Mit 30 schon in den Ruhestand

Eric Braun war zehn Jahre lang Vorstandschef des SV Fortschritt Lunzenau. In dieser Zeit hat er viele schöne Momente erlebt.

Lunzenau.

Wenn Eric Braun in diesen Tagen seinen Arbeitskollegen erzählt, dass er morgen bei seinem Sportverein "in "Rente geht", dann sorgt das schon für das ein oder andere Lächeln. Aber: Bei der Vorstandswahl des SV Fortschritt Lunzenau tritt der 30-Jährige nicht noch einmal an. Zehn Jahre stand er an der Spitze des gut 350 Mitglieder zählenden Vereins.

"Zehn Jahre in Verantwortung zu stehen, das hat dann schon eine gewisse Halbwertszeit - sowohl im Ehrenamt als auch in anderen Bereichen", sagt Braun, der inzwischen mit seiner Frau Isabell und den drei Kindern in Burgstädt lebt. "Die Frage ist auch immer, was du dem Amt noch geben kannst." Am Ende bringe es nichts, "wenn dein Name auf dem Papier steht, du aber nichts mehr einzubringen hast".

Gerade die letzte Zeit habe er genutzt, um verschiedene Dinge zu ordnen. "Und inzwischen ist es leider so, dass man viele Vereine wie eine GmbH führen muss. Oft war der Tag vorbei, aber die Arbeit noch da", sagt der 30-Jährige. Hinzu kommt die Kontaktpflege. "Als Vereinschef musst man überall mitspielen, Verbindungen schaffen und auch kleine Politik machen - man musst sich anders organisieren", erklärt Braun. Gerade bei Diskussionen mit der Kommune wünsche er sich mehr kontroverse Auseinandersetzungen und Kompromisse. Dass sei leider verloren gegangen.

Sein Mandat als Stadtrat legte Braun aufgrund des Umzugs nach Burgstädt im Juli nieder. "Für mich persönlich hätte ich gern die zehn Jahre vollgemacht." In Burgstädt arbeitet er in der Kommunalen Wohnungsverwaltung und steht vor dem Einzug in die Geschäftsleitung.

Eric Braun ist seit 20 Jahren im Lunzenauer Verein. "Mein Bruder hat damals Tischtennis als Hobby erkunden wollen, allerdings hat er nach kurzer Zeit wieder aufgehört", erinnert er sich. Er selbst blieb an den Tischen, wurde Jugend- und kurz darauf auch Abteilungsleiter. 2008 schlug sein Vorgänger und der ehemalige Vorstand den damals 20-Jährigen als Vereinschef vor. Das Rüstzeug dafür hatte er schon: Zu Schulzeiten war Braun nicht nur im Landesbildungsrat, sondern auch Vorsitzender des Landesschülerrates Sachsen. Rhetorisch begabt war er schon immer. "Ich war immer ein wenig der Revoluzzer, und wenn ich wirklich Zeit habe, fallen mir regelmäßig neue Ideen ein."

So war es auch bei Fortschritt Lunzenau. "Das Horrorszenario mit der Auflösung des Vereins haben wir glücklicherweise abgewendet", sagt Braun. Die ersten Jahre ging es stetig bergauf. Ein Höhepunkt war das Gastspiel der Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund 2014 vor über 3000 Zuschauern. "Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem der Aufschwung vorbei ist. Die Belastung des Einzelnen ist zu groß geworden", sagt der Familienvater und kritisiert sich dabei auch selbst. "Nun ist der Punkt um aufzuhören."

Zudem sei trotz des Aufschwungs der familiäre Charakter im Sportverein etwas auf der Strecke geblieben. "Wir hätten die älteren Mitglieder, die skeptisch waren, mitnehmen müssen", sagt Braun. "Die alten Weggefährten sind die Seele des Vereins gewesen." Doch diese hätten sich inzwischen zurückgezogen. Bei der morgigen Wahl wird Brauns Stellvertreter Tommy Haeder für das Amt des Vorsitzenden kandidieren. Sollte er gewählt werden, würde er Braun gern zum Ehrenpräsidenten ernennen - der mittels einer Satzungsänderung sogar Mitspracherecht im Vorstand hätte. "Ich bin ja in vielen Institutionen unterwegs - und daher konnten sie die Ehrung nicht ganz vor mir geheim halten", schmunzelt Braun. Er überlegt allerdings noch, ob er es annimmt.

Einmal sei er doch bei einer Ehrung überrascht worden: Zur Eröffnung der Kinder- und Jugendspiele in Mittweida wurde Eric Braun für seine Verdienste um den Sport im Freistaat durch Landessportbund ausgezeichnet. Zudem ist er Vorsitzender der mittelsächsischen Sportjugend, Vizepräsident beim Kreissportbund und sitzt im Jugendhilfeausschuss des Landkreises - Funktionen, die er weiter bekleiden wird.

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