Riechberger verarbeitet EM-Premiere daheim

Marvin Schlegel hat die deutsche 4-x-400-Meter-Staffel in Berlin ins Finale geführt - für das er dann nicht nominiert wurde. Die Enttäuschung hält sich aber in Grenzen.

Bräunsdorf.

Größer könnte der Unterschied kaum sein. Noch am Freitag sprintete Marvin Schlegel über die blaue Laufbahn des Berliner Olympiastadions und wurde von 10.000 Fans als Startläufer der deutschen Staffel beim Vorlauf der Leichtathletik-Europameisterschaften angefeuert. Jetzt ist die Laufbahn rot, der Lärmpegel auf ein paar zwitschernde Vögel beschränkt, das Tempo deutlich langsamer. Auf dem Sportplatz seines Heimatvereins, des SV Einheit Bräunsdorf, dreht Schlegel derzeit seine Runden. "Um auch im Urlaub fit zu bleiben", wie er sagt. "Training ist das nicht."

Während der 20-Jährige die Ruhe auf der Anlage oder im Elternhaus im benachbarten Riechberg genießt, muss er einiges verarbeiten. Da war zum Beispiel die Deutsche Meisterschaft Ende Juli, als Schlegel über die 400 Meter mit neuer persönlicher Bestleistung erstmals unter 46 Sekunden blieb und den Sprung in den Kader des DLV für die EM schaffte - für den Langsprinter des LAC Chemnitz die erste Teilnahme an einem großen internationalen Wettbewerb bei den Erwachsenen überhaupt. Dann war das Trainingslager in Kienbaum, anschließend die Unterbringung im Maritim-Hotel in Berlin. "Dort waren alle deutschen Athleten, ich war also auch hautnah dabei, als die Medaillengewinne gefeiert wurden", sagt Schlegel.

Das "Erlebnis EM" wurde für den U-23-Meister 2017 noch besser, als er von seiner Nominierung für die Staffel erfuhr. "Da ist die Aufregung natürlich gestiegen, zumal ich als Startläufer noch mehr im Fokus der Zuschauer stehe", blickt der eher introvertierte junge Mann zurück. Das Rennen selbst lief aus seiner Sicht gar nicht schlecht. "Wir sind mit einer passablen Zeit Fünfter geworden und mussten hoffen, dass im zweiten Lauf kein Team ab Platz 4 schneller war." Das sei an die Nerven gegangen, aber es hat gereicht.

Die Freude über das Finalticket hielt für Marvin Schlegel aber nicht lange an: Er wurde für den Endlauf am Samstagabend nicht nominiert. "Meine Zeit war Bundestrainer Edgar Eisenkolb nicht gut genug", sagt der Wahl-Chemnitzer. "Diese Entscheidung musste ich akzeptieren." Statt vor 60.000 Fans zu laufen, war Schlegel zum Zuschauen verdammt und musste miterleben, wie die deutsche Staffel als Letzte ins Ziel kam. Die Zeit ohne Schlegel war mit 3:04,69 Minuten langsamer als mit ihm (3:03,37). Was auch dazu führt, dass der Läufer, der in Bräunsdorf vom vor zwei Jahren verstorbenen Trainer Gerd Hofmann entdeckt wurde, nicht über das Finale sprechen möchte. Er sagt nur: "Natürlich war ich traurig, dass ich nicht starten durfte. Aber ich bin noch jung und werde hoffentlich noch ein paar Chancen bekommen."

Aus Berlin nehme er zahlreiche Eindrücke von tollen Wettkämpfen, vielen Erfolgen und der grandiosen Stimmung mit. Bevor es in drei Wochen mit der Ausbildung zum Polizeibeamten in der Sportfördergruppe Leipzig weitergeht, ist erst einmal Pause angesagt. Mit Freundin Lilly, einer ehemaligen Leichtathletin, dreht Marvin Schlegel höchstens ein paar Runden im idyllischen Bräunsdorfer Striegistalstadion.

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