Professor plant Gipfelsturm

Der Mittweidaer Thomas Villmann bricht heute zu seiner Expedition nach Ecuador auf. Dort will er binnen sieben Tagen drei Berge bezwingen. Trainiert hat er dafür nicht nur auf dem Laufband, sondern vor allem in seiner Arbeitsstätte.

Mittweida.

Eine kleine Motivation hat Thomas Villmann in dieser Woche während seines Höhentrainings in einem Chemnitzer Physiotherapiezentrum für seine Bergtour schon bekommen. Hinter dem Laufband hing ein großes Bild des Matterhorns an der Wand. "Das habe ich auch schon versucht zu besteigen, doch an der Solvay-Hütte, die auf 4000 Metern Höhe liegt, musste ich aufgrund vereister Felsen umdrehen", erinnert sich der Professor für Mathematik und Maschinelles Lernen von der Hochschule Mittweida. In den kommenden Wochen geht es für den 54-Jährigen noch höher hinaus. Binnen sieben Tagen will er drei Berge besteigen - und das im Hochgebirge der Anden Ecuadors.

Zunächst nimmt er den Cayambe (5790 Höhenmeter) in Angriff, danach folgen noch der Cotopaxi (5897 m) sowie der Chimborazo (6310 m), der höchste Berg in Ecuador. Dass die Zeit knapp ist - bereits Mitte August will er wieder in Sachsen sein -, weiß Villmann auch. "Eigentlich braucht man vor Ort zwei Wochen, um sich zu akklimatisieren", sagt er. Diese Zeit hat er aber nicht. Daher fuhr er speziell in dieser Woche in das Chemnitzer Physiotherapiezentrum und steigerte nach und nach die Belastung - zuletzt simulierte er mit dem Gerät eine Höhe von 7000Metern. "In der Höhe nimmt der Partialdruck ab und die roten Blutkörperchen können nicht mehr so viel Sauerstoff aufnehmen. Dieser Mangel wird hier mit diesem Gerät simuliert." Eine Stunde lief er dabei meist, danach maß er die Werte noch im Ruhepuls. Ein wenig Zeit vor der ersten großen Tour bleibt ihm auch vor Ort für die Akklimatisierung. Ecuadors Hauptstadt Quito liegt bereits fast auf 3000 Metern Höhe. "Danach starten wir zunächst mit kleineren Bergtouren." Auf gut 4800 Metern werden die Expeditionsteilnehmer am Fuße der Berge nächtigen. Villmann reist mit einer Gruppe, die sich über einen Reiseanbieter zusammenfinden. "Zwei von meinen Begleitern kenne ich schon von früheren Touren."

Als Kind sei Villmann einmal die Hohe Tatra gefahren. Schon da habe ihn das Wanderfieber gepackt. Es folgte das Höhenbergsteigen, das er seit 2004 regelmäßig ausübt - zunächst in den Westalpen, danach auch im Himalaya. In China ging es bis auf über 7500 Meter hoch. Doch in Ecuador warten andere Herausforderungen auf ihn. Das seien vor allem die instabilen Westwinde in den Anden, so Villmann. "Ein Kollege war bereits dort und musste 200Meter vor dem Gipfel umkehren, weil er einen Eispanzer über den Sachen hatte." Beim Aufstieg geht es unter anderem über alpine Wege, teilweise auch Kletterstellen und über Gletscherspalten.

Über solche wollen die Bergsteiger vor allem mit Schneebrücken kommen. "Darum beginnen unsere Anstiege bereits nachts, weil der Schnee dann hält", sagt Villmann. 16 Stunden rechnet er für einen Gipfelsturm - hin und zurück. "Wer denkt, dass er es geschafft hat, wenn er oben ist, irrt sich." Besonders die Abstiege seien gefährlich, weil das Körpergewicht dann nach unten drückt, dazu das Gepäck. "Am Gipfeltag braucht man mindestens drei Liter zu trinken, Essen, warme Kleidung, Karabinerhaken und Seile", sagt er. Alles Dinge, die man nicht verlieren sollte, ebenso wenig wie die Demut vor dem Berg. "Ich will beim Bergsteigen meine persönlichen Grenzen kennenlernen, aber man muss wissen, wann man umkehren muss." Der Berg bestimme, was man darf und kann, sagt er. Beim Piklenin in Kirgistan musste er 2008 wegen einer Schneesturmwarnung 84 Meter unter dem Gipfel umkehren.

Da Villmann auch dem Judo-Landesliga-Team der HSG Mittweida angehört, kann er aus diesem Sport einige Aspekte mitnehmen. "Beides ist eine Willensschulung und man muss akzeptieren, wenn der Gegner oder der Berg besser ist." Trainiert hat er auch in der Hochschule selbst: "Im Haus 6 bin ich jeden Abend die Stufen 50 Mal auf und ab gegangen."

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