Laufrunden und kicken im Netz

Bei den Fußballern in Mittweida, Freiberg und Lichtenberg trainiert derzeit fast jeder für sich allein. Der Spaß kommt trotzdem nicht zu kurz.

Mittweida/Freiberg.

Silvio Grötzsch lässt sich von der Corona-Krise nicht unterkriegen. Der Fußballer von Germania Mittweida, der in der Rückrunde noch einmal in der Sachsenliga-Mannschaft aushelfen wollte, hält sich trotz der unfreiwilligen Spielpause fit. "Ich laufe fast täglich eine große Runde über die Dörfer. Meist durch Kockisch und Ringethal und an der Zschopau entlang", erklärt der 36-Jährige.

Aufgrund der aktuellen Bestimmungen ist Grötzsch entweder allein oder mit dem Ex-Keeper Michael Schmidt unterwegs. Der 39-Jährige hatte in der vergangenen Saison zum Teil noch in der Landesliga zwischen den Pfosten gestanden. Knapp 10 Kilometer ist die Runde lang. Das schaffen die beiden Germania-Urgesteine locker unter einer Stunde. "Das ist allerdings nicht die Strecke, die wir in der Saisonvorbereitung immer laufen. Da geht es etwas mehr rauf und runter", erzählt Grötzsch schmunzelnd.

Eine Vorgabe des Trainers, welches Programm abzuspulen ist, gibt es nicht. "Ich weiß, dass die Jungs auch in diesen schwierigen Zeiten laufen gehen und diverse Übungen machen", sagt Germania-Trainer Uwe Schneider. Am Anfang habe er sie noch dazu angehalten, fit zu bleiben. Zudem wurde in Mittweida in kleinen Gruppen gebolzt. "Nun ist jeder mehr oder weniger auf sich allein gestellt", so der Trainer.

Über die eigene Whatsapp-Gruppe wird Schneider von seinen Jungs auf dem Laufenden gehalten. "Ich bin derzeit sehr weit weg von der Mannschaft. Da freue ich mich über diese kleinen Nachrichten", sagt der Besitzer zweier Sportgeschäfte in Geithain, die in diesen Tagen geschlossen sind. Er verwende die Zeit für die Verschönerung des Ladens sowie den Kontakt mit Behörden. "Außerdem nutze ich mein Laufband und gehe mit meiner Frau auf den Rochlitzer Berg wandern." Der Fußball sei in diesen Tagen nur Nebensache und eine Fortführung der Saison nicht in Sicht. "Wir brauchen keine Prognosen abgeben, wann es eventuell weitergeht."

Für gegenseitige Motivation sorgen die Germania-Spieler selbst. "Wir stellen inzwischen gegenseitig einige unserer Tore ins Internet", sagt Silvio Grötzsch. "Da darf sich jeder noch einmal bewundern."

Individuelle Trainingspläne wurden auch beim BSC Freiberg nicht verteilt. "Aktuell kümmert sich jeder um sich selbst. Ich denke zurzeit haben die Jungs auch Besseres zu tun, als Aufgaben von mir zu erfüllen", sagt Spielertrainer Rico Thomas. Doch sobald auf den Fußballplätzen wieder um Punkte gekämpft werden kann, werden die BSC-Spieler vorbereitet sein, ist sich der Coach sicher. "Auch wenn wir jetzt alle zu Hause bleiben, werden wir trotzdem etwas für den Körper tun, bis es wieder losgeht. So erwachsen ist jeder im Team, dass er das verstanden hat."

Gekickt wird beim BSC aber weiterhin, auch wenn sich das Spielgerät ein wenig verändert hat. Auf der Instagram-Seite der Freiberger zeigt B-Junior Luigi Nestler, welche Tricks er mit einer Klopapierrolle beherrscht. "Die Männer werden das bestimmt auch mal ausprobieren, aber stellen es wahrscheinlich lieber nicht ins Netz. Denn besser als Luigi können sie es eigentlich nicht machen", so Thomas schmunzelnd.

Auch beim SV Lichtenberg finden die einzigen fußballerischen Einlagen online statt. Auf ihrer Facebook-Seite nominieren sich die SVL-Spieler gegenseitig, um zu sehen, wer am besten mit dem "weißen Gold" jonglieren kann. Toni Kokott, Danny Kluge und Benjamin Kohl haben bereits an der Herausforderung teilgenommen und ein Video hochgeladen. "So schwierig die Lage auch ist, wir dürfen den Spaß nicht verlieren und die eine oder andere Sache mit Humor nehmen", sagt Trainer Manuel Kluge.

Wie beim BSC gibt es auch in Lichtenberg keine speziellen Vorgaben des Trainers. "Jeder macht das von sich aus. Da vertraue ich allen." Alles andere wäre nach Kluges Ansicht auch übertrieben. "Wir spielen im Amateurbereich und sind keine Profis. So etwas wie individuelle Trainingspläne oder einen Laktattest wird es hier nicht geben. Und das ist auch gut so."


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2Kommentare
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  • 3
    4
    Freigeist14
    28.03.2020

    typewriter@ Und im Flur brennt noch Licht .

  • 4
    3
    typewriter
    28.03.2020

    Sie wissen schon, dass Sie gegen die sächsische Allgemeinverfügung verstoßen, wenn sie zu zweit joggen gehen? Oder leben Sie im gleichen Haushalt?