Mit Ruhe und Verschmitztheit

Rüdiger Borck, der Ehrenpräsident des Kreissportbundes Mittelsachsen, wird diesen Freitag 80 Jahre alt. Über diese Zeit hat ihn der Sport immer begleitet -jetzt hält er sich aber nur mit Hacke und Gartenschere fit.

Mittweida.

Als größten Erfolg in seinem Leben nennt Rüdiger Borck keine sportlichen oder beruflichen Errungenschaften: "Das Wichtigste für mich war, dass die Familie über all die Jahre immer zusammengehalten hat und ich immer einen festen Rückhalt hatte." Der zweifache Vater, fünffache Großvater und dreifache Urgroßvater hat in 80 Jahren eine Menge erlebt. Über 40 Jahre war er als Sportfunktionär tätig und hauptverantwortlich dafür, dass die ehemaligen Kreissportbünde Freiberg, Mittweida und Döbeln sich 2008 zum KSB Mittelsachsen zusammenfügten.

1939 geboren, wuchs Borck in Angermünde in der Uckermark auf. Als zweitältestes Kind von zehn Geschwistern begann er früh auf dem Land zu helfen. "Ich habe den Stall für die Hühner, Schweine und Ziegen ausgemistet", erzählt Borck. Sportlich war er zwar immer, durch die Arbeit mit Tieren hatte er aber einen anderen Berufswunsch. "Ich wollte Förster werden, doch in unserem Ort gab es dafür keine Ausbildungsstelle." Während der fünfjährigen Armeezeit in Frankenberg entflammte dann die Liebe zum Sport. "Ich war Turner und habe zusätzlich mit Gewichtheben angefangen."

1964 begann Borck ein Studium an der DHfK in Leipzig und wurde anschließend Diplomsportlehrer in Mittweida. "Ich hatte meine Erfüllung gefunden", sagt der gelernte Stahlschiffbauer. Ab 1978 startete er seine Funktionärslaufbahn beim DTSB der DDR und arbeitete mit jungen Volleyballern und Fechtsportlern in den Trainingszentren. Borck war zudem Organisator der Spartakiade, dem Vorreiter der heutigen Kreis-Kinder- und Jugendspiele, "an denen damals 5000 bis 7000 Nachwuchssportler teilnahmen".

Nach der Wende plagten Borck Existenzängste. "Ich war fünf Monate arbeitslos und wusste nicht wie es weitergeht." Doch dann fand er den Weg zurück zum Sport und war Mitbegründer des Landessportbundes. Später war er zunächst Präsident des Kreissportbundes Hainichen, dann des KSB Mittweida und schließlich, nach der nächsten Kreisreform, des KSB Mittelsachsen. "Keiner wollte damals das Präsidentenamt im neuen Landkreis. Ich hatte die meiste Erfahrung und war bereit, Verantwortung zu übernehmen." Unter Borcks Führung wurde das Bildungswerk sowie der Rechtsausschuss des LSB gegründet, er rief den Landkreislauf ins Leben und war viele Jahre Organisationschef der sächsischen Sportgala. "Die Erfolge waren aber das Produkt aller Mitarbeiter", so Borck.

In seiner sportlichen Karriere probierte sich der Mittweidaer in vielen Bereichen aus. Egal ob Turnen, Fechten, Handball, Fußball, Gewichtheben oder Rudern - Borck konnte sich für alle Sportarten begeistern. Bis 2016 war er sogar noch im Volleyball aktiv, "aber nun halte ich mich nur noch im Garten fit". Zudem geht er wandern - "aber da kann er sich noch deutlich steigern", pflichtet seine Frau Barbara schmunzelnd bei.

Auch wenn Rüdiger Borck seit 2004 Rentner ist, ist er bei vielen Sportveranstaltungen der Region anzutreffen. "Ich helfe gerne, auch wenn ich knapp 70 Prozent der Leute nicht mehr kenne." Es seien viele neue Gesichter da. "Aber das finde ich gut, denn es sind viele junge Menschen mit Ehrgeiz dabei. Die brauchen wir."

KSB-Präsident Volker Dietzmann kann seinem Vorgänger für dessen Verdienste gar nicht genug Respekt zollen. "Seine größte Leistung war es, den KSB nach dem Strukturwandel 1990 und den neuen Gebietsreformen 1994 und 2008 mit viel Sachverstand immer wieder in geordnete Bahnen zu lenken." Er habe immer im Sinne des Sport und der Vereine gehandelt. "Seine große Stärke war, dass er ohne viel Polemik, sondern mit Ruhe, dem nötigen Augenmaß und einer gewissen Verschmitztheit, die es braucht, gearbeitet hat."

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