeninitiative.

Ganz besonders hat sich Christian Schulze, der Trainer von Barkas Frankenberg (6./23 Punkte), Gedanken gemacht. "Ich habe für jeden Spieler einen individuellen Trainingsplan erstellt. Einige Jungs müssen in bestimmten Bereichen etwas aufholen." Angelegt hat er die Pläne für zwei bis drei Wochen, doch Schulze wird sich über die Zeit darüber hinaus Gedanken machen müssen. "Ich glaube nicht, dass wir die Saison zu Ende spielen."

Auch der Trainer des BSC Motor Rochlitz (14./7), Dirk Richter, hat seinen Jungs einige Anreize gegeben. "Wir haben unseren Vorbereitungsplan noch einmal aufgewärmt", sagt der Physiotherapeut. "Viele ergänzen ihre Übungen mit Schnellkrafttraining oder Yoga." Für den Rochlitzer Trainer ist noch kein Ende der spielfreien Zeit in Sicht. "Auch nach dem 20. April wird es dauern, bis es wieder losgeht. Die Bundesliga fängt auch noch nicht an." Dabei war seine Mannschaft heiß auf die Frühjahrsrunde: "Wir hätten gern unter Beweis gestellt, dass wir uns weiterentwickelt haben", so der Coach des Schlusslichts.

Im ersten Heimspiel wäre es zum Derby gegen den SV Geringswalde/ Schweikershain (11./16) gekommen. Auch das Team von Dirk Vogel hat seine Aktivitäten zurückgefahren. "Am Anfang haben wir noch etwas gemacht, aber inzwischen jeder nur leicht für sich", sagt der Trainer. Immerhin verteilen sich die Spieler untereinander in der Whatsapp-Gruppe kleine Spitzen. "Das lockert die Situation etwas auf."

Nils Hähner macht auch kein Geheimnis daraus, dass sich die gegenwärtige Situation auf die Stimmung niederschlägt. "Das Miteinander auf dem Platz sowie das gesellige Mannschaftsleben nach den Punktspielen und den Trainingseinheiten vermissen wir schon", sagt der Übungsleiter des Oederaner SC (5./25). "Wir würden gern wieder auf den Rasen, wissen aber, dass das im Moment nicht geht." Seine Kicker halten sich allein fit. Dazu habe er den Spielern einen Plan mitgegeben, sagt Hähner. "Die Einhaltung kann ich natürlich nicht überprüfen. Kontakt halten wir über eine Whatsapp-Gruppe."

Auch im Lager des TSV Großwaltersdorf/Eppendorf (4./27) ist man nicht sicher, ob die Saison zu Ende gespielt werden kann. "Realistisch gesehen, wird der Fußball in Mittelsachsen so schnell nicht wieder rollen. Und dann wäre die Frage, wann die Spiele alle nachgeholt werden sollen", wirft Trainer Robert Hohlfeld in die Runde. Seine Männer habe er seit längerer Zeit nicht mehr gesehen. "Wir setzen das vorgegebene Kontaktverbot um." Natürlich trainieren die Spieler zum Teil individuell, "konkrete Vorgaben für die Inhalte dafür gibt es aber nicht".

Auch beim TSV Flöha (3./28) ist die Enttäuschung über die derzeitige Situation groß. "Wir hatten eine gute Vorbereitung und waren heiß auf die nächsten Punktspiele", sagt Flöhas Coach Mirko Schwoy. Er hat seinen Schützlingen ein paar Vorgaben gemacht, wie sie sich bewegen sollen. "Ob das tatsächlich umgesetzt wird, weiß ich natürlich nicht. Aber die Truppe ist aus meiner Sicht gefestigt genug, es nicht schleifen zu lassen", schätzt Schwoy ein. Ab und zu bekomme er Bilder als Leistungsnachweis zugeschickt, die Spieler beim Laufen oder Radfahren zeigen.

Wie überall ist auch die Sportstätte des SV Fortuna Langenau geschlossen, ein Gruppentraining findet nicht statt. "Es ist schlimm, dass man sich in der Gruppe nicht mehr sieht. Dazu kommt die Ungewissheit über das, was noch folgt", sagt Trainer Matthias Zänker. "Joggen oder Radfahren - mehr geht aktuell nicht." Immerhin setzte der aktuelle Spitzenreiter der Mittelsachsenliga (30 Punkte) vorige Woche Akzente, indem er bei der Blutspendeaktion des Vereins im Sportlerheim präsent war. Trainer und einige Spieler ließen sich für eine lebenswichtige Sache anzapfen. Die einzige gemeinsame Aktivität des BSC Freiberg II beschränkt sich auf die Verständigung im Gruppen-Chat. "Einige Spieler gehen joggen, manche nutzen ihre Fitnessgeräte in der eigenen Wohnung. Mehr passiert nicht", sagt Fußball-Chef Maik Uhlig.

In Hainichen und Mittweida sind die Fußballer des HFV (9./19) und des SV Germania II (8./21) ebenfalls auf individuelles Training angewiesen. Die Sportstätten waren im Zuge der Corona-Krise mit die ersten, die geschlossen wurden. "Am Anfang konnten die Jungs bei uns noch in die Halle, aber das hatte sich auch schnell erledigt", sagt HFV-Trainer Mirko Zaeske. Er glaubt nicht daran, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. "In diesem Fall bin ich gespannt, wie sie gewertet wird."


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