Kopf an Kopf in die Rückrunde

In der Fußball-Mittelsachsenliga rollt ab Sonntag wieder der Ball. Dabei geht es sowohl ganz oben als auch ganz unten im Moment äußerst eng zu.

Freiberg.

Die Fußballfreunde im Kreis können aufatmen: Nach genau 103 Tagen Zwangspause startet die Fußball-Mittelsachsenliga als letzte der sächsischen Kreisoberligen in die Frühjahrsrunde. Spannung ist garantiert, denn sowohl das Rennen um den Titel als auch der Abstiegskampf bieten Potenzial für Dramatik. Der SV Lichtenberg und der TSV Großwaltersdorf/Eppendorf liegen mit je 38 Zählern punktgleich an der Spitze, und mit Motor Brand-Erbisdorf sowie dem Siebenlehner SV (je 12) sind auch die beiden Teams am Tabellenende derzeit nur durch das Torverhältnis getrennt.

Spitzenreiter Lichtenberg geht die restlichen elf Spiele der Saison aber mit gemischten Gefühlen an - obwohl sich der SVL in der Vorwoche warm geschossen und mit dem 3:1 im Nachholspiel beim TSV Langhennersdorf die Tabellenführung zurückerobert hat. Aber das Team von Manuel Kluge hat den Sieg teuer bezahlt: Maximilian Molnar (bislang 12 Tore) fällt mit einem Kreuzbandriss bis Jahresende aus. "Das ist extrem bitter", sagt der SVL-Trainer. Da Sebastian Zahn (4) im Herbst das gleiche Schicksal ereilt hatte, fallen "beide Offensivgranaten", so Kluge, aus. Deshalb denke auch niemand an Aufstieg. "Wir wollen jede Woche unsere beste Leistung bringen und dann schauen, was herauskommt." Zum Auftakt fehle ihm aber gleich eine komplette Mannschaft, schüttelt der SVL-Coach den Kopf.

Naturgemäß gedrückt ist die Stimmung im Tabellenkeller. "Für uns ist jetzt jedes Spiel ein Endspiel", sagt Steffen Teichert, der Trainer des Tabellenvorletzten Motor Brand-Erbisdorf. Das Ziel könne klipp und klar nur noch Nichtabstieg heißen, nachdem die Saison mit lediglich 12Punkten bislang absolut unbefriedigend sei. Zum Auftakt wartet jedoch mit Großwaltersdorf gleich eine der höchsten Hürden auf Motor, zudem muss Teichert mehrere Stammspieler ersetzen.

Andreas Schnobl, dem Trainer von Schlusslicht Siebenlehn, geht es vor dem Gastspiel in Lichtenberg nicht viel anders. Die Personaldecke sei nach wie vor sehr dünn, und am Sonntag fehle ihm ein halbes Dutzend Spieler. Deshalb herrscht trotz des 4:2-Sieges im Nachholspiel gegen Mulda keinesfalls purer Optimismus. "Aber wir werden alle Kräfte bündeln, um am Ende die Klasse zu halten", gibt sich der 55-jährige Nossener kämpferisch.

Das Thema Klassenerhalt steht auch beim SV Mulda (11./15) ganz oben auf der Agenda - spätestens nach der Pleite in Siebenlehn. Zudem sind Trainer David Kirsch und Co-Trainer Olaf Baumgart diese Woche zurückgetreten. Grund sei jedoch nicht die Niederlage beim Letzten, betont Kirsch - "aber die dauerhaft mangelnde Einstellung eines Teils der Mannschaft". Eigentlich wollte der 31-Jährige mit dem Überraschungsteam des Vorjahres (Mulda sammelte als Aufsteiger 32 Punkte) viel weiter nach oben blicken. Einen Nachfolger gebe es noch nicht, die Mannschaft gehe die Spiele vorerst in eigener Regie an, so Kirsch.

Entspannt startet dagegen der TSV Langhennersdorf (6./20 Punkte) ins Frühjahr. Ziel sei, Platz 6 zu verteidigen, vor allem aber "weiterhin nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben", sagt Trainer Sven Butze. Trotz der 1:3-Niederlage gegen Lichtenberg habe die Leistung gestimmt, lobt der 42-Jährige, der den TSV seit acht Jahren trainiert. "Wir haben sehr viel richtig gemacht."

Haiko Stäbler, der Staffelleiter der Mittelsachsenliga, freut sich auf den Start ins Frühjahr. Auch wenn die Tabelle etwas anderes sage, punkte die Liga vor allem durch ihre Ausgeglichenheit, erklärt der Rochlitzer. "Jeder kann gegen jeden bestehen." Vorn werde es wohl beim Zweikampf Lichtenberg/Großwaltersdorf bleiben, aber ab Platz 5 gehe es ganz eng zu. Der Abstand zwischen Mittweida II (20) und Schlusslicht Siebenlehn beträgt nur acht Punkte - wobei sich mit Frankenberg und dem BSC II auch zwei deutlich stärker eingeschätzte Teams im Keller befinden. (mit frgu)


Statistiken Mittelsachsenliga

Tore wie am Fließband fielen bislang in der höchsten Liga des Kreisverbandes. 4,1 Treffer bejubelten die Fans im Durchschnitt pro Partie, das ist der drittbeste Schnitt aller Kreisoberligen. Besonders treffsicher: Spitzenreiter Lichtenberg mit 46 Toren.

Den höchsten Sieg feierte bislang der TSV Flöha - und das sogar bei zwei Heimspielen in Folge. Kam Barkas Frankenberg am 3. Spieltag im Auenstadion mit 0:9 unter die Räder, konnte der TSV diesen Kantersieg nur zwei Wochen später gegen den SV Mulda wiederholen.

Torjäger-Qualitäten bewies Thommy Uhlig von Motor Rochlitz. Er traf 16-mal, wird seinen Spitzenplatz aber nicht halten können. Denn Uhlig spielt mittlerweile für Germania Mittweida in der Landesliga.

Zuschauermagnet der Hinrunde war die Partie Großwaltersdorf/Eppendorf - Langenau. 201 Fans wollten das Derby sehen. Lediglich 10 Zuschauer konnte der BSC Freiberg II gegen Hartmannsdorf begrüßen.

Gern gesehene Gäste sind die Mannschaften aus Langhennersdorf, Mulda und Hartmannsdorf. Alle drei sind noch ohne Auswärtssieg, der HSV sogar noch ohne jeden Punkt auf fremdem Rasen. Auswärts ungeschlagen ist dagegen der SV Lichtenberg. (frgu)

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