Locker an die hohe Hürde

Die Mittweidaer Leichtathletin Anne Weigold läuft am Samstag bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig. Dort ist einiges anders als sonst.

Mittweida.

Zeit ist ein kostbares Gut, und Anne Weigold hat sie in diesen Tagen kaum. Auf die Hürdensprinterin der LG Mittweida wartet am Samstag mit der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig der Saisonhöhepunkt, "aber ich muss dazu noch Training, Studium und die Familie unter einen Hut bringen", sagt die 22-jährige Sprinterin mit einem Schmunzeln.

Zumindest am vergangenen Wochenende konnte sie etwas entspannen. Eine Familienfeier in Mecklenburg-Vorpommern brachte Abwechslung. "Und ich konnte meine Verwandten das erste Mal seit der Corona-Krise wieder besuchen", sagt Anne Weigold. Danach ging es von der Seenplatte direkt zum Sportpark Rabenberg, wo sich die Mittweidaer Leichtathleten in dieser Woche im Trainingslager befanden. "Am Freitag heißt es dann schnell zuhause Sachen packen und ab nach Braunschweig." Immer mit dabei sind die Unterlagen für die Hochschule, denn die Studentin (Soziale Arbeit) schreibt trotz der Semesterferien an einer Belegarbeit. "In den freien Spitzen muss ich das nutzen. Die Abwechslung zwischen Sport und Studium tut mir auch ganz gut."

Nun richtet sich der Fokus aber auf die nationalen Titelkämpfe in Niedersachsen. "Sie sollten schon im Juni stattfinden, doch aufgrund von Corona war uns allen klar, dass das nichts wird", sagt Anne Weigold. Dass sie nun doch ausgetragen werden, sei schön. Weniger schön sei dagegen, dass keine Zuschauer ins Stadion dürfen. "Es ist immer besser, vor Publikum zu laufen. In einem vollen Stadion sauge ich die Atmosphäre nach meinen Läufen auf."

Sportlich lief es in den vergangenen Wochen bei der 22-Jährigen sehr ansprechend. Bei einem Meeting in Leipzig - ihrem ersten Wettkampf nach der langen Corona-Pause - bewältigte sie die 100 Meter Hürden in 13,79 Sekunden. "Dass es da schon unter 14 Sekunden klappt, hätte ich nicht gedacht." Eine Woche später setzte sie bei der Sparkassen-Gala in Regensburg ein erstes Ausrufezeichen: In 13,42 s lief sie zu persönlicher Bestleistung, die gleichbedeutend mit deutscher Jahresbestleistung ist. Als einen Fingerzeig in Richtung Braunschweig möchte sie diese Leistung aber nicht interpretieren. "Die besten deutschen Hürdensprinterinnen steigen erst am Meisterschaftswochenende ein", sagt sie. "Und außerdem kann bei zehn Hürden so viel passieren." Die Qualifikation für den Endlauf nimmt sie aber ins Visier.

Die Vorbereitung auf die ersten Freiluftwettkämpfe war trotz der Corona-Pause lang. Anne Weigold durfte als erste Sportlerin überhaupt das Mittweidaer Stadion wieder betreten - mit einer Sondergenehmigung, da sie Kaderathletin ist. "Da haben einige schon von weitem skeptisch geschaut und Fotos gemacht", blickt sie zurück. "Doch ich hatte die Papiere dabei." Teilweise trainierte sie mit ihrem Vereinskollegen später auf Feld- und Waldwegen. "Das hat zwar meinen Füßen gut getan, aber natürlich haben die Hürden dort gefehlt." Bei der Rückkehr ins Stadion waren die Hindernisse zwar dabei, aber dann wollte der Fuß nicht so richtig, was eine kleine Verletzungspause nach sich zog. "Danach haben wir größtenteils Techniktraining gemacht." Ihr Manko bleibe ihr der Start. "Da müssen wir noch dran arbeiten."

In Braunschweig muss sie am Wochenende strenge Hygienevorschriften beachten. "Einen Corona-Test muss ich im Vorfeld zwar nicht machen, aber vor Ort wird Fieber gemessen und die Maskenpflicht gilt auch für die Sportler", sagt sie. Lediglich bei der Erwärmung und im Wettkampf darf sie abgesetzt werden. "Sehr schade finde ich, dass wir die anderen Wettbewerbe nicht im Stadion verfolgen dürfen", bedauert sie. Darum wird sie nach ihrem Vorlauf noch einmal das Hotel aufsuchen. "In der Regel fahren wir nach dem Wettkampf ja direkt nach Hause, doch diesmal mussten wir aufgrund der Bestimmungen im Stadion eine zusätzliche Nacht buchen."

In Braunschweig sind noch zwei weitere mittelsächsische Athleten am Start: Der Riechberger Marvin Schlegel (LAC Erdgas Chemnitz) darf sich über 400 Meter Hoffnungen auf eine Medaille machen. Im Diskuswerfen ist die Mittweidaerin Sandy Uhlig, die inzwischen für den SV Halle startet, dabei.

TV-Tipp Der Vorlauf von Anne Weigold beginnt am Samstag, 16.45Uhr, ein mögliches Finale 19.25 Uhr. ARD (Samstag) und ZDF (Sonntag) berichten jeweils ab 17.10 Uhr von den Leichtathletik-Titelkämpfen.

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