Kreisverband: Englische Wochen wird es nicht geben

Fußball: Verbände beraten Modelle zur Saisonfortsetzung - Gleiche Verfahrensweise für Amateurvereine geplant

Freiberg/Mittweida.

Mittelsachsens Fußballer wollten Mitte März in die Frühjahrsrunde der Saison 2019/20 starten. Das hat das Corona-Virus kurz vor Anpfiff verhindert. Robin Seidler sprach mit dem Vorsitzenden des Spielausschusses beim Kreisverband Mittelsachsen, Haiko Stäbler (51), über mögliche Szenarien in den kommenden Wochen.

Freie Presse: Herr Stäbler, die Generalabsage für Mittelsachsens Fußballer kam an einem Freitag, den Dreizehnten. Ein schlechtes Omen?

Haiko Stäbler: Das könnte man meinen, aber diesbezüglich bin ich nicht abergläubisch.

Welche Aufgaben kamen danach auf Sie zu?

In erster Linie mehr als eine Stunde Arbeit, um allein alle Spiele abzusetzen. Es gibt in unserem elektronischen System keinen Haken für alle Spiele. Somit musste ich jedes Spiel im Erwachsenenbereich einzeln anklicken. Gleiches hat der Vorsitzende des Jugendausschusses für die Nachwuchspartien gemacht.

Ihr Mail-Postfach muss zudem überquellen ...

Richtig. Da man dann von allen Seiten automatische Rückmeldungen bekommt, waren plötzlich über 400 Mails auf einmal da.

Inzwischen sind einige Wochen vergangen, doch die Ausgangslage für die Gesellschaft bleibt die gleiche. Es ist absehbar, dass die Saison bis zum 30. Juni nicht beendet werden kann.

Das stimmt. Wenn wir wie am Anfang vom 20. April ausgehen würden, hätten wir noch zehn Wochen Zeit für zwölf Ligaspieltage und drei Pokalrunden. Die Saison da durchzudrücken, ist aus Sicht des Kreisverbandes nicht realistisch, zumal dann noch kein Trainingsbetrieb stattgefunden hat. Zudem hat der Sächsische Verband die Generalabsage ohnehin verlängert.

Eine Möglichkeit wäre die Einführung der sogenannten "Englischen Wochen" ...

Englische Wochen wird es nicht geben. Das geht im Amateurfußball, wo viele Aktive studieren oder in Schichten arbeiten, einfach nicht. Wir hätten zudem mit den Schiedsrichteransetzungen Probleme.

Ist ein Abbruch der Saison eine Option?

Das ist eine der Möglichkeiten, die wir unseren Vereinen vorgeschlagen haben. Um das Aufstiegsrecht zu gewährleisten, würden die Tabellenstände vom 31. Dezember herangezogen. Dafür sollten die Vereine uns bis zum 30. April ihren eventuellen Aufstiegsverzicht beziehungsweise die Aufstiegsmeldung mitteilen. Inwieweit Mannschaften in den Spielbetrieb des Sächsischen Fußballverbandes aufsteigen können, ist noch nicht absehbar.

Gibt es dann auch Absteiger?

Innerhalb des Kreisverbandes nicht.

Die Sommerferien beginnen in diesem Jahr erst Mitte Juli - also drei Wochen nach dem regulären Saisonende. Ist eine Verlängerung der Spielzeit denkbar?

Nicht direkt bis zum Beginn der Sommerferien. Stattdessen ist die dritte Option, dass die Saison um ein halbes Jahr verlängert wird. Diesbezüglich warten wir aber auf Ratschläge von DFB und SFV.

Wäre in diesem Fall auch die Reform der Mittelsachsenklasse davon betroffen?

Das ist ein zusätzlicher Punkt, der uns beschäftigt. Geplant ist, dass wir die Spielklassenstruktur in diesem Sommer umsetzen.

Im Kreispokal wäre Ende März das Viertelfinale an der Reihe gewesen. Finden die restlichen drei Runden bei den Männern statt?

Die Fortsetzung des Pokal-Wettbewerbes ist zumindest am wahrscheinlichsten. Da könnte man notfalls auch im Juni an drei Wochenenden spielen.

Sie halten damit weiter am ursprünglichen Finaltermin fest?

Unser Ziel ist es, am 27./28. Juni die Endspiele im Pokal auszutragen. In der Hoffnung, dass sich die allgemeine Lage bis dahin entspannt.

Allerdings hat der Sächsische Fußballverband jetzt bekanntgegeben, dass die Spiele über den 20. April hinaus abgesagt werden. Das klingt nach einer noch längeren Spielpause.

Ich denke auch. Das heißt für mich, dass vor Mitte Mai sicher keine Punktspiele ausgetragen werden.

Mittelsachsens Fußballvereine haben gerade Post erhalten. Der Verband hat seinen Vereinen die drei Möglichkeiten zum weiteren Saisonverlauf vorgestellt. Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Uns war es wichtig, dass die Vereine erst einmal informiert sind. Sie sollen es zunächst einmal zur Kenntnis nehmen. Für Anregungen sind wir offen. Die Situation ändert sich momentan aber fast täglich. Wir schauen vor allem darauf, wie DFB und der SFV reagieren. Für den Amateurfußball in Deutschland ist inzwischen eine einheitliche Verfahrensweise vorgesehen.


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